Tipps zu Inhalt und Aufbau Wie Sie mit Ihrem Bewerbungsanschreiben überzeugen

Sie möchten Ihrem potenziellen Arbeitgeber zeigen, dass Sie die richtige Besetzung für den Job sind? Hier finden Sie Tipps, wie Sie das Anschreiben vorbereiten, formulieren, layouten - und wie Sie häufige Fehler vermeiden.

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Das Anschreiben spielt neben dem Lebenslauf eine wichtige Rolle, um ein Unternehmen von sich zu überzeugen. Deswegen sollte es auch individuell für jede Stelle formuliert sein und Ihre Persönlichkeit sowie Ihre Fähigkeiten zeigen. Wie es genau ausfällt, hängt letztendlich davon ab, worauf Sie sich bewerben.

Um mit Ihrem Bewerbungsanschreiben zu überzeugen, geben Personalpsychologin Vera Hagemann und Karrierecoach Martina Maushake hier Tipps, womit Sie punkten können.

Bevor Sie mit der Bewerbung loslegen, beantworten Sie sich folgende Fragen ganz ehrlich:

  • Wo bewerbe ich mich eigentlich?
  • Passe ich in die Branche?
  • Kann ich meine eigenen Werte mit der Branche, dem Unternehmen und der Stelle in Einklang bringen?
  • Warum habe ich Lust auf genau diesen Job?

Später können Sie Ihre Interessen - basierend auf den jeweiligen Antworten - herausstellen.

So bereiten Sie Ihr Anschreiben vor

Lesen Sie sich die Stellenanzeige sehr genau durch: Welcher Typ Arbeitnehmer wird gesucht? Welche Anforderungen können und welche müssen Sie für die Stelle erfüllen? Am besten, Sie machen sich Stichpunkte. Vielleicht drucken Sie sich die Ausschreibung aus und haken die Punkte ab, die auf Sie zutreffen.

Worauf Personaler achten

Personaler möchten aus Ihrem Anschreiben herauslesen, ob Sie in die Branche passen, ob Sie sich im Unternehmen wohlfühlen würden und ob Sie die wesentlichen Aspekte des Unternehmens identifiziert haben.

Die vier wichtigsten Tipps für Anschreiben, die überzeugen

1. Abgleich mit Ausschreibung: Stimmen Sie Ihre Angaben mit Blick auf die ausgeschriebene Stelle ab: Was ist am relevantesten?

2. Keine Phrasen: Überzeugen Sie authentisch statt mit Phrasen. Das Anschreiben soll neugierig machen auf Ihre Person und den Rest der Bewerbung.

3. Keine Fehler: Insgesamt muss die Bewerbung fehlerfrei sein. Lassen Sie sie von mehreren Menschen Korrektur lesen, die sich mit Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung gut auskennen - und bestenfalls auch mit Bewerbungen.

4. Ansprechendes Layout: Wählen Sie ein modernes Design, passend zum Unternehmen, und heben Sie sich vom Standard ab. Insgesamt sollte alles zueinanderpassen: Format und Design sollen laut Karrierecoach Martina Maushake "ein Produkt aus einem Guss" ergeben.

Wie sollte das Anschreiben formal aussehen?

Laut Karrierecoach Martina Maushake sollte das Anschreiben nicht länger als eine Seite sein. "Wenn der Text zur Stelle passt und gut geschrieben ist, lesen sich auch mal anderthalb Seiten schnell weg", sagt Personalpsychologin Vera Hagemann.

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Auf dem meist einseitigen Anschreiben befindet sich oben die Adresse des Unternehmens. Beachten Sie neben dem Empfänger weitere Formalien wie: Bewerbung als XY, Stellen-ID und gegebenenfalls den Link zum Stellengesuch.

Schaffen Sie Zusammenhänge, um einen logischen Aufbau zu erzielen: Was passt thematisch? Absätze gliedern Ihren Text und führen das Auge des Lesers.

