Zielsetzungscoaching, Übung 2 Das packe ich!

Die meisten Menschen haben eher zu viele Ziele und formulieren Pläne außerdem allgemein. Hier lernen Sie, ein passendes Ziel auszuwählen - und griffig zu formulieren.


SPIEGEL WISSEN hat ein achtwöchiges Zielsetzungs-Coaching entwickelt, mit dem Sie Ihre Willenskraft stärken können. Dies ist der zweite Teil. Die anderen Teile finden Sie in den folgenden Wochen hier.

Kay Fochtmann/ EyeEm/ Getty Images

Gehören Sie zu den Menschen, die viele Ziele haben und sich schnell verzetteln? Damit sind Sie nicht allein. Die meisten Leute haben zahlreiche Pläne und Wünsche - die sie aber nicht priorisieren. Versucht man dann auf die vielen Anliegen - z.B. einen neuen Job, mehr Sport und eine Fortbildung - seine Willenskraft auszurichten, merkt man, dass keines der Ziele Fortschritte macht.

Das ist dann allerdings kein Zeichen für mangelnde Willenskraft, sondern für einen falschen Einsatz: "Willenskraft ist eine begrenzte Ressource. Wenn man das nicht bedenkt, verpufft sie", sagt der Coach und Autor Hans-Georg Willmann, der dieses Coaching gemeinsam mit SPIEGEL WISSEN und SPIEGEL ONLINE entwickelt hat. Das heißt: Man wählt am besten für eine bestimmte Zeitspanne immer nur ein Ziel aus und richtet die volle Willenskraft darauf.

In diesem zweiten Schritt des Coachings geht es deshalb darum, ein Ziel aus den vielen möglichen auszuwählen und es zu konkretisieren. Dafür finden Sie hier eine Übung in zwei Teilen. Wichtig: Zielauswahl und Zielformulierung sind für viele Menschen etwas ungewohnt, sie sind aber wichtig. Das präzise Formulieren trägt erwiesenermaßen zum Erfolg bei.

Übung: Das Ziel greifbar machen.

Teil eins: Brainstorming der Wünsche. Nehmen Sie sich einen Zettel und einen Stift und schreiben Sie wahllos alle Ziele auf, die Sie haben und die Ihnen einfallen. Sowohl kleine Vorhaben ("Ich will in einem Chor singen") als auch größere Ziele ("Ich wäre gern Führungskraft") oder Veränderungen des Lebensstils ("Ich wäre gern zehn Kilo leichter.") sind erlaubt. Schreiben Sie alles auf. Dann lesen Sie sich die Liste noch einmal durch und überlegen, welches der Ziele - egal ob ganz klein oder ganz groß - Ihnen im Moment am wichtigsten ist. Folgende Leitfragen helfen bei der Auswahl:

  • Welches Ziel löst bei Ihnen das Gefühl von Sehnsucht, Weite oder Wehmut aus? Wo haben Sie einen emotionalen Impuls, dass etwas wichtig sein könnte?
  • Welches Ziel wirkt zu vernünftig, ein bisschen auswendig gelernt oder überholt?
  • Was wäre "Nice to have" - interessiert Sie aber nur halb?
  • Was erscheint schwer, aber wichtig und "an der Zeit" zu sein?
  • Welches Ziel passt auch zu Ihrem inneren Motiv nach Kontakt, Leistung oder Macht?

Suchen Sie nun ein Ziel heraus, das Sie weiter verfolgen wollen.

Eins reicht. Haben Sie es? Dann notieren Sie es und gehen damit in den nächsten Teil der Übung.

Teil zwei: Verankerung im Leben.

Nun geht es darum, das Ziel so zu formulieren, dass die Willenskraft daran andocken kann. Sie bekommen nun drei Vorgaben, mit deren Hilfe Sie ein Ziel so umformulieren können, dass Sie damit im Alltag arbeiten können. Gehen Sie in drei Schritten vor:

1. Finden Sie die passende Größe: Achten Sie darauf, dass das Ziel nicht zu groß ist. "Ich will gesund essen" oder "Ich will mehr Geld" sind zu große Veränderungen, sie sind zu schwammig und zu allgemein. Das Ziel muss praktikabel und fassbar werden. Falls Sie sich ein sehr großes Ziel ausgesucht haben, unterteilen Sie es deshalb in Etappenziele, die man innerhalb von einigen Monaten erreichen kann. Das Ziel "Ich will Chefin werden" wird dann z.B. heruntergebrochen auf: "Ich will, dass ich in die enger Auswahl für die Beförderungskandidaten komme" etc..

2. Konkretisieren Sie: Ein Ziel muss messbar sein, Sie sollten zu einem bestimmten Zeitpunkt feststellen können, ob Sie es erreicht haben oder nicht. Formulieren Sie also nicht "Ich will reisen", sondern "Ich will nächstes Jahr im August drei Wochen durch Argentinien reisen." Sagen Sie nicht "Ich will laufen gehen." Sondern, "Ich gehe freitags und montags vor der Arbeit laufen."

3. Positive Wendung: Formulieren Sie das Ziel unbedingt positiv. Sagen Sie nicht "Ich will nicht mehr so viel Süßes essen", sondern "Ich will jeden Tag ein Mal Obst und ein Mal Gemüse essen".

Formulieren Sie das konkrete, messbare, fassbare Ziel. Und schreiben Sie es auf. Legen Sie für die Zeit des Coachings - also die kommenden sechs Wochen - fest, wie oft in der Woche, wie oft am Tag etc. Sie Ihr Ziel verfolgen oder ein neues Verhalten ausführen wollen. Haben Sie es? - Toll. Dann fangen Sie an!

Wichtig: In einem Selbst-Coaching ohne einen Profi als Sparringspartner ein konkretes Ziel zu formulieren, fällt manchen Menschen schwer. Falls es Ihnen nicht gelingt, suchen Sie sich für das weitere Coaching ein Probeziel aus, das Sie "versuchsweise" verfolgen und an dem Sie Ihre Willenskraft trainieren. Ein Vorschlag dazu: Gut ein Viertel der Deutschen will sich laut Umfragen gern "mehr bewegen". Überlegen Sie, ob Sie für den Coaching-Testlauf ein Bewegungs-Ziel für sich formulieren können. Es kann klein sein z.B. "jeden Tag ein Mal eine Runde um den Block gehen" oder "zwei Mal in der Woche eine Stunde spazieren". Haben Sie etwas formuliert, das sich machbar anhört? Gut. Dann fangen Sie an. Nächste Woche lernen Sie dann Kniffe kennen, mit denen Sie Ihre Willenskraft stärken und aktivieren.

Zu jeder Ausgabe bietet SPIEGEL WISSEN ein praktisches, leicht im Alltag umsetzbares Online-Coaching passend zu seinem jeweiligen Heftthema an. Während dieser Zeit erhalten Sie immer freitags per E-Mail eine Übungseinheit, die Ihnen helfen kann, Ihr Leben besser zu gestalten. Hier den Newsletter bestellen:

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