In Kooperation mit

Job & Karriere

Saudi-Arabien Traum Lokführerin – 28.000 Bewerberinnen auf 30 Stellen

Ein winziger Schritt in Richtung Gleichberechtigung? Auf 30 ausgeschriebene Stellen als Lokführerinnen in Saudi-Arabien meldeten sich mehr als 28.000 Frauen. Bis 2018 durften sie in dem Königreich nicht einmal Auto fahren.
Endstation Lokführerin: Auf 30 freie Stellen bewarben sich Tausende saudi-arabische Frauen. Sie sollen Hochgeschwindigkeitszüge zwischen den Städten Mekka und Medina fahren

Endstation Lokführerin: Auf 30 freie Stellen bewarben sich Tausende saudi-arabische Frauen. Sie sollen Hochgeschwindigkeitszüge zwischen den Städten Mekka und Medina fahren

Foto: Giuseppe Cacace / AFP

Arbeiten und Geld verdienen – im ultrakonservativen Saudi-Arabien ist das für Frauen nach wie vor alles andere als selbstverständlich. Die spanische Eisenbahngesellschaft »Renfe« wollte daran etwas ändern – und schrieb 30 Stellen für Lokführerinnen aus.  Am Ende erhielt das Unternehmen 28.000 Bewerbungen, wie unter anderem der britische »Guardian«  berichtete.

Das Aufgabenprofil: Nach einer einjährigen bezahlten Ausbildung sollen die 30 ausgewählten Lokführerinnen Hochgeschwindigkeitszüge zwischen den Städten Mekka und Medina fahren – eine Strecke von insgesamt 452,9 Kilometern.

Nach eigenen Angaben beschäftigt »Renfe« derzeit bereits 80 männliche Lokführer, 50 weitere sind in Ausbildung. Man sei bestrebt, Chancen für Frauen auf dem lokalen Markt zu schaffen, so das Unternehmen.

Bis 2018 durften Frauen in dem Königreich nicht einmal Auto fahren

Dafür die richtige Kandidatin auszuwählen – dem ist die Bahngesellschaft nun ein Stück näher gekommen: Nach ausgiebiger digitaler Beurteilung des akademischen Hintergrunds und der englischen Sprachkenntnisse, hätte man die Zahl der Bewerberinnen um etwa die Hälfte reduzieren können, so »Renfe«. Die übrigen Bewerbungen wolle man bis Mitte März bearbeiten.

Bis 2018 durften Frauen im Königreich nicht einmal Auto fahren oder Fußballstadien besuchen. Auch die Beschäftigungsmöglichkeiten für saudische Frauen waren in der Vergangenheit vor allem auf Jobs wie Lehrerinnen und medizinisches Personal beschränkt – da sie strenge Vorschriften zur Geschlechtertrennung einhalten müssen. Um ein Unternehmen zu gründen, brauchten sie die Erlaubnis eines männlichen Vormunds – etwa dem Ehemann, Vater oder Bruder.

2018 wurde dann etwas gelockert: Seitdem dürfen Frauen in dem ultrakonservativen Königreich selbstbestimmt als Unternehmerinnen arbeiten. Die Erleichterungen für Frauen sind Teil eines wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernisierungsprogramms von Kronprinz Mohammed bin Salman. Dadurch hat sich der Anteil von erwerbstätigen Frauen in den letzten fünf Jahren fast verdoppelt – auf 33 Prozent.

Von echter Gleichberechtigung kann aber keine Rede sein. Denn die Frauenrechte in dem streng muslimischen Königreich sind weiterhin stark eingeschränkt.  So muss ihnen ein männliches Familienmitglied eine Erlaubnis geben, bevor sie studieren oder reisen können.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version haben wir »train driver« mit dem Wort Zugführer übersetzt, richtig ist aber »Lokführer«. Wir haben die Stellen entsprechend korrigiert.

faq