Artikel • 21.3.2020

Sabbatical: Die Auszeit von der Arbeit

Projekte umsetzen oder Reisen?

Tiefenentspannt am Pool

In Zeiten, in denen eine ausgewogene Work-Life-Balance großgeschrieben wird, wünschen sich viele Arbeitnehmer eine längere Auszeit vom turbulenten Berufsalltag. Ein Sabbatical bringt die Möglichkeit mit sich, liegen gebliebene Projekte zu erledigen, zu reisen oder einfach nur den Stress hinter sich zu lassen. Doch wie wird ein solches Sabbatjahr finanziert und was muss beachtet werden?

Sabbatical: Was ist das eigentlich?

Ein Sabbatical beschreibt die längere Auszeit vom Berufsalltag. Im Deutschen ist auch die Bezeichnung „Sabbatjahr“ geläufig. Tatsächlich leitet sich die Bedeutung von dem hebräischen Wort „Sabbat“ ab. Die in der Tora beschriebene Sabbatruhe besagt, dass alle sieben Jahre eine Erholung für das Land und den Menschen anzustreben ist. Ebenso lässt die wörtliche Bedeutung „innehalten“ oder „mit etwas aufhören“ auf den Kern der Arbeitspause schließen.

In Deutschland unterliegt das Sabbatical keinen gesetzlichen Regelungen. Lediglich Beamte und Angestellte im Öffentlichen Dienst genießen einen Anspruch auf die Freistellung. Alle anderen müssen individuell mit dem Arbeitgeber aushandeln, inwiefern sich ein Sabbatjahr realisieren lässt.

Eine mögliche Dauer erstreckt sich von vier Wochen unbezahltem Urlaub bis hin zu einem ganzen arbeitsfreien Jahr. Der Arbeitgeber darf selbst entscheiden, ob jeder Mitarbeiter nur einmal das Recht auf ein Sabbatical hat oder ob die Auszeit mehrmals genommen werden darf.

Selbstfindung oder Reiselust: Motive für ein Sabbatjahr

Den Arbeitsplatz für längere Zeit zu verlassen, ist kein einfacher Entschluss. Dennoch entscheiden sich immer mehr Arbeitnehmer dafür. Häufig ist es die Reiselust, die diesen Schritt vorantreibt. Aber auch Zeit für sich selbst oder eine Neuorientierung sind häufig genannte Gründe für ein Sabbatical. Ebenso lässt sich die Zeit hervorragend für persönliche Weiterbildungen nutzen.

Im Mittelpunkt steht neben all diesen Beweggründen häufig eine Auszeit vom Arbeitsstress. Mentale Belastung durch den Beruf gilt als eine wesentliche Gefahrenquelle für ein Burn-out. Somit stellt das Sabbatical auch eine präventive Maßnahme für die psychische Gesundheit dar. Ein schlagkräftiges Argument, um den Arbeitgeber von einer Freistellung zu überzeugen.

Projekte während Sabbatical umsetzen

Das Sabbatical finanzieren: Verschiedene Modelle der Umsetzung

Ein Jahr nicht arbeiten zu müssen klingt verlockend – doch wie sieht es in dieser Zeit mit der finanziellen Absicherung aus? Es gibt verschiedene Modelle und Herangehensweisen, die ein Sabbatical ermöglichen.

1. Unbezahlter Urlaub

Die erste Option ist die des unbezahlten Urlaubs. Wer sich nur eine kurze Auszeit von bis zu vier Wochen wünscht, ist hier richtig aufgehoben. Denn in dieser Zeit laufen alle Sozialversicherungen weiter.

Wird der Sonderurlaub allerdings für drei, neun oder zwölf Monate beantragt, ist von einem ruhenden Arbeitsverhältnis die Rede. In einem solchen Fall muss sich der Arbeitnehmer selbst um Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung kümmern.

Das Einzahlen in die Rentenkasse ist zwar keine Pflicht – bei einem Verzicht darauf können sich die fehlenden Monate später aber beim Rentenanspruch bemerkbar machen.

2. Teilzeitmodell mit Anspar- und Freistellungsphase

Dieses Modell hat im Vergleich mit dem ersten einen klaren Vorteil: Die Sozialversicherungen laufen weiter und die Lohnzahlung wird im Sabbatjahr fortgesetzt. Aber der Arbeitgeber zahlt hier nicht fürs Nichtstun – im Vorfeld gilt es, teilweise auf das Gehalt zu verzichten. Dieses wird im Pausenjahr dann ausgezahlt.