Am Ende des Anschreibens geben Sie Ort und Datum an, und vergessen Sie nicht: Unten sollte Ihre Unterschrift stehen - am besten eingescannt, rät Maushake.

Empfohlene Reihenfolge

"Das Richtige muss an die richtige Stelle", sagt Martina Maushake. Sie empfiehlt im Text folgende thematische Anordnung:

1. Einstieg

Klassisch langweilt. Beginnen Sie mit einem thematischen Einstieg statt zu schreiben, wie Sie auf die Stelle aufmerksam geworden sind: Warum haben Sie Interesse an der Branche? "Von klassischen Einstiegen rate ich ab", sagt Hagemann. Denn die haben Personaler schließlich schon zigmal gelesen. "Mit einem interessanten Einstieg machen Sie neugierig auf mehr", bestätigt Maushake. Außerdem könnten Sie zum Einstieg eine Frage stellen, die thematisch passend ist. Beispielsweise zu etwas, das auf der Unternehmenswebsite dargestellt wird.

2. Motivation

Machen Sie sich folgende Fragen bewusst, um überzeugende Formulierungen zu finden: Was reizt Sie, was motiviert Sie an der Stelle und am Unternehmen? Welche Werte tragen Sie mit? Ein Wert kann zum Beispiel Nachhaltigkeit sein.

Zeigen Sie, dass Sie verstanden haben, worum es in der Stelle geht. Erläutern Sie Ihre Motivation: Was finden Sie spannend? Welche Probleme möchten Sie lösen? Welche Lösungsansätze kennen Sie dafür? Welchen formalen Anforderungen, Aufgaben und Herausforderungen möchten Sie sich stellen?

3. Eignung, Erfahrung, Qualifikation und Erfolge

Heben Sie Ihre Eignung und Erfolge mit Bezug zur Stelle und anhand konkreter Beispiele hervor. Stellen Sie Bezug her zu Ihrer aktuellen Stelle - und das nicht zu allgemein und gleichzeitig ohne für die neue Stelle nicht relevante Details. Nennen Sie Ihr Studium, Ihre Ausbildung und/oder Nebenjobs. Was eine Rolle spielt, kommt rein, der Rest landet im Lebenslauf. Auf welche für die Stelle relevanten Erfolge können Sie blicken?

4. Persönliche Stärken und Arbeitsstil

Machen Sie Eindruck mit Ihren Stärken: Was unterscheidet Sie von anderen? Eine Aussage, die den Arbeitsstil beschreibt, können Sie auch gut mit Ihren persönlichen Stärken mischen. Die Kombination, könnte lauten: "Meine Kollegen schätzen an mir, dass ich ein verlässlicher Ansprechpartner bin und in hektischen Situationen den Überblick behalte."

5. Gehaltsvorstellung und/oder Einstiegsdatum (falls gefordert)

Falls Einstiegsdatum oder Gehaltswunsch gefragt sind, unbedingt angeben. Ihre Gehaltsvorstellungen können Sie in einer Gehaltsspanne (Range) oder mit einer konkreten Zahl nennen. Meist ist Ihre Vorstellung vom Jahresgehalt brutto gefragt.

6. Schlussformel und Unterschrift

Am Ende: Zu schreiben, dass man sich freue, eingeladen zu werden, ist laut Hagemann "okay". Sie können den Leser auffordern, sich bei Fragen und für weitere Infos bei Ihnen zu melden. Ihre Schlussformel kann den Wunsch auf Rückmeldung beinhalten und den Wunsch, zu einem Gespräch eingeladen zu werden. Vergessen Sie nicht Ihre Unterschrift.

