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Job & Karriere

Rat vom Jobcoach Ich muss mit Alphamännern arbeiten - wie setze ich mich durch?

Teamarbeit gehört in vielen Unternehmen selbstverständlich dazu. Doch was ist, wenn Kollegen dominieren, statt zu kooperieren? Die Karriereberaterin rät: Hinterfragen Sie als Erstes sich selbst.

Das Problem:

Susanne, 45 Jahre, arbeitet in der Verwaltung einer Großstadt. Abteilungsübergreifend soll es nun mehr Teamarbeit geben. Das führt ihrer Beobachtung nach zu immer mehr Konflikten. Sie selbst fühlt sich von dominanten Kollegen bedroht. Sie will wissen: "Gibt es Strategien für den Umgang mit solchen Alphas? Wie kann ich mich durchsetzen?"

Zur Autorin

Svenja Hofert ist Karriere- und Managementcoach  und hat mehr als 35 Bücher geschrieben, unter anderem "Agiler Führen" und "Karriere mit System".

Jetzt mal ehrlich: E-Mail an Svenja Hofert 
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Karriereberaterin Svenja Hofert antwortet:

Die Vorteile von Teamarbeit sind offensichtlich: Ein Gruppe kann intelligenter sein als die Summe der einzelnen Mitglieder. Doch: Je mehr Teamarbeit in den Fokus der Unternehmen rückt und Einzelarbeit verdrängt, desto menschlicher wird die Arbeitswelt. Mit allen Konsequenzen, denn menschlich heißt auch: emotionaler.

Wer sich bisher hinter seinem Fachwissen verschanzen konnte, muss sich nun herausfordernden kommunikativen Situationen stellen - und hat dann eben auch mit Alphas zu tun oder mit faulen Mitarbeitern.

In solchen Fällen zählt vor allem die richtige Kommunikation. Doch leider wird Kommunikationsfähigkeit und Empathie weder in der Schule noch im Studium und erst recht nicht in der Arbeitswelt gefördert. Dass jemand hier einen Mangel hat, äußert sich in fehlender Konfliktbereitschaft, Angst vor Feedback und Kritik sowie Dominanz von Status und Ego und natürlich in der daraus folgenden Rücksichtslosigkeit.

Was tut man nun, wenn eigene rote Linien überschritten werden?

Ein einfaches, allgemeingültiges Rezept gibt es nicht, aber ein guter Tipp ist, rechtzeitig "Nein" und "Stopp" zu sagen. Stellen Sie sich eine Grenze um sich selbst vor. Sobald andere Ihr Gebiet betreten, gilt es, diese zu schützen. Sprechen Sie aus, was Ihr Bedürfnis ist - und was Sie wahrnehmen. "Ich fühle mich von dir überfahren und möchte Zeit zum Nachdenken haben."

Derartige Klarheit geht manchen allerdings schwer über die Lippen. Susanne sollte daher die Fähigkeit entwickeln, sich schwierigen Situationen zu stellen. Wer wirksam kommunizieren will, muss allerdings erst einmal sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse deutlich wahrnehmen: Was passiert mit mir in einer Situation, die ich als unangenehm empfinde? Wie verhalte ich mich? Welche Gefühle spielen da eine Rolle? Denken Sie an Grundemotionen wie Angst, Trauer, Freude, Neugier - oder auch Unsicherheit als eine Form von Angst.

Es gibt dabei folgende menschliche Reaktionsmuster: Einige fliehen und gehen der Situation aus dem Weg. Andere kämpfen und versuchen, den anderen zu besiegen. Und dann gibt es das Muster derjenigen, die sich anpirschen und vom eigentlichen Thema ablenken. Alle diese Muster gibt es in einer übertriebenen und einer gesunden Form. Auf eine übertriebene Form deutet ein einseitiges und immer gleiches sowie der Situation unangemessenes Verhalten hin.

Sicher werden Sie Ihr Muster hier wiedererkennen. Fragen Sie sich nun: Was wäre ein anderes, ein alternatives Verhalten? Probieren Sie es aus.

Dann gilt es, sich in den anderen hineinzuversetzen und sich dessen Perspektive vorzustellen. Wer das tut, wird viel Interessantes über den Menschen lernen. Was als Dominanzverhalten daherkommt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung beispielsweise als Angst.

Wer seine Persönlichkeit entwickelt, muss anfangen, über sich und andere nachzudenken und einige liebgewonnene Überzeugungen über Bord werfen oder revidieren. Wer das tut, verliert oft vorläufig ein Stück vermeintliche Sicherheit. Das ist eine persönliche Veränderung, die den Schritt heraus aus der Komfortzone bedeutet. Doch in der Stretchingzone dahinter lernt man am meisten.

Immer noch gilt jedoch vielerorts der Grundsatz, dass Selbstreflexion eine Schwäche sei. Tatsächlich jedoch führt sie zu Stärke - wenn auch nicht von heute auf morgen. Mitarbeiter oder Führungskräfte werden zufriedener und besser, wenn sie die Angst vor Kritik verlieren und diese vielmehr offensiv einfordern.

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