Praktikum in Abu Dhabi "Auf den Klimawandel wurde ich von niemandem angesprochen"

Melih Cömlek ist in den Herbstferien nach Abu Dhabi geflogen und hat an Autos herumgeschraubt. Ein Anruf bei dem vielleicht zufriedensten Praktikanten der Welt.

"Das geilste Praktikum der Welt": Melih Cömlek in einer Autowerkstatt in Abu Dhabi
Deutscher Handwerkskammertag/ Alexander Sobotta

"Das geilste Praktikum der Welt": Melih Cömlek in einer Autowerkstatt in Abu Dhabi

Ein Interview von Franca Quecke


Vor wenigen Monaten schrieb der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) "das geilste Praktikum der Welt" aus: Eine Woche in einer Kfz-Werkstatt in Abu Dhabi - "donnernde Motoren, Autos mit bis zu 1.200 PS zwischen Sand und Palmen", lockte die PR-Aktion.

"Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker ist zwar vergleichsweise bekannt, allerdings trotzdem stark vom Fachkräfteengpass betroffen", sagt Miriam Melanie Köhler vom ZDH. "Das Praktikum soll jungen Menschen zeigen, wie modern und auch international aufgestellt das Handwerk heute ist." Der 16-jährige Melih Cömlek bewarb sich - und wurde aus mehr als 200 Bewerbern ausgewählt.

SPIEGEL: In deinen Herbstferien warst du in Abu Dhabi und hast dort in einer Autowerkstatt als Praktikant gearbeitet. Warum hast du dich beworben?

Cömlek: Ich habe mich schon vorher für Autos und Tuning interessiert. Das Beste: Ich durfte das Praktikum bei dem bekannten Kfz-Mechaniker und Tuner Jimmy Pelka machen. Nebenbei wollte ich natürlich lernen, wie so ein Auto funktioniert.

SPIEGEL: Eine Woche lang dauerte dein Praktikum. Was musstest du dort alles machen?

Cömlek: Das war immer anders: An einem Tag war ich am Prüfstand, an einem anderen im Servicebereich, dann beim Tuning. Am meisten habe ich gelernt, als ich Bremsbeläge wechseln musste. Ich habe echt unterschätzt, wie schwer das ist: Man muss nach dem Wechsel die vielen Schrauben wieder richtig einsetzen und die Bremse testen, ob sie auch weiterhin funktioniert. Oder Zündkerzen wechseln, das war auch richtig spannend.

SPIEGEL: In eurer Werkstatt durftest du zwar an teuren Autos rumschrauben - selbst fahren allerdings noch nicht.

Cömlek: Mit meinen Chefs durfte ich allerdings zwei Autos testen, einen Mercedes A 45 AMG und einen McLaren 720S. Die haben 260 km/h geschafft - das hat superviel Spaß gemacht und war echt eine coole Erfahrung.

SPIEGEL: Und nach der Arbeit?

Cömlek: Da waren wir in Abu Dhabi und Dubai und haben uns Sehenswürdigkeiten angeschaut: Die größte Moschee der Welt, das höchste Gebäude der Welt, wir waren in Malls, sind Jetski und Gokart gefahren. Dafür war genug Zeit: Ich musste erst gegen Mittag in die Werkstatt, dort war ich jeden Tag ungefähr vier bis fünf Stunden.

SPIEGEL: Du hast dich damals auf "das geilste Praktikum der Welt" beworben. Dein Fazit?

Cömlek: Das geilste Praktikum der Welt war es auf jeden Fall. Nicht nur, weil ich wahnsinnig viel gelernt habe, sondern auch wegen allem, was ich nach der Arbeit sehen und erleben durfte. Ich glaube nicht, dass spätere Praktika das toppen können.

SPIEGEL: Werden die denn auch etwas mit Autos und Tunen zu tun haben?

Cömlek: Ich bin mir zwar immer noch nicht ganz sicher, was ich später mal machen will. Allerdings habe ich nach dem Praktikum das Gefühl: Es soll irgendwas mit Autos werden.