Die Ansprache

  • Den richtigen Ansprechpartner adressieren: Die Ansprechperson ist sehr wichtig, doch zum Beispiel bei Initiativbewerbungen oft nicht so leicht ausfindig zu machen. Richten Sie Ihre Bewerbung im Zweifel an den Leiter der Personalabteilung.
  • Die richtige Ansprache wählen: Achten Sie auf die richtige Ansprache: Handelt es sich bei der Ansprechperson um eine Frau oder einen Mann? Bei Vornamen wie Michele oder Kim sollten Sie am besten noch mal nachschauen. Und beachten Sie Titel wie Prof. und Dr.
  • Anschreiben auf die Stelle ausrichten: Schreiben Sie den Text insgesamt in Relevanz zur Stelle, wählen Sie Ihre Inhalte passend dazu aus. Aus den genannten Angaben entnimmt der Personaler schon einmal, ob Sie sich informiert und recherchiert haben.

Zu guter Letzt

Vor allem, wenn Sie schon viel vorzuweisen haben, wägen Sie die Inhalte am besten in Relevanz zur ausgeschriebenen Stelle ab: Was können Sie weglassen? Vermeiden Sie lieblose Aufzählungen im Anschreiben.

Wenn Sie sich per Mail bewerben, fügen Sie das Anschreiben als Datei an. Kopieren Sie das Anschreiben nicht einfach ins Textfeld hinein.

