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Neuer Höchststand 4,1 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig

In Deutschland werden mehr Menschen gepflegt als je zuvor. Die meisten Aufgaben übernehmen dabei Angehörige. Viele wissen nicht, dass sie Anspruch auf ein Pflegegeld haben.
Die meisten Pflegebedürftigen leben zu Hause

Die meisten Pflegebedürftigen leben zu Hause

Foto: Ute Grabowsky / Photothek / Getty Images

In Deutschland gibt es mehr Pflegebedürftige als je zuvor: 4,13 Millionen Betroffene zählt das Statistische Bundesamt in einer aktuellen Erhebung zum Dezember 2019. Das ist gut ein Fünftel mehr als zwei Jahre zuvor. Allerdings ist die starke Zunahme um 710.000 Personen zum großen Teil darauf zurückzuführen, dass 2017 die Kriterien dafür, wer als pflegebedürftig gilt, weiter gefasst wurden; seither gibt es fünf statt drei Pflegegrade. Der Pflegegrad 1 wird dabei bei »geringer Beeinträchtigung der Selbstständigkeit« vergeben, Pflegegrad 5 bedeutet eine »schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung«.

Vier von fünf Pflegebedürftigen (3,31 Millionen) wurden zu Hause versorgt, davon wurden 2,33 Millionen überwiegend durch Angehörige gepflegt. Eine weitere knappe Million wurde, zum Teil ergänzend, durch ambulante Pflege- und Betreuungsdienste versorgt: 14.700 davon gibt es in Deutschland. In den rund 15.400 Heimen lebt nur ein Fünftel der Pflegebedürftigen (rund 820.000 Menschen). Diese Zahl hat sich im Vergleich zu 2017 nicht verändert, wohl aber die Zahl der zu Hause gepflegten Personen, die um gut ein Viertel stieg.

Dabei helfen viele Angehörige, ohne dafür Leistungen abzurufen: »Es ist (…) weiterhin von einer Untererfassung im Pflegegrad 1 auszugehen«, so der Report. Hierauf deuteten Vergleiche mit weiteren Stichtagsdaten der sozialen Pflegeversicherung und der privaten Pflegepflichtversicherung hin. Geschätzt 160.000 Pflegebedürftige tauchen so nicht in der Statistik auf, obwohl sie Anspruch auf den niedrigsten Pflegegrad hätten. »Einem relativ hohen Anteil aller Pflegebedürftigen war der Anspruch auf die Leistung nicht bekannt«, heißt es in dem Report, andere wollten nicht durch Fremde gepflegt werden oder sich die Erstattungsansprüche lieber für später aufheben.

Die Bedeutung der ambulanten Dienste steigt

Vier Fünftel der Pflegebedürftigen waren der Erhebung zufolge über 65 Jahre alt, mehr als ein Drittel über 85 Jahre. Die Mehrheit (62 Prozent) war weiblich. Wenig überraschend: Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, Pflege zu brauchen – bei den über 90-Jährigen war das bei gut drei Vierteln der Fall, bei den 70- bis 74-Jährigen waren es immerhin acht Prozent.

Gegenüber 2017 haben Bedeutung und Zahl der ambulanten Dienste zugenommen, die fast ein Fünftel mehr Pflegebedürftige versorgten. 600 Einrichtungen kamen neu dazu. In den ambulanten Pflegediensten arbeiteten 422.000 Beschäftigte, die Mehrheit sind Frauen, die in Teilzeit arbeiten; 41 Prozent sind schon 50 Jahre oder älter. 14.600 Auszubildende stellten gut drei Prozent des Personals.

In den Heimen waren insgesamt 796.000 Personen beschäftigt – umgerechnet auf Vollzeitstellen wären es rund 577.000; nur ein knappes Drittel der zumeist weiblichen Beschäftigten arbeitete Vollzeit. Auszubildende und Umschulende stellten hier sieben Prozent der Beschäftigten.

Die Pflegestatistik wird von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder seit dem Dezember 1999 zweijährlich durchgeführt. (Zum vollständigen Report geht es hier .) Sie setzt sich aus zwei Erhebungen zusammen: Zum einen werden die ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen befragt, zum anderen liefern die Spitzenverbände der Pflegekassen und der Verband der privaten Krankenversicherung Daten über die Empfänger von Pflegegeldleistungen.

mh
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