Ausbildung Absolventen dualer Studiengänge finden schneller einen Job

Dual Studierende machen nicht nur einen Hochschulabschluss, sondern sammeln auch Praxiserfahrung in Unternehmen. Doch lohnt es sich, auf die Semesterferien zu verzichten? Eine Studie liefert Ergebnisse.

Bei der Arbeit (Symbolbild)
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Bei der Arbeit (Symbolbild)


Agrarwirtschaft studieren und zeitgleich eine Ausbildung zum Landwirt machen, Wirtschaft studieren und bei einem großen Energiekonzern arbeiten, Tourismusmanagement studieren und bei einem Kreuzfahrtunternehmen jobben?

Bei Dualen Studiengängen können die Studierenden sowohl eine Ausbildung an einer Hochschule absolvieren als auch praktische Erfahrungen in einem Unternehmen sammeln - und werden dafür auch noch bezahlt.

Doch lohnt es sich eigentlich, auf die Semesterferien zu verzichten und den persönlichen Terminplan so vollzustopfen? Dieser Frage ist ein Team um Sirikit Krone von der Universität Duisburg-Essen mit Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung nachgegangen.

Die Studie wurde noch nicht veröffentlicht und liegt dem SPIEGEL exklusiv vor. Ergebnis: Dual Studierende haben es leichter, in den Beruf einzusteigen.

  • Absolventen dualer Studiengänge finden schneller einen Job als reguläre Bachelorabsolventen.
  • Anderthalb Jahre nach Studienabschluss ist weniger als ein Prozent der Absolventen arbeitslos, gegenüber sechs Prozent der regulären Bachelorabsolventen.
  • Von den dualen Absolventen arbeiten lediglich sieben Prozent in Teilzeit, bei den regulären Bachelorabsolventen sind es hingegen 20 Prozent.
  • Etwa drei Viertel der dualen Studienabsolventen schaffen es, zum Berufseinstieg eine unbefristete Stelle anzutreten. Absolventen mit einem regulären Bachelorstudium an einer Fachhochschule gelingt das nur zur Hälfte - und nach einem Uni-Studium schafft es sogar nur jeder Dritte.

Die Befristungsquote ist allerdings auch abhängig vom Studienfach. Demnach werden Ingenieurswissenschaftler beim Berufseinstieg deutlich seltener befristet als etwa Kulturwissenschaftler.

Von wem stammt die Studie?
Die Studie stammt von Sirikit Krone, Iris Nieding und Monique Ratermann-Busse von der Universität Duisburg-Essen mit Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung.
Wie wurden die Daten erhoben?
Die Daten wurden qualitativ und quantitativ erhoben. Es wurden von April bis September 2015 9285 dual Studierende in der Erstausbildung online befragt. 2129 dieser Studierenden wurden von April bis Juni 2017 erneut befragt.

Auf das Einkommen hat der Abschluss allerdings keinen Einfluss: Anderthalb Jahre nach Studienende verdient die Mehrzahl der dualen und regulären Bachelorabsolventen (70 Prozent) zwischen 2001 und 4000 Euro brutto im Monat. Etwa drei Viertel sind mit diesem Gehalt zufrieden.

Im dualen Studium verdienen Frauen und Männer noch das Gleiche. Dies ändert sich allerdings mit dem Abschluss der Ausbildung. Einmal im Job angekommen, verdienen Frauen etwa 400 Euro weniger als Männer. Dies ist allerdings auch darauf zurückzuführen, dass deutlich mehr Frauen in Niedriglohnbranchen, etwa im Pflegesektor, arbeiten.

Erwartungen werden enttäuscht

Neben einem guten Einkommen erwartet die Mehrzahl der dual Studierenden, zum Berufseinstieg auf einer Leitungsposition zu beginnen. Doch die Realität sieht anders aus:

  • Etwa 70 Prozent werden ohne jegliche Leitungsfunktion angestellt.
  • Nur 14 Prozent konnten einen Job mit unterer Leitungsfunktion ergattern.
  • Und nur 1,6 Prozent bekamen eine Stelle mit mittlerer Leitungsfunktion.

Die Vorstellungen zwischen Personalverantwortlichen und Absolventen dualer Studiengänge unterscheiden sich immens. "Die wollen hier alle am liebsten gleich Chef sein, dazu haben sie noch gar nicht das menschliche Format", heißt es von einem Personaler in der Studie.

Unternehmensvertreter und Personalverantwortliche klagen demnach immer wieder darüber, wie schlecht der Nachwuchs über seine beruflichen Möglichkeiten informiert ist. Problematisch sei, dass vor allem in der Werbung für kostenpflichtige Studiengänge an privaten Fachhochschulen immer wieder gute Karriereaussichten in Aussicht gestellt würden. Die Studierenden sowie die ausbildenden Betriebe seien dann mit nicht erfüllbaren Erwartungen konfrontiert.

kha

insgesamt 2 Beiträge
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thomas.wenzel 07.02.2019
1. 'Dualer Studiengang' ist Aufgeblasene Bezeichnung für eine Lehre - Handwerk hat golde
...Und wertet das Ego enorm auf, wenn man sich als Studenten bezeichnet
viellärmumnichts 08.02.2019
2. Theorie und Praxis
Das Duale Studium hat durchaus viele Vorteile, und es hat auch seine Akzeptanz gefunden. Ich finde es allerdings schwierig, es mit einem Studium an der FH oder Uni gleichzusetzen. Es ist zu verschult und es passiert auf einem Arbeitsvertrag, das Unternehmen entscheidet wer einen Studienplatz bekommt und kann dabei die Abiturnote selber außer Acht lassen. Uni- und FH-Studenten müssen selbstständig und in eigener Verantwortung das Studium absolvieren. Im Regelfall müssen auch die Konsequenzen des eigenen individuellen Handelns (Änderung des Studienplans, Teilnahme/ Aussetzen von Prüfungen, Studienplatzwechsel) tragen. Eigenverantwortlicher Eingriff in den Studienplan und ein individueller Studienplan kennt man an der DH nicht. Diese Studierende überschätzen ihre eigenen Kompetenzen sehr stark und erwarten mit ihrer Vollkaskomentalität ( es wird ja vom ersten Tag der Ausbildung eine teilweise enorm hohe Vergütung gezahlt) oft zuviel vom ersten Job. Das ist schade, denn die DH ist eigentlich eine gute Einrichtung, nur eben keine Elite-Einrichtung. Und die Unternehmen stopfen viele hoffnungsvolle Top-Uni-Kandidaten in die DH, die dann nie ihr Potential ausschöpfen können, weil die DH keine individuelle Entfaltung zulässt.
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