  • Harald Rehling/Universität Bremen
    Prof. Dr. Vera Hagemann, Jahrgang 1981, ist Psychologin und arbeitet als Professorin an der Universität Bremen zum Thema Personalwesen.
  • Daniela Möllenhoff
    Martina Maushake, Jahrgang 1973, ist Coach für berufliche Entwicklung und Karriereplanung in Hamburg.
insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
Horst Scharrn 25.01.2019
1.
Was mache ich wenn ich Arbeit nicht als Lebensinhalt sondern nur als Mittel zum Zweck sehe um an Geld zu kommen um mein Leben zu finanzieren? Meine einzige Motivation besteht darin, dass ich dafür bezahlt werde. Es ist mir auch völlig egal wo oder bei welchem Unternehmen. Die Unternehmen sind für mich austauschbar. Mir ist wichtig, dass die Bezahlung stimmt, dass ein vernünftiges Betriebsklima herrscht und ich nicht mit Psychopathen zusammenarbeiten muss. Der Rest ist mir völlig egal. Arbeit hat für mich keinen hohen Stellenwert. Ich will weder Karriere machen noch mich dort selbst verwirklichen. Eigentlich arbeite ich nur weil nunmal Kosten anfallen die beglichen werden müssen. Ansonsten interessiert mich Arbeit aber nicht. mir sind andere Dinge im Leben wichtiger wie Familie, Freunde, Freizeitaktivitäten etc. Wie bringe ich sowas überzeugend in einer Bewerbung rüber?
Sensør 25.01.2019
2. @1 - genau so ist es
Ich brauche Arbeit um Geld zu verdienen, bekomme ich im mittleren Management nur trottelige Tätigkeiten zu erledigen, und angemessene Gehälter sind sowieso Vergangenheit. Erfolgreiche Bewerbungen hatte ich bereits mehrmals, aber nie mit im Artikel erwähnten Methoden, senden durch die Entwicklung von verbalen Schutzwällen und Streubomben. Wenn man seinen Führungskräften mal zwischen den Zeilen zuhört, merkt man, das auch diese nur die Kohle interessieren. Warum also dieses Fake-Getuhe der Coaching-Mafia?
fx33 25.01.2019
3. Der gefühlt tausendste...
Der gefühlt tausendste Ratschlag zum Thema Anschreiben. Und alle sind gleich. Individuell, "authentisch", originell, keine Phrasen... und dann natürlich noch ein gutes Design... und das alles auf einer A4-Seite. Merken die Ratgeber - hier sogar eine Professorin! - nicht, wie albern und abgelutscht diese Ratschläge sind? Alles schon gesagt, nur noch nicht von jedem? Fakt ist, dass Personaler dem Anschreiben kaum noch einen Stellenwert zugestehen, denn die sind allesamt nicht "authentisch", sondern entlang solcher Ratgeber verlogen und damit beliebig. Wichtig ist, was der/die/das Bewerber/in/x kann. Und das steht in den Zeugnissen (die allesamt nur so von Phrasen strotzen, die im Anschreiben natürlich NIE sein dürfen) und vielleicht noch im Lebenslauf. Wer als Personaler/in wegen des Anschreibens eine vielleicht qualifizierte Person aussortiert, ist keinen Schuss Pulver wert und sollte sich einen anderen Beruf suchen. Aber ohne Phrasen bitte! Und originell! Und überhaupt: AUTHENTISCH!
kumi-ori 25.01.2019
4.
Zitat von fx33Der gefühlt tausendste Ratschlag zum Thema Anschreiben. Und alle sind gleich. Individuell, "authentisch", originell, keine Phrasen... und dann natürlich noch ein gutes Design... und das alles auf einer A4-Seite. Merken die Ratgeber - hier sogar eine Professorin! - nicht, wie albern und abgelutscht diese Ratschläge sind? Alles schon gesagt, nur noch nicht von jedem? Fakt ist, dass Personaler dem Anschreiben kaum noch einen Stellenwert zugestehen, denn die sind allesamt nicht "authentisch", sondern entlang solcher Ratgeber verlogen und damit beliebig. Wichtig ist, was der/die/das Bewerber/in/x kann. Und das steht in den Zeugnissen (die allesamt nur so von Phrasen strotzen, die im Anschreiben natürlich NIE sein dürfen) und vielleicht noch im Lebenslauf. Wer als Personaler/in wegen des Anschreibens eine vielleicht qualifizierte Person aussortiert, ist keinen Schuss Pulver wert und sollte sich einen anderen Beruf suchen. Aber ohne Phrasen bitte! Und originell! Und überhaupt: AUTHENTISCH!
Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schnell man merkt, wenn ein Anschreiben nicht authentisch ist. Die oben zitierte Phrase beispielsweise "meine Kollegen schätzen an mir, dass..." hätten bei mir unfehlbar zu einer sofortigen Aus geführt. Wie aus Omas Briefsteller. Es geht vor allem um drei Dinge: erstens, dass der Bewerber in der Lage ist, eine gestellte Aufgabe fehlerfrei abzuliefern, in diesem Falle das Verfassen eines Schreibens nach bestimmten Regeln ohne formale Fehler; zweitens, dass der Bewerber sich in die Position seines Gegenüber einfühlt und dass er verstanden hat, was von ihm verlangt wird, und drittens, dass er in der Lage ist, Sympathie zu gewinnen, und die gewinnt er nur, wenn er sich die Mühe macht, sein Schreiben extra für diese Bewerbung passend jedes mal frisch aufzusetzen. Mit der Qualifikation ist daas so eine Sache. Es gibt wenige Stellen, in denen die sachliche Qualifikation alleine zählt. Selbst, wenn Sie einen Starfußballer für Ihren Bundesligaverein einstellen wollen, muss der in der Lage sein, mit seinen Mannschaftskollegen gedeihlich zusammenzuarbeiten. Den Ball zu treffen alleine genügt heute nicht mehr.
aurora77 25.01.2019
5. Bloß nicht originell
Vor allem, wenn man kein origineller Mensch ist. Denn das ist nicht authentisch. Ich habe jahrelang im Personalbereich gearbeitet und Bewerbungen mit dem Satz "Meine Kollegen schätzen an mir,..." wären bei mir auch durchgefallen. Dann lieber direkt schreiben, was Sie gut können oder hilfsweise was Sie gerne tun. Das Wichtigste im Anschreiben ist mir, dass jemand glaubhaft erklärt, was ihn an der Stelle reizt. Der Rest steht im Lebenslauf. Und bei Bewerbungen, die zu professionell aussehen, vermute ich, dass jemand in einer Outplacement-Beratung ist oder so.
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