Erfolgsgeschichten von Top-Managerinnen "Fleißbienchen-Dasein bringt nichts"

Hauptsache, sichtbar sein - diesen und andere Karrieretipps gibt MAN-Managerin Angelika Wetzstein. Und erzählt, warum niemand Angst vor der Frauenquote haben sollte und sie gern eine 'verreckte Henna' ist.

Angelika Wetzstein: Die 39-Jährige leitet bei MAN Truck&Bus die Vorstands- und Aufsichtsratsangelegenheiten
Andreas Pohlman / MAN

Angelika Wetzstein: Die 39-Jährige leitet bei MAN Truck&Bus die Vorstands- und Aufsichtsratsangelegenheiten


Zwölf Top-Managerinnen, ein Dutzend Geschichten: Zwölf erfolgreiche Unternehmerinnen zeichnen ihren Weg nach oben nach - und berichten, worauf es ankommt. Den Anfang macht MAN-Managerin Angelika Wetzstein.

"Nach Schule, Studium und erster Berufserfahrung, als ich mich nicht mehr wegen studentischer Hilfstätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt herumtreiben musste, kam ich zum ersten Mal auf den Gedanken, dass es als Frau nicht nur Vorteile im Leben gibt. Ich war Ende 20 und im berühmten 'gebärfähigen' Alter - für viele Grund genug, lieber männliche Kollegen zum Gespräch einzuladen.

Meine Erwartungen waren also erfahrungsgemäß niedrig, als ich nach den ersten Praxisjahren im Mittelstand im Bewerbungsgespräch bei meinem heutigen Arbeitgeber saß. Meine Erfahrungen waren dafür umso positiver.

Vor über acht Jahren fing ich im operativen Personalbereich als Sachbearbeiterin an. Noch in der Probezeit und kinderlos habe ich mich im Konzern für den Bau des ersten MAN-Kinderhauses starkgemacht. Man kann ja nicht immer nur herumjammern, was die Politik nicht auf die Reihe bekommt, dachte ich mir.

Im Nachhinein würde ich behaupten, durch dieses Engagement im Konzern sichtbar geworden zu sein. Denn das Thema entwickelte sich gesellschaftspolitisch und konzernintern rasant. Auf einmal saß ich allein in Vorstandsterminen und war Managern, Kollegen und Betriebsräten bestens bekannt, wenn auch mit einem 'typischen Frauenthema'. Aber was soll's, Sichtbarkeit ist Sichtbarkeit.

"Kann ich nicht" müssen wir aus unserem Denksystem verbannen

Gute zwei Jahre später folgten die Leitung der Abteilung Labour Relations, und Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat. Eine Zeit, in der ich ungemein viel gelernt habe, über Männer, von Männern, über Macht und Politik. Und ich habe festgestellt, dass mich insbesondere die machtpolitische Gemengelage interessiert, die es überall dort gibt, wo Menschen zusammenarbeiten. Die hohe Kunst der Politik ist nicht jedermanns Sache, das weiß ich wohl.

Dennoch staune ich immer wieder darüber, warum ausgerechnet wir Frauen uns so sehr davon distanzieren und uns lieber dem Fleißbienchen-Dasein widmen. Ein bisschen Selbstkritik schadet an dieser Stelle ja auch nicht. Es sind nicht immer die anderen, beispielsweise, wenn wir uns nichts zutrauen.

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Weiberwirtschaft: Männliche Macht, weiblicher Mumm
Meine erste instinktive Reaktion auf das Angebot der Abteilungsleiterstelle war: 'Das kann ich doch gar nicht.' - 'Dann lernen Sie es', widersprach mein damaliger Chef, 'Karriere macht man nur mit dem Sprung ins kalte Wasser.' Er hatte recht: 'Kann ich nicht' müssen wir zugunsten einer höheren Risikobereitschaft mal dringend aus unserem weiblichen Denksystem verbannen.

Dankbarkeit? Wofür?

Andere Dinge sind aber genauso dringend aus so manchem männlichen Denksystem zu streichen. Etwa wenn Frauen, die keinen Hehl daraus machen, vorankommen und sich entwickeln zu wollen, inhaltlich wie entgeltlich, gerne mal vorgeworfen wird, undankbar zu sein. Während ihren männlichen Mitstreitern anerkennend auf die Schulter geklopft wird, nach dem Motto: 'Der hat Biss, der will noch was erreichen'.

Als sich mir eines dieser Denk-Auslaufmodelle auf meiner Karriereroute in den Weg stellte, war ich ratlos: 'Äh, wie, Dankbarkeit? Wofür? Dass man mich schon auf so ein Level befördert hat als Frau?' Ich wusste gar nicht, dass Dankbarkeit das Attribut eines unternehmerisch denkenden Mitarbeiters ist. Es passt nicht, auch nicht zu meinem Selbstverständnis. Wer für sich selbst nicht kämpfen kann, der kann es auch nicht fürs Unternehmen. Heute weiß ich zum Glück: Erwartete Dankbarkeit ist antiquiert, hochgradig unprofessionell und drückt irgendwie Hilflosigkeit aus.

