Artikel • 23.5.2020

Vanlife – Die Verwirklichung des Traums von Freiheit

Unterwegs mit dem Camper

Vanlife Meer

Sachen packen, Schlüssel rein, Motor an und ab geht es ins Abenteuer. Reisen mit dem Van sind vor allem bei Millenials gefragt wie nie. Bereits im letzten Jahr wurden mehr Reisemobile und Caravans zugelassen als jemals zuvor. Aktuell gibt es bei Instagram unter dem Hashtag #vanlife über 7 Millionen Beiträge. Die Bilder von alten Bullis in den Bergen, an idyllischen Stränden, unter Palmen, oder am Rande von Wäldern lösen großes Fernweh in uns aus. Doch wieso sind Camper Reisen gerade so beliebt? Welche Ausstattung wird benötigt? Und wie nachhaltig ist das Reisen mit dem Wohnmobil?

Was bedeutet Vanlife und woher kommt der Trend?   

Vanlife ist die moderne Art des Campings. Es ist keinesfalls gleichzusetzen mit dem „uncoolen“ Wohnmobil-Urlaub auf spießigen Campingplätzen. Vielmehr geht es darum, mitten in der Natur zu leben – möglichst fern von anderen Menschen und Fahrzeugen. Der Druck und der Stress, dem wir in der digitalen Welt aktuell ausgesetzt sind, soll zurückgelassen werden.

Im Mittelpunkt der Reise mit dem Camper steht Entschleunigung. Es geht um Freiheit. Darum, jeden Tag spontan entscheiden zu können, wo es als Nächstes hingeht und dabei trotzdem das Zuhause stets dabei zu haben. „Vanlifer“ wollen abschalten, sich selbst verwirklichen, Abenteuer erleben, die Einfachheit des Campens genießen und mit der Natur verbunden sein. Denn das kommt im Alltag viel zu kurz.

Vanlife Wüste
Freiheit und Natur: Vanlife ist so viel mehr als Camper

Alles rund ums Fahrzeug: Welches eignet sich und wie sollte es ausgestattet sein?

Vor dem Kauf eines Vans, egal ob bereits fertig ausgestattet oder zum Selbstausbauen, gibt es einiges zu beachten. Zunächst einmal muss darüber dachgedacht werden, ob das Fahrzeug auch für den Alltag geeignet sein soll oder lediglich für Reisen. Im Alltag sind Fahrzeuge mit über zwei Meter Höhe nämlich eher unpraktisch.

Wie groß sind die Personen, die mitfahren wollen? Je nachdem muss geschaut werden, dass jeder bequem Platz beim Schlafen findet.

Wie viele potenzielle Mitreisende gibt es und wie viel Equipment muss transportiert werden? Nicht, dass am Ende wichtiges Gepäck nicht mehr hineinpasst.

Wie viel Komfort wird benötigt? Auch das ist entscheidend bei der Wahl des richtigen Fahrzeuges.

Kaufen vs. selbst ausbauen

Wer wenig handwerkliches Geschick besitzt oder nicht die notwenige Zeit aufbringen kann, sollte lieber auf den Selbstausbau eines Vans verzichten. Je nachdem, wie häufig mit dem Wohnmobil verreist werden möchte, kann ein voll ausgestattetes Fahrzeug gemietet oder eben gekauft werden. Wer es günstiger haben will, sollte am besten auf einen gebrauchten Van zurückgreifen.

Wer allerdings lieber einen individuellen Van haben möchte, in dem er sich kreativ ausleben kann, der sollte sich überlegen, ob er das Projekt Selbstausbau angeht. Hierfür ist allerdings handwerkliches Geschick sowie ein gutes Raumgefühl gefragt, Erfahrung mit Holz und Elektronik kann nicht schaden, ein gutes Werkzeugsortiment sollte im besten Fall bereits vorhanden sein und etwas Freizeit wäre auch nicht verkehrt.

