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Job & Karriere

Seiler Ein Handwerk mit Jobgarantie

Das Netz fürs Fußballtor, das Stahlseil für die Bergbahn, dicke Taue auf Segelschiffen: Seiler kennen sich mit allen Arten von Seilen aus. Nur wenige lassen sich in diesem uralten Handwerk ausbilden - und bekommen dann sichere Jobs.
Erst seit fünf Jahren werden in Deutschland wieder Seiler ausgebildet

Erst seit fünf Jahren werden in Deutschland wieder Seiler ausgebildet

Foto: TMN

Gestandene Seiler können an der Art des Geflechts und der Windungen die Herkunft eines Seils erkennen. Ob in Fußballtoren, auf Schiffen oder Skiliften, hinter jedem Seil steckt ein Seiler. Seit fünf Jahren können junge Leute in Deutschland sich wieder in dieser Profession ausbilden lassen.

Seiler verarbeiten natürliche und künstliche Fasern oder Draht zu Seilen aller Art. Manche sind so dick wie Baumstämme, andere dünner als ein Haar. Manche sind mehrere Kilometer lang, andere wenige Zentimeter kurz. Und viele sind im Alltag unsichtbar, etwa die feinen Steuerseile im Scan-Kopf eines Kopierers. "Auch der moderne Mensch kann nicht ohne Seile leben", sagt Rolf Härtl vom Bundesverband des Deutschen Seiler- und Netzmacherhandwerks. "Seiler werden in den kommenden Jahren dringend gesucht."

Jan Kneipp, 30, gehört zum ersten Jahrgang, der nach dem Krieg in Deutschland ausgebildet wurde. Seit 2007 darf er sich Seiler nennen. Mit seiner Berufswahl ist er hoch zufrieden: "Man hat keine Konkurrenz und wird nicht arbeitslos."

Das Knüpfen übernimmt der Computer

Die meisten Seile entstehen an computergestützten Maschinen. Nur wenn eines zu einem Ring geknüpft oder Ösen und Schlingen angebracht werden müssen, legen Seiler noch selbst Hand an. Mittelalterliche Romantik wie etwa beim Flechten von Hanfseilen sucht man vergebens. Anstrengend ist der Job trotzdem, denn zum Beruf des Seilers gehört die Montage vor Ort: an Skiliften und Bergbahnen, auf Segelschiffen oder in Fabriken. "Das bedeutet körperlich schwere Arbeit trotz der Maschinen. Ich brauche kein Fitnessstudio", sagt Kneipp.

Obwohl nur rund zehn Firmen in Deutschland regelmäßig ausbilden, stehen die Chancen auf eine Lehrstelle sehr gut. "In manchen Jahren haben wir darum gekämpft, bundesweit eine Berufsschulklasse auf die Beine zu stellen", sagt Rolf Härtl.

Wer den Beruf des Seilers ergreifen will, sollte technisches und handwerkliches Geschick haben und sorgfältig sein. Auch Kenntnisse in Physik, Mathematik und Chemie helfen. Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben. "Wir setzen Hauptschulabschluss voraus und nehmen auch Abiturienten", sagt Anke Neuner von der Betriebsleitung der Gleistein-Gruppe aus Bremen. Das Unternehmen bildet jedes Jahr zwei bis drei Azubis aus. "Wir haben fast alle übernommen", so Neuner.

Auf Montage in die Karibik

Angehende Seiler besuchen die bundesweit zentrale Klasse an der Textilberufsschule Münchberg in Bayern. Die Praxis rund um Begriffe wie Spleißen, das Verflechten der Enden eines Taus, erlernen sie im Betrieb. Im dritten Jahr müssen sich die Lehrlinge auf Netzkonfektion, Seilherstellung oder Seilkonfektion spezialisieren.

Nach einer erfolgreichen Abschlussprüfung dürfen sie sich Gesellen nennen. Die Karriereleiter weiter nach oben geht es mit einem Meisterlehrgang nach der Ausbildung. Der Weg kann auch zu einer Fachhochschule führen, beispielsweise zum Bachelor in Textiltechnik.

Seiler sind viel unterwegs. Jan Kneipp ging schon im Praktikum bei seiner späteren Ausbildungsfirma auf Montage auf ein Segelschiff in Holland. Und ein anderer Auftrag führte ihn bis in die Karibik.

Katlen Trautmann, dpa/vet
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