Dieses Beispiel verdeutlicht das Modell: Ein Mitarbeiter arbeitet drei Jahre in Vollzeit. In dieser Zeit nimmt er allerdings nur 75 Prozent seines Gehalts in Anspruch. Den Rest behält der Arbeitgeber, um ihn während der Zeit des Sabbaticals auszuzahlen. Im vierten Jahr erfolgt dann die Auszahlung des zurückgehaltenen Geldes – eine ideale Unterstützung für das Sabbatjahr.

Wichtige Voraussetzung: Um von dieser Möglichkeit Gebrauch machen zu können, muss es sich beim Arbeitgeber um einen Betrieb mit mindestens 15 Angestellten handeln.

3. Ansammeln von Überstunden

Wie im vorangegangenen Modell erfolgt bei dieser Option während des Sabbatjahrs eine Auszahlung von Gehalt. Auch die Sozialversicherungen sind durch den Arbeitgeber gedeckt. Hier ist allerdings das erklärte Ziel, vor der Freistellung möglichst viele Überstunden zu sammeln, die auf ein Zeitwertkonto wandern.

Aber Achtung: Arbeitnehmer dürfen nicht mehr als zehn Stunden pro Tag arbeiten.

Da sich die Ansparphase daher länger ziehen kann, eignet sich dieses Modell vor allem für Auszeiten von bis zu drei Monaten. Einige Betriebe ermöglichen auch das Anrechnen von Urlaubstagen auf das Zeitwertkonto. Hier ist die Rücksprache mit dem Chef am sinnvollsten.

Rumhängen im Sabbatical

Sabbatical vorbereiten: Auf die richtige Planung kommt es an

Ein Sabbatjahr lässt sich nicht über Nacht verwirklichen. Der Vorgesetzte muss die frei werdende Stelle neu besetzen und der Auszeitsuchende muss alle Pläne konkretisieren. Eine Vorlaufzeit von bis zu einem Jahr ist daher sinnvoll.

Sabbatical-Vereinbarung aufsetzen

Ohne die Zustimmung des Chefs ist die Auszeit nicht möglich – daher macht es Sinn, alle Vereinbarungen schriftlich festzuhalten. Eine Sabbatical-Vereinbarung umfasst zum Beispiel:

  • Dauer der Auszeit
  • Vorgehen bei Rückkehr (z. B. Rückkehranspruch in alte Position festhalten)
  • Finanzierung des Sabbatjahres
  • Kündigungsschutz während der Abwesenheit
  • Insolvenzrechtliche Absicherung, damit das angesparte Guthaben nicht verfällt

Wer während des Sabbatjahres zusätzlich Geld verdienen möchte, sollte dieses Vorhaben spätestens jetzt ansprechen. Denn wer vom Arbeitgeber weiterhin Leistungen bezieht, muss sich an dieselben Regelungen wie während der „normalen“ Arbeitszeit halten. Konkret heißt das: Der Vorgesetzte muss über die Nebentätigkeit informiert werden und diese absegnen.

Persönliche Pläne machen

Sind alle Formalitäten geklärt, müssen eigene Projekte geplant werden. Das Auszeitjahr lässt sich nicht nur zum Entspannen nutzen. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig festzulegen, welche Ziele verfolgt werden sollen: Wohin geht die Reise? Was gilt es vorab noch zu besorgen? Auch das persönliche Umfeld lässt sich schon vor dem Start der Auszeit einbinden. Nachbarn und Freunde helfen beispielsweise dabei, während der Abwesenheit das Haus in Schuss zu halten.

Finanzielles Polster schaffen

Selbst wenn der Arbeitgeber während der Auszeit die Zahlungen fortsetzt ist es sinnvoll, frühzeitig mit dem Sparen für das Sabbatical zu beginnen. Egal ob für Reisekosten oder andere Dringlichkeiten – einen Notgroschen sollte im Sabbatjahr immer zur Hand sein.

Roadtrip während Sabbatical

Ein Sabbatjahr als Energie-Booster

Richtig geplant dient das Sabbatical als abwechslungsreiche Auszeit vom Alltag: Etwas von der Welt sehen, Fortbildungskurse besuchen oder liegen gebliebene Projekte finalisieren. Zu diesem Zweck können Arbeitnehmer unbezahlten Urlaub beantragen, ein Teilzeitmodell wählen oder vorab fleißig Überstunden sammeln.

Egal wie das Sabbatjahr schlussendlich umgesetzt wird: Die Freistellung von der Arbeit ist ein wahrer Energie-Booster, von dem nicht nur die Auszeitler profitieren. Wer sich längere Zeit am Stück eine Job-Pause gönnt, kehrt erholt und voller Tatendrang an den Arbeitsplatz zurück. Eine Win-win-Situation für Arbeitgeber und Mitarbeiter.

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