Der Ausbau: Das sollte rein in den Van

Wer sich für den Selbstausbau entscheidet, muss einiges bei der Planung berücksichtigen. Die Basics, an die gedacht werden muss, sind folgende:

  • Stromversorgung: Wer möglichst frei unterwegs und autonom von Camping- und Stellplätzen mit einer Landstromversorgung sein will, der darf nicht vergessen eine interne Stromversorgung im Van einzubauen, unabhängig von der Autobatterie. Nicht, dass diese irgendwann leer ist und der Van in der Pampa hängen bleibt. Welche Module dafür verwendet werden können und wie diese eingebaut werden, wird in zahlreichen Blogs beschrieben, beispielsweise in dem von „Herman unterwegs“.
  • Wasserversorgung: Sei es zum Zähneputzen, Duschen/Waschen, Kaffeekochen oder Geschirr abwaschen: auf der Reise ist Wasser das A und O. Dafür kann entweder ein Wassertank oder ein Wasserkanister genutzt werden. Welche Vor- und Nachteile diese haben und was dabei zu beachten ist, ist u.a. bei „Travel Into The Blue“ nachzulesen.
  • Schlafmöglichkeit: Hierfür sollte ausreichend Platz geschaffen werden. Reisen und Aktivitäten in der Natur machen müde. Und der wohlverdiente Urlaub sollte nicht durch schlechten Schlaf beeinträchtigt werden. Es kann entweder ein massives Bett in den Van eingebaut werden, ein Etagenbett genutzt oder schlicht eine Matratze verwendet werden..
  • Kochausrüstung: Brot und Müsliriegel stellen auf Reisen nicht dauerhaft zufrieden. Irgendwann ist die Sehnsucht nach einer warmen frischen Mahlzeit zu groß. Oder was ist mit einem guten Kaffee oder Tee? Daher sollte entweder ein Gaskocher, ein handlichen Grill oder eine kleine Küchenecke mit Kochplatte eingepackt werden.

Wer einen größeren Van besitzt, kann noch folgende Extras einbauen:

  • Campingkühlschrank: Damit zumindest ein paar Lebensmittel oder Getränke kühl gelagert werden und frisch bleiben, sollten ein kleiner Kühlschrank mit auf die Reise. Denn wer möchte sich im Urlaub nur von Dosenessen ernähren?
  • Campingtoilette: Um auf Campingplätze nicht auf Sanitäranlagen angewiesen zu sein, ist der Einbau einer Campingtoilette sinnvoll. So sind auch längere Reisen durch die Natur problemlos möglich.
  • Duschkabine: Natürlich ist es möglich, sich auf Reisen in Seen oder sauberen Flüssen zu erfrischen. Auch das Nutzen von Duschen am Strand, auf Campingplätzen oder teilweise an Tankstellen ist möglich. Wer vollkommen unabhängig sein will und ausreichend Platz im Van hat, kann sich eine kleinen Duschkabine einbauen. Auch die mobile Dusche ist eine Möglichkeit, nicht auf die Reinigung zu verzichten. Alternativ kann auch ein Duschzelt mitgeführt werden. Es ist innerhalb von Sekunden aufgebaut und kann universal eingesetzt werden.
Mit dem Van immer gerade aus
Flexibilität und ein gewisser Komfort sind bei Reisen mit dem Camper wichtig

Die Vorbereitung der Reise – Verpflegung, Versicherungen, Apps

Ist der Van gekauft, gemietet oder vollständig nach den eigenen Wünschen ausgebaut, geht es an die Vorbereitung des Abenteuers. Welche Verpflegung muss mit? Welche Versicherungen sollten abgeschlossen werden? Und welche Apps sind unterwegs hilfreich?

Verpflegung: Weniger ist mehr

Da beim Reisen mit dem Camper nicht viel Platz ist, um Lebensmittel zu verstauen, ist es ratsam sich an einfache Speisen zu halten, die nicht zu viele Zutaten benötigen.

