Gesundheitsbonus Wer mindestens sieben Stunden schläft, kriegt 500 Dollar

Mitarbeiter einer US-Krankenversicherung können einen Teil ihres Gehalts im Schlaf verdienen: Der Chef zahlt Prämien an besonders ausgeruhte Mitarbeiter.

Aetna-CEO Mark Bertolini
REUTERS

Aetna-CEO Mark Bertolini


Nächtliche Überstunden und früh morgens ins nächste Meeting: Dass diese Form der Mitarbeiterausbeutung wünschenswert und auf Dauer produktiv sein könnte, ist längst als Kapitalismus-Folklore widerlegt. Trotzdem gilt sie in vielen Unternehmen noch als Beweis einer engagierten Belegschaft.

Anders bei Aetna, einem der größten Krankenversicherer der USA. Konzernchef Mark Bertolini hat seinen Mitarbeitern ein umfassendes Wellness-Programm verordnet - und einen Schlaf-Bonus eingeführt: "Wenn Angestellte beweisen können, dass sie 20 Nächte hintereinander mindestens sieben Stunden Schlaf bekommen, werden wir ihnen 25 Dollar pro Nacht bezahlen - bis zu 500 Dollar pro Jahr", erklärt Bertolini das Projekt dem US-TV-Sender CNBC.

Wer diesen Beweis erbringen will, muss allerdings Daten preisgeben. Aetna hat eine Intranet-Seite eingerichtet, auf der Mitarbeiter die Aufzeichnungen elektronischer Fitnessarmbändern wie Fitbit hochladen können.

Seit Bertolini bei einem Ski-Unfall vor zwölf Jahren fast gestorben wäre, hat er Yoga und Meditation für sich entdeckt - und entsprechende Kurse in der Firma eingeführt. Mehr als ein Viertel seiner 50.000 Untergebenen hat laut "New York Times" mindestens einen Yoga- oder Meditationskurs besucht. Gemessen an Herzfrequenz und Cortisolspiegel sei die Belegschaft durchschnittlich um 28 Prozent weniger gestresst und gewinne pro Monat über eine Stunde Produktivität hinzu.

Das Investment in die Gesundheit seiner Mitarbeiter lohne sich also auch unter dem Strich, sagte Bertolini CNBC: Produktivere Mitarbeiter seien besser vorbereitet, träfen bessere Entscheidungen - pro Person seien die Veränderungen bis zu 3000 Dollar wert.

Auch in Deutschland setzen immer mehr Arbeitgeber auf Optimierung der Belegschaft durch Dauer-Datenlese. Im Mai starteten 80.000 deutsche Angestellte bei der "Global Corporate Challenge" - einem Wettbewerb, bei dem Mitarbeiter mit Bewegungsmessern gegeneinander antreten. Datenschützer besorgt diese Entwicklung: Heikel seien die Daten zum Beispiel bei Kündigungswellen und der Frage, auf wen das Unternehmen am ehesten verzichten könne.

Und was passiert, wenn man den Fitnesstracker einfach jemand anderem anzieht? Nachts zum Beispiel dem Kind? Bertolinis Antwort: "Wir gehen von den positiven Absichten unserer Mitarbeiter aus."

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Büroschlaf: Wo sich Arbeitnehmer schlafen legen

luk/mamk/vet



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