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Nach Diktat verreist Management by Lillifee

Mittelmanager Achtenmeyer graust vor dieser Challenge: Ein Nachmittag mit einer Vierjährigen. Halb so schlimm, wenn man sie einfach wie eine Mitarbeiterin behandelt. Allerdings ist die Kleine der bessere Chef.
Foto: SPIEGEL ONLINE

Dass Achtenmeyer und Schmitter noch beste Freunde werden, steht kaum zu befürchten. Dafür liegen ihre strategischen Ansätze viel zu weit auseinander. Doch mal ein Bier trinken mit Schmitter, als Geschäftspartner oder, wer weiß, irgendwann als Kollegen, das ist durchaus vorstellbar. Um die Vorstellung allerdings Realität werden zu lassen, muss Achtenmeyer noch fast zwölf Jahre warten. Und Schmitter wird dann wahrscheinlich einen trockenen Weißwein bevorzugen. Denn Schmitter ist ein vier Jahre altes Mädchen.

Wie vieles begann auch Achtenmeyers Geschäftsbeziehung zu Schmitter mit seiner Schwierigkeit, nein zu sagen. In diesem Fall zur wort- und tränenreich vorgetragenen Bitte seiner Putzfrau, sich einen Nachmittag um ihre Tochter Maja zu kümmern. Eine dringende Familienangelegenheit, alle Freunde verhindert und im Grunde seines Herzens sei er doch ein guter Mann, barmte Frau Schmitter. Damit hatte sie ihn natürlich, und Achtenmeyer hatte ein Problem. "Das kann doch nicht so schwer sein. Warum stellst du dir nicht einfach vor, Maja wäre eine neue Mitarbeiterin?", tönte seine Frau, die zufällig für just diesen Tag einen dringenden Wellness-Termin aus dem Hut zauberte. "Dann kannst du deinen ganzen Leadership-Quatsch mal in neuem setting testen. Wer predigt denn immer, man müsse out of the box denken?"

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Zum Glück erinnerte sich Achtenmeyer noch an das Seminar Doing business in other cultures und konnte mit einem akzeptablen Geschenk eröffnen. Doch jetzt ist die Lillifee-Puppe überreicht, und Achtenmeyer sitzt Maja gegenüber, die er der Einfachheit halber und weil er es mit allen Mitarbeitern so hält, mit Nachnamen anspricht.

"Also, Schmitter, ich weiß nicht, wie ihr es in eurer company haltet, aber ich bevorzuge einen teamorientierten Management-Ansatz. Dazu brauche ich jetzt Deinen input. Wozu hast du Lust?" - "Ich will auf den Spielplatz", kräht Schmitter. - "Ookaay, das notiere ich mal", sagt Achtenmeyer und schreibt mit rotem Edding "Spielplatz" ganz oben auf das mitgebrachte Flipchart. Weil er keine Lust auf öde Sandkisten und kaputte Schaukeln hat, fährt er fort: "Was noch? Vielleicht ins Museum? Oder in den Zoo?" - "Auf den Spielplatz mit der roten Rutsche", ergänzt Schmitter. "Nun, das steht ja hier schon, aber ich möchte gerne weitere Optionen aufzeigen. Schau mal, im Zoo gibt es Löwen und Giraffen und Ziegen, die du sogar streicheln kannst." - "Ich will auf den Spielplatz mit der roten Rutsche!", schreit Schmitter. "Warum denn?", gibt Achtenmeyer zurück. "Weil ich das will!", sagt Schmitter und stampft mit dem Fuß auf.

Ein Eis! Jetzt! Mit Streusel!

In der nächsten Viertelstunde wird der gleiche Dialog noch einige Male geführt, doch die bottom line ist: Ganz offensichtlich unterscheidet sich Schmitters Verständnis von leadership erheblich von dem Achtenmeyers. Tatsächlich weist es eher Ähnlichkeit mit dem Führungskonzept seiner Gattin auf. Das wird Achtenmeyer auf dem Spielplatz klar, als Schmitter nach einigen Malen Rutschen ruft: "Ich will ein Eis! Ein großes! Mit bunten Streuseln!" - "Zu viel Eis ist ungesund", wendet Achtenmeyer ein. "Du hast mir gar nichts zu sagen, du bist nicht meine Mama!", trumpft Schmitter auf. "Ich will ein Eis!"

Am Abend, während er sich die Eisflecken vom Sakko wäscht, zieht Achtenmeyer erschöpft Bilanz. Dass er mit seinem teamorientierten Ansatz gescheitert ist, liegt auf der Hand. Dafür hat er selbst einiges gelernt.

Der Praxistest folgt am nächsten Tag. Strategie-Meeting, das roll out für die neue Softdrink-Range wird diskutiert. "Unser Fokus muss auf Europa liegen, das ist ja wohl klar", sagt Buderer aus dem Vertrieb. "Ich will heavy weight auf Asien", kontert Achtenmeyer. Buderer ist perplex: "Warum das denn? In Asien haben wir eh keine Chance." - "Weil ich das will", sagt Achtenmeyer schon deutlich schärfer und kann sich ein Fußstampfen gerade noch verkneifen. "So ein Unfug", sagt Buderer, "zu viel Vertriebs- und Marketingdruck in Asien versaut uns unseren wichtigsten Markt: Europa." - "Ich will Asien! Ich will TV up 30 percent! Mit einem globalen Star als testimonial!", sagt Achtenmeyer. "Ach, und Buderer? Sie haben mir gar nichts zu sagen, Sie sind nicht der CEO!"

Ziemlich clever, diese Schmitter, denkt Achtenmeyer später, als er die neuen Marketing-Spendings für Asien verteilt. Vielleicht lädt er das Mädchen mal als Management-Trainer ein. Wenn er sich richtig erinnert, gibt es gleich neben seinem Lieblingstagungshotel sogar einen Spielplatz.

+++ Lessons learned: +++

1) Never explain: Es ist nicht die höflichste Art zu "argumentieren", doch das permanente Wiederholen des eigenen Standpunkts kann sehr effektiv sein. Wer hingegen zu viel erklärt, macht sich oft angreifbar.

2) Mannschaftsgeist: Teamorientiert zu führen, kann sich lohnen. Aber nicht, wenn das nur das Deckmäntelchen ist, um die eigenen Ziele durchzusetzen. Das merkt jedes Team. Sehr schnell.

3) Jugend forsch: Vierjährige mögen noch zu klein sein, doch gerade Manager tun gut daran, das eigene Handeln möglichst oft zu hinterfragen. Zu selten bemühen sich Unternehmen, die Perspektive jüngerer Mitarbeiter kennenzulernen.

Klaus Werle (Jahrgang 1973) ist Reporter beim manager magazin und Buchautor. In seiner Kolumne "Nach Diktat verreist" demonstriert der Protagonist - der fiktive, aber lebensnahe Mittelmanager Achtenmeyer - regelmäßig, dass Karrieremachen wirklich ganz einfach ist. Nach allem, was er so hört.Buch bei Amazon: "Ziemlich beste Feinde" von Klaus Werle Klaus Werle vei Twitter 

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