  • Nudeln sind dabei der Favorit. Sie sind schnell gekocht und können in unterschiedlichen Variationen, ob mit einer einfachen Tomatensoße, Gemüse oder Pesto, gegessen werden.
  • Perfekt geeignet sind des Weiteren deftige Eintöpfe. Eine Kartoffelsuppe zum Beispiel ist rasch zubereitet und stillt zudem den Hunger.
  • Auch das Grillen ist wichtiger Bestandteil der Campingküche. Ein paar Würstchen, Steaks, Gemüse oder Käse mit etwas Baguette dazu und fertig ist das Abendessen.
  • Außerdem muss es nicht immer etwas Warmes sein. Brot und diverse Salate sind ebenfalls leicht in der Vorbereitung und gerade an heißen Sommertagen steht einem sowieso nicht der Sinn nach etwas Warmen und Deftigem.

Versicherungen: Für alle Fälle gerüstet

Egal ob eigener oder gemieteter Van: eine gute Absicherung ist wichtig. Jeder ist dazu verpflichtet, eine KfZ-Haftpflichtversicherung abzuschließen. Erleiden Dritte Schäden beim Gebrauch des Fahrzeugs, werden diese dadurch ersetzt.

Es ist außerdem sinnvoll, wenigstens eine Teilkaskoversicherung zu haben. Diese schützt vor Schäden durch Unwetter, Nager oder sogar Diebe.

Einige Versicherer bieten darüber hinaus speziell für Reisen mit dem Wohnmobil eine Versicherung an. In der Camping- oder auch Wohnmobilversicherung ist das Zubehör (beispielweise eine Markise), das bewegliches Inventar (wie Fernsehgeräte, Laptops oder Kleidung) und teure Sport-Ausrüstung im Schutz inbegriffen.

Hilfreiche Apps: Smart das Vanlife genießen

Es gibt zahlreiche Apps, die das Vanlife einfacher gestalten. Hier seien nur die wichtigsten kurz vorgestellt. Sie sind alle gratis in den App-Stores für Android und Apple erhältlich:

  • City Maps 2 Go: Diese App ist vor allem für Auslandsfahrten praktisch und wenn vor Ort keine Internet-Verbindung vorhanden ist. Im Vorfeld der Reise können Karten von zahlreichen Ländern, Regionen und Städten aus aller Welt gespeichert werden, die dann offline abrufbar sind.
  • Stellplatz-Radar: Auf der Suche nach Stellplätzen in ganz Europa werden Vanlifer hier schnell fündig. Bei der Wahl des richtigen Stellplatzes helfen Kundenbewertungen, die in der App integriert sind.
  • Green Zones: Hier gibt es Kartendaten von Umweltzonen, deren Regeln sowie der Information, ob mit dem eigenen Fahrzeug eingefahren werden darf.
  • Wifi Finder: Auch wer dem Alltag entfliehen möchte, kann vielleicht doch hin und wieder W-LAN gebrauchen. Diese App präsentiert alle im Umkreis registrierten W-LAN Stationen in 144 Ländern weltweit. Sie funktioniert online und offline.
  • wetter.com: Wer noch keine Wetter-App auf dem Smartphone hat, dann ist es höchste Zeit. Besonders auf Reisen für die Planung der Aktivitäten ist eine solche App nützlich.
Vanlife VW Bus
Jeden Tag irgendwo anders: Vanlife ist Trend

Vanhacks – Nützliche Tipps für das Vanlife

Im Folgenden liefern wir noch ein paar Lifehacks für den Urlaub mit dem Wohnmobil. Welche Gadgets machen das Vanlife leichter und sorgen für eine noch angenehmere Reise?

