Karrierefrau Andrea Och So gewann ich meinen ersten Machtpoker

Begeistert legte Andrea Och mit ihrem ersten Managementjob los - und fand sich gleich im Spannungsfeld zweier Geschäftsführer wieder. Hier erzählt sie, wie sie das Spiel nach ihren eigenen Regeln zu spielen lernte.

Andrea Och will, dass Frauen mehr Lust auf Macht entwickeln

Andrea Och will, dass Frauen mehr Lust auf Macht entwickeln


Top-Managerinnen und ihre Erfolgsgeschichten: Hier zeichnen erfolgreiche Frauen ihren Weg nach oben nach - und berichten, worauf es ankommt. Heute: Andrea Och. Sie studierte Marketing und arbeitete zunächst bei einem Unternehmen, das Lehrmittel herstellte, danach bei einer großen Unternehmensberatung. Inzwischen hat sie eine eigene Beratungsfirma, die Firmen wie Führungskräften hilft, als Marke in Erscheinung zu treten.

"Da war sie also, meine große Chance, die Berufswelt zu erobern. Ich hatte die Uni erfolgreich hinter mir, die Ratschläge meines Vaters im Ohr, die Haare offen und das zweite Vorstellungsgespräch meines Lebens vor mir. So stand ich also in einem rosa Kostüm mit Schulterpolstern - es war das Jahr 1992 - im Foyer eines Weltmarktführers im Familienbesitz.

Die Firma suchte einen Trainee als Assistenz für die Geschäftsführung, und ich war bereit, begeistert, beflügelt. Meine Karriere - nur noch zwei Etagen, ein Vorzimmer, einen Konferenzraum entfernt. Ich ahnte schon vor dem ersten Handschlag: Hier ist ein Umfeld, in dem ich möglichst schnell möglichst viel lernen und eigenverantwortlich gestalten kann. Schließlich war die Herausforderung, die Marke weltweit aufzubauen und so die Marktführerposition langfristig zu sichern und weiter auszubauen.

Die Firma wurde von zwei Geschäftsführern geleitet: einem Externen (nennen wir ihn E) und einem Familienmitglied (folglich F); beide mit unterschiedlichen Aufgaben- und Verantwortungsbereichen. Mein Gespräch führte ich mit E, es lief bestens und endete mit einem Vertrag in der Hand.

F wusste von nichts, doch F war zukünftig mein direkter Vorgesetzter. Ich brannte für meinen Job. Dass ich auch für Zündstoff sorgte - im Spannungsfeld zwischen E und F -, das wusste ich damals noch nicht. Um es heute nüchtern zu sagen: Ich hatte keinen Schimmer von internen Strukturen, politisch brisanten Themen und Einzelinteressen. Woher auch.

Da war sie also, die Abseitsfalle, das verdeckte Foul

Meine Einstellung war für alle ein Glücksgriff. In den ersten zwei Jahren modernisierte ich die Marke grundlegend für die weltweite Expansion und baute die notwendigen Marketingstrukturen auf. Ich hatte viel Freiraum, ich hatte schnellen Erfolg. Attacken ignorierte ich ebenso wie Schmeicheleien. Bis mir E das Angebot machte, als Marketingleiterin in seinen Geschäftsbereich zu wechseln; sofort - und kein Wort zu F, andernfalls gäbe es für mich keine Marketingverantwortung mehr.

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Da war sie also, die Abseitsfalle, das verdeckte Foul. Mein Vorteil: Ich hatte in der Zwischenzeit ein neues Ziel - und einen eigenen Plan, mit dem keiner gerechnet hatte. Ich wollte kein Spielball sein, lieber Mitspieler, auch Spielführer.

Mein erster Schritt: Selbstverständlich redete ich mit F, ich bin ja geradlinig und loyal; erst über das Angebot von E, dann über meinen Plan. Der sollte nicht nur für mich von Vorteil sein, sondern vor allem für F und das Unternehmen. Ich präsentierte ihm ein damals völlig neues Qualitätsmanagementsystem - heute Standard - zur Lösung der Produktionsprobleme aus der Expansion.

Kein Wort zu E

Die Personalie für den neuen Aufgabenbereich lieferte ich gleich mit: mich! Danach stellte ich mein Konzept den übrigen Firmenbesitzern vor. Erst dann wurde E eingeweiht. Er war sauer - und ich gedanklich sowie machtpolitisch einen Schritt weiter. In den folgenden Wochen plante ich das Projekt, arbeitete einen neuen Marketingleiter ein, legte nebenbei meine Prüfungen zum Fachauditor und Qualitätsmanager ab und organisierte Fördermittel.