SPIEGEL: Wie haben eigentlich deine Mitschüler auf das Praktikum reagiert?

Cömlek: Viele haben mir nicht geglaubt, dass ich das alles wirklich mache. Erst als sie meine Bilder gesehen haben, die ich während meiner Zeit in Abu Dhabi im Internet hochgeladen habe, konnte ich sie überzeugen.

SPIEGEL: Du fliegst mal eben für eine Woche nach Abu Dhabi und fährst Jetski, während seit Monaten viele junge Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße ziehen. Hattest du eigentlich ein schlechtes Gewissen?

Cömlek: Nein, ich glaube, das hätte jeder gemacht, der die Gelegenheit dazu bekommt. Auf den Klimawandel wurde ich von niemandem angesprochen. Allerdings fand ich es spannend, einen Einblick zu bekommen, wie Jimmy Pelka mit Tuning den Kraftstoffverbrauch der Autos reduziert.



insgesamt 7 Beiträge
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mopsfidel 28.10.2019
1. Männer, Autos, PS
Eigentlich fast ganz normal das da keiner über Klimawandel redet. Frauenrechte oder politische Äußerungen wären in diesem Land aber wohl ebenso kein Thema.
JacobiTeacher LLC 28.10.2019
2. Franka: Wie kann ich Leute dazu bewegen auf mein Interview zu klicken?
Kollege: ganz klar. Setz einfach das Thema Klimawandel in den Titel. Das macht ja gerade alle Deutschen total hysterisch und plem plem. Stell einfach irgendeine Unsinnsfrage zum Thema Klima. Franka: Muss das dann auch was mit dem Interview zu tun haben? Kollege: LOL, natürlich nicht.
bissig 28.10.2019
3. Was wird das erst,
wenn der Gute einen Zahnriemen wechseln muss? Sooo viele Schrauben. Spass beiseite. Das Handwerk wird nun mal leider stiefmütterlich behandelt und hat so sein Stigma ("Wer eine Ausbildung im handwerklichen Bereich macht, ist zu dumm/faul zum studieren"). Man müsste mehr Leute dafür begeistern, wieder einen 'richtigen' Beruf zu lernen, denn ein Computer bzw Powerpoint-Ingeneur (aka Heißluftfön - produziert heiße Luft) kann nunmal kein Haus/Dachstuhl/Tisch/... bauen, keinen Sicherungskasten verkabeln, keine Haare schneiden, keine Brötchen/Brote/Kuchen backen, keine Fliesen legen, kein Abwasserrohr verlegen, keine Fahrzeuge/Maschinen warten/reparieren - kurzum alles das, was diese Welt eigentlich am Laufen hält. Je weniger Leute willens sind, sich die Hände schmutzig zu machen, desto besser wird es den Leuten in vielen Ausbildungsberufen gehen (leider nicht in allen).
derBlock 28.10.2019
4. Ich lese nur Jimmy Pelka... Hoffe, der hat die PR-Aktion bezahlt.
Jimmy Pelka scheint n toller Typ zu sein. Der kann jetzt auch auch in Spritspar-Tuning am 5liter-Motor! Haben es alle gehört? Ich hoffe, der nichtssagende Artikel hat es nicht ohne etwas Schmieröl (min. schönes WE im Hotel) in den SPON geschafft. Ansonsten lasst Ihr (Karriere-SPON) euch von cleveren Leuten ausnutzen.
herjemine 29.10.2019
5. Ein Männertraum
Tolles Praktikum. Weder muss man sich mit dem Klimawandel noch mit Frauenrechten rumärgern. Dafür 260 km/h und immerhin per Tuning den Benzinverbrauch von 18.1 auf 17,6 Liter gesenkt. Solch ein Inhalt gehört auf die Seite 17 unter Klatsch und Tratsch des Dorfboten, aber wahrscheinlich werden demnächst aus SPON auch Flacherdlern Interviews angeboten. Die spannende Frage lautet doch: wer trägt die Erde? Atlas? Krishna? Vier Elefanten oder doch eine Schildkröte?
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