  • Neutralseife: Egal ob Geschirr, Möbel oder Fahrzeug – mit ihr lässt sich alles reinigen. So müssen nicht mehrere Flaschen mitgenommen werden, sondern nur eine einzige.
  • Wäscheleine und -klammern: Wo sollen auf Reisen die nassen Handtücher oder trocken Kleidung aufbewahrt werden? Ein Wäscheständer ist zu sperrig im Fahrzeug. Daher sind besonders die Wäscheleinen mit integrierten Clips perfekt für unterwegs.
  • Camping-Geschirr: Auf normales Geschirr sollte im Van bestmöglich verzichtet werden. Auf der Fahrt kann es schnell kaputt gehen. Da Pappteller und Plastikbesteck allerdings auch keine Lösung sind, ist das leichte Camping-Geschirr eine gute Alternative. Es ist bruchsicher und stoßfest und kann immer wieder verwendet werden.
  • Magnete: Sie sind wahre Multitalente und helfen auf engstem Raum Ordnung zu halten. Geräte wie Fernbedienungen, Tablets oder Lautsprecher lassen sich daran befestigen. Türen und Schränke können mit Hilfe der Magnete sicher geschlossen bleiben. Da der Van nämlich selten zu 100% geradesteht, öffnen diese sich sonst hin wieder von allein. Außerdem können Magnethaken an der Innenwand oder an der Außenseite des Campers angebracht werden, um dort beispielsweise Handtücher und Waschbeutel aufzuhängen.
  • Schneeketten: Selbst im Sommer können sie beim Reisen mit dem Camper wichtig werden. Schnell passiert es, dass der Van auf matschigen Wiesen oder Feldern stecken bleibt. Ist dann kein Abschlepphelfer zur Hand, sind Schneeketten eine große Hilfe.

Wie nachhaltig ist das Vanlife?

Nachhaltigkeit ist in diesem Fall das, was einer selbst daraus macht. Fest steht, dass auf der Fahrt einen hohen Benzinverbrauch zu Buche steht und CO2-Emissionen nicht vermeidbar sind. Allerdings ist die CO2-Bilanz bei Reisen mit dem Wohnmobil immer noch besser als bei Reisen mit dem Flugzeug oder Kreuzfahrtschiff.

Wer Müll und Fertigessen mit viel Verpackung weitestgehend vermeidet, schützt die Umwelt. Besser ist es, Camping- statt Papp- und Plastik-Geschirr mitzunehmen und vor Ort frische Lebensmittel bei den Einheimischen einzukaufen. Abgesehen davon zwingt einen der Minimalismus beim Reisen mit dem Van zu Nachhaltigkeit. Da im Fahrzeug nur wenig Platz vorhanden ist, ist es wichtig, sich auf das Wesentliche zu beschränken und das Konsumverhalten so gering wie möglich zu halten.

Da weniger Wasser und Strom zur Verfügung steht als daheim, wo jederzeit alle Geräte und Wasserhähne genutzt werden können, wird automatisch sparsamer und bewusster damit umgegangen – ein großes Plus für die Nachhaltigkeit.

Mit dem Camper unter den Sternen
Die Natur genießen. Alleine deshalb ist Nachhaltigkeit besonders wichtig

Natur, Minimalismus und Abenteuer – Das macht Vanlife aus

Eines sei an dieser Stelle gesagt: Das Vanlife ist nicht für jeden geeignet. Wer im Urlaub Luxus braucht, viel Platz für sich benötigt und sich ungern einschränkt, der sollte lieber darauf verzichten.

Wer allerdings Outdoor-Aktivitäten liebt, sich gern in der Natur aufhält, sich spontan entscheiden will, wo es als nächstes hingeht, und wer auch einmal die Stille genießt, für den ist das genau das Richtige. Bei der Camperreise kann sich jeder frei fühlen, dem Alltagsstress entfliehen, sich zurückziehen und sich auf die elementaren Dinge im Leben konzentrieren. Unabhängig und ungebunden – so lässt sich die Natur mit anderen Augen betrachten.

Beim Reisen mit dem Wohnmobil geht es auch um Verzicht. Einige Erfahrungen daraus lassen sich mit Sicherheit auch gut im Alltag anwenden.