Rückblickend kann ich sagen, dass ich damit unbewusst meine Voraussetzungen schuf, einige Jahre später in die Unternehmensberatung zu wechseln.

Die Firma arbeitet übrigens noch heute erfolgreich mit meinem Qualitätsmanagementsystem, die beiden Geschäftsführer sind auch noch da und rosa Kostüme mit Schulterpolstern zum Glück nicht wieder in Mode. Für mich und mein eigenes Führungsverhalten habe ich damals unter anderem Folgendes gelernt:

  • Sich die Interessen, Ziele und Machtverhältnisse der Menschen, mit denen man zu tun hat, bewusst zu machen, hilft, selbst nicht zwischen Fronten zu geraten, bewahrt vor Feinden und erweitert - bei einer realistischen Selbsteinschätzung - den eigenen Einfluss.
  • Eigene Ziele sind unerlässlich.
  • Aktiv Neuland betreten bietet hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten.
  • Spiele schaden massiv der Produktivität. Wer zu verlieren droht, neigt dazu, aus Spiel schnell Ernst zu machen. Manchmal ist so ein Spiel aber unvermeidlich, allerdings nicht persönlich. Es nach den eigenen Regeln zu spielen, erhöht die Gewinnchancen.
  • Und: Ein kühler Kopf ist wichtig. Emotionen vernebeln den Blick fürs Wesentliche."

Protokolliert von Gisela Maria Freisinger

insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
premiummails 27.03.2015
1. Vorbildlich!
Genau! So wirds gemacht. Ich verstehe wirklich nicht, warum die anderen Leute nicht einfach auch Karriere machen.
lupidus 27.03.2015
2.
wieso karrierefrau ? passiert männern sowas nicht ? da gibts wohl keine politischen spielchen und auseinandersetzungen, weil es kerle sind, die sowas nicht tun... zur info: die allermeisten finden sich irgendwann in solchen situationen. von oben gesehen ist man da nur eine schachfigur im eigenen spiel. und denkt bloss nicht wenn frauen mitspielen würde es einfach, humaner oder transparenter. die gier nach macht ist geschlechtsneutral.
Don Lucio 27.03.2015
3. Zu brillant um wahr zu sein
Die junge Frau kommt frisch von der Uni, die Ratschläge des Vaters im Gepäck, sonst nix: Keine Praxis, keine Branchenerfahrung. Aber managed bravourös die weltweite Expansion des Familienbetriebes. Ich bin schwer beeindruckt. Bisher dachte ich immer nur bei der Lektüre von Bild- und ähnlichen Medien: Man muß nicht alles glauben, nur weil's geschrieben steht. Nun beschleicht mich auch bei SPON dieser Gedanke. Dieser Artikel ist eine einzige Selbstbeweihräucherung und leicht erkennbar zu keinem anderen Zweck geschrieben, als die inzwischen ergriffene Selbständigkeit der Dame als "Consulting-Coach" publik zu machen. Der Frau Och mache ich keinen Vorwurf, aber SPON sollte sich für sowas nicht hergeben.
the_eagle 27.03.2015
4. Wie gewann Sie jetzt genau was?
Das klingt für mich etwa so: Wenn man erfolgreich auf der Erde überleben will muss man regelmäßig ein- und ausatmen. Ab und zu was essen und auch mal schlafen. Und rosa Kostüme spielen eine große Rolle, oder nein... rosa Kostüme sind doch unwichtig.... Typisch GF, so allgemeingültig wie möglich formulieren. Dann hat man immer recht. Wieso sollen Frauen eigentlich mehr Lust an Macht gewinnen, wenn der Trend dazu geht in Projekten, Teams und Primus inter pares zu denken? Hat da jemand die Zukunft verschlafen? Der Beitrag hätte besser in die 90er gepasst.
ludna 27.03.2015
5. Da übetreibt aber jemand:
"Assistenz für die Geschäftsführung," früher hies das Sekretärin, vielleicht noch Chefsekretärin. "Schließlich war die Herausforderung, die Marke weltweit aufzubauen und so die Marktführerposition langfristig zu sichern und weiter auszubauen." Ja, aber als Sekretärin hat man damit wenig zu tun.
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