Kluge Männer sind beim Thema Frauenquote entspannt

Apropos Hilflosigkeit: Mich schreckt männlich dominantes Verhalten nicht. Die zeitweise leicht dominanten Wesenszüge meines Vaters haben mich vieles gelehrt, unter anderem, wie ich trotzdem ans Ziel komme: Sich nicht davon abschrecken lassen, nicht alles dem Zufall überlassen, hartnäckig das eigene Netzwerk nutzen und ausbauen und zum richtigen - und keinesfalls zu frühen - Zeitpunkt in Opposition gehen.

Und trotz des Sich-Durchsetzens bleibt für mich eine charmante Umgangsweise ein wichtiger Bestandteil meiner weiblichen Identität. Vielleicht auch deswegen bekam ich von meinen ehemaligen Verhandlungsgegnern die liebevolle Bezeichnung 'verreckte Henna' (bayerisch für 'schlaues Huhn') verpasst - für mich eine der höchsten Auszeichnungen. Frauen, die sich als die härteren Männer gerieren, sind mir nicht geheuer und vielleicht langsam ein Modell der Vergangenheit. Stattdessen freue ich mich über den steten Zuwachs junger Kolleginnen, die sich und ihre DNA nicht infrage stellen, auf keiner Position.

Insgesamt finde ich Humor immer sehr hilfreich im Umgang mit den kleinen Widrigkeiten des Lebens. Statt mit mittelmäßigen Männern über das Angstgespenst 'Frauenquote' zu diskutieren (die klugen Männer bleiben bei dem Thema ja sowieso maximal entspannt - sie wissen, sie bestehen trotz Quote), lächle ich charmant und antworte: 'Da halte ich es mit Loriot: Frauen haben auch ihr Gutes'. Kein Widerspruch. Keine angespannte Atmosphäre. Wenn ich Glück habe, ein nachdenkliches Lächeln zurück. Na also, geht doch!"

Protokolliert von Gisela Maria Freisinger

insgesamt 114 Beiträge
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Seite 1
hman2 05.11.2014
1.
"Vielleicht auch deswegen bekam ich von meinen ehemaligen Verhandlungsgegnern die liebevolle Bezeichnung 'verreckte Henna' (bayerisch für 'schlaues Huhn')" Peinlich nur, dass die "Übersetzung" falsch ist. Henna ist zwar tatsächlich Huhn, aber verreckt ist verrückt (zwar mit positiver Konnotation, aber eben nicht "schlau"). Verreckte Henna ist also korrekt übersetzt "verrücktes Huhn" im Sinne von Paradiesvogel, (liebenswerter) Spinner etc.
rechdschreibfehler 05.11.2014
2. Und was...
... will uns die Autorin jetzt eigentlich sagen? So richtig entspannt wirkt sie nicht. Aber nur zu, beweisen Sie uns, dass Sie eine ganz tolle, starke Frau sind, weil Sie alles so können wie ein Mann.
jukos 05.11.2014
3. angst vor frauenquote?
Liebe schreiberin: die Frauenquote bedeutet nichts anderes, als dass durchschnittliche Frauen wie sie den durchschnittlichen Männern bevorzugt werden. Wenn sie keine Angst vor Diskriminierung haben, dann wissen sie wahrscheinlich nicht was das bedeutet. Ihre Ignoranz sollte man ihnen übel nehmen, nicht nur die.
Pango 05.11.2014
4. Jovialität 1+
Zumindest eine unschöne Eigenschaft hat die Dame von denen von ihr belächelten 'männlichen' Frauen bzw. Machos geerbt - die Jovialität (freundliche-herablassende Arroganz). Wer gegen die von ihr offensichtlich favorisierte Quote ist (wogegen eigentlich ihre ganzen Äußerungen sprechen: von wegen moderne Frau schafft es selbst), ist nur Mittelmaß. Schon klar, als ob die Frauenquote, ebenso wie Herdprämie oder Neid-Maut, ein politisch perfektes Meisterwerk wäre, über das man nicht diskutieren könnte ...
lew111 05.11.2014
5. Bahnhof
Ich finde es immer wieder faszinierend wenn Frauen ihre Sicht der Dinge erklären. Ich verstehe meistens nur Bahnhof. Mich wundert es z.B. warum Sie die Aussage "die klugen Männer bleiben bei dem Thema ja sowieso maximal entspannt - sie wissen, sie bestehen trotz Quote" nicht umdreht und sagt "die klugen Frauen bleiben bei dem Thema ja sowieso maximal entspannt - sie wissen, sie bestehen ohne Quote" Aber was weiß ich schon
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