Die aktuelle Stellenanzeige Notrutschentester gesucht, Arbeitsort Hamburg

Lust auf Nervenkitzel? Wenn Sie wissen wollen, wie es sich anfühlt, einen Flugzeug-Crash zu überleben ohne ernsthaft in Gefahr zu geraten, gibt es in Hamburg den passenden Job für Sie.

Chinesische Studenten auf einer Notrutsche
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Chinesische Studenten auf einer Notrutsche

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Ein Flugzeug muss notlanden. Mitten im Nirgendwo. Die Maschine steht, aber es ist nicht sicher, ob sie gleich in Flammen aufgeht. Deshalb müssen alle Passagiere raus, so schnell wie möglich. Es sind Szenarien wie diese, die niemand ernsthaft erleben möchte, die Flugzeugbauer aber immer wieder testweise durchspielen müssen: mit Menschen, die unter anderem bereit sind, meterhohe Notrutschen herunter zu sausen.

Die Firma Evactra sucht zusammen mit Airbus Frauen und Männer für sogenannte Sicherheits- und Evakuierungstests. KarriereSPIEGEL zitiert aus der Stellenanzeige und kommentiert die Anforderungen und Aufgaben:

Wir organisieren realitätsnahe Sicherheits- und Evakuierungsszenarien in den Bereichen Flugwesen, Seefahrt, Militär, im Transportwesen und bei Großschadensereignissen. In Zusammenarbeit mit unseren Kunden entwickeln wir die entsprechenden Szenarien und führen die anschließenden Sicherheitstests mit z. T. mehreren Hundert Teilnehmern durch.

Wie "echt" die Notfälle simuliert werden, ist fraglich. Sollen sich die Testpersonen vorstellen, auf einer einsamen Insel abgestürzt zu sein? Oder auf dem Hudson River in New York, wo ein Pilot mit einer Wasserlandung mal auf spektakuläre Weise alle Fluggäste rettete?

Eher nicht. Frühere Sicherheitstests liefen bei Airbus in einem ziemlich nüchternen Setting ab: am Boden, in einer großen, abgedunkelten Werkshalle. Die Testpersonen stiegen nicht einmal in ein richtiges Flugzeug, sondern in ein sogenanntes Mock-up. So nennt sich die reduzierte Version eines Flugzeugmodells. Erleben die Testpersonen aber echten Nervenkitzel?

"Sicherheits- und Evakuierungstests beinhalten zum Beispiel die Evakuierung von Flugzeugpassagieren über Notrutschen oder Tragflächen, die Bergung von Insassen aus Fahrzeugen, die Evakuierung von Menschen bei Großschadensereignissen und vieles mehr."

Notrutschen sind bis zu acht Meter hoch und werden mit verschiedenen Techniken aufgepustet. Wer sich hier herabstürzt und kurzzeitig den ernsten Hintergrund der Aktion vergisst, darf sich fühlen wie im Freizeitpark. Auch das Klettern auf Tragflächen kann man sich abenteuerlich vorstellen. Aber ob das wirklich spaßig ist, wenn alles schnell gehen soll und man sich in einer Masse von Menschen bewegt?

Die Test-Evakuierung des Riesenfliegers A 380 musste beispielsweise innerhalb von 90 Sekunden klappen. In den Kabinengängen lagen Kissen, Taschen und Zeitungen herum, um das Chaos zu verstärken. Außerdem funktionierte nur die Hälfte der Türen. Welche Ausgänge sich öffnen würden, blieb bis zum Schluss ein Geheimnis.

Schwindelfrei oder besonders sportlich müssen die Testpersonen nicht sein, wohl aber einen "guten, allgemeinen Gesundheitszustand vorweisen". Wer einen Hexenschuss hat oder sich gerade von seinem Blinddarm getrennt hat, ist nicht erwünscht:

Insbesondere dürfen die Teilnehmer keine Gelenk- oder Bandscheibenbeschwerden haben. Außerdem dürfen sich die ausgewählten Teilnehmer in den vergangenen Monaten keiner Operation unterzogen haben.

Der Firma ist das aus Sicherheitsgründen so wichtig, dass sie Bewerber sogar verpflichtet, schriftlich zu bestätigen, dass sie ihren Gesundheitszustand wahrheitsgemäß angegeben haben. Dass sich der eine oder andere bei den Tests verletzt, ist nicht auszuschließen. Zumindest gab es in der Vergangenheit schon mal kleinere Unfälle, bei der A 380-Test-Evakuierung brach sich ein Mann sogar den Oberschenkel.

Neben der Gesundheit stellt Evactra nur noch eine Bedingung an die Bewerber: Sie müssen volljährig sein. Warum Frauen höchstens 60 Jahre alt sein dürfen, Männer dagegen 65 Jahre, wird allerdings nicht erklärt. Ziemlich diffus bleibt auch die Bezahlung. Streng genommen bekommen die Testpersonen gar keinen Lohn, sondern eine "Aufwandsentschädigung".

Dafür dürfen sie am Ende mit dem Gefühl nach Hause gehen, etwas Sinnvolles für die Sicherheit getan zu haben. Wie schnell eine Maschine evakuiert werden kann, ist von zentraler Bedeutung für das Überleben der Passagiere. Nur wenn Flugzeugbauer die Vorschriften einhalten, bekommen sie überhaupt die Zulassung für ihre Flugzeuge.

Zumindest die Dankbarkeit der Firmen ist den Testpersonen deshalb sicher. Die Stellenanzeige endet deshalb mit den Worten: "Vielen Dank für Ihre Mitarbeit!!!" Drei Ausrufezeichen.

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
denkdochmalmit 24.05.2016
1. Realität?
Sind denn die Passagiere bei Flügen auch immer gesund, jung und sportlich? Was sollen solche Tests ohne 50% adipöse und alkoholosierte Testpersonen?
querulant_99 24.05.2016
2.
Ich verstehe nicht, dass sich keine Kinder bewerben dürfen. Die würden für den Job noch nicht einmal eine Aufwandsentschädigung verlangen.
corvus cornix 24.05.2016
3. Kreuzfahrtschiff
Zitat von denkdochmalmitSind denn die Passagiere bei Flügen auch immer gesund, jung und sportlich? Was sollen solche Tests ohne 50% adipöse und alkoholosierte Testpersonen?
In der Anzeige stand auch, daß es eine obere Altersgrenze gibt und auch Tests in der Seefahrt durchgeführt werden. Die Kukidentkreuzfahrer sind dann wahrscheinlich noch weiter von den Testbedingungen entfernt :-)
Deta1945 24.05.2016
4.
Unsinn das macht in Finkenwerder das Personal ausgewählt am Computer in der Firma. In Toulouse das gleiche.
susiwolf 24.05.2016
5. Schulterschluss ... mit Kindern.
Zitat von querulant_99Ich verstehe nicht, dass sich keine Kinder bewerben dürfen. Die würden für den Job noch nicht einmal eine Aufwandsentschädigung verlangen.
Nur mit Papa oder Mama auf der Schulter. Das Taschengeld wird redlich geteilt. Hier zeigt sich der wahre Mann, die wahre Frau.
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