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Job & Karriere

Mein Leben als Zollbeamtin Krokodilköpfe und Schlangen

Sie guckt in Container und macht Häkchen auf einer Liste: Beim Zoll fällt viel Routinearbeit an, erzählt eine Beamtin. Aber dann gibt es doch immer wieder diese Tage, an denen sie ihren Augen kaum traut.
Zollbeamtin am Frankfurter Flughafen (Symbolbild)

Zollbeamtin am Frankfurter Flughafen (Symbolbild)

Foto: Nicolas Armer/ picture alliance / dpa

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist in vielen Berufen jede Menge Platz. In der Serie "Das anonyme Job-Protokoll" erzählen Menschen ganz subjektiv, was ihren Job prägt - ob Tierärztin, Staatsanwalt oder Betreuer im Jobcenter.

"Mit meinem Beruf kann ich zumindest Eindruck schinden. Wenn ich erzähle, dass ich beim Zoll arbeite, sind die meisten Leute beeindruckt: "Wow, mit Hunden Drogen suchen und so? Das ist bestimmt total spannend!" "Schön wär's", denke ich dann.

Als Kind habe ich mir den Job des Zollbeamten auch aufregend vorgestellt. Mit meinen Eltern guckte ich abends im Fernsehen die Serie "Schwarz Rot Gold". Die Beamten liefen darin ähnlich wie Polizisten mit Spürhunden herum, fanden Drogen, geschmuggelte Zigaretten und tibetische Schätze. Sie deckten Menschenhandel und Spionage auf.

Ich arbeite in der Abfertigung. Ich schaue mir am Computer die angemeldeten Waren an und überprüfe dann, ob sie auch tatsächlich transportiert wurden. Dazu gehe ich raus zu den Containern, schaue hinein und hake den Inhalt Stück für Stück auf meiner Liste ab. Dann gehe ich wieder an den Schreibtisch und protokolliere. Über 90 Prozent meiner Arbeitszeit sitze ich am Computer. Wenn ich als junger Mensch gewusst hätte, wie monoton mein Arbeitsalltag sein würde, hätte ich mich vielleicht für einen anderen Beruf entschieden.

Ich begann mit 1800 Mark netto

Nach der Schule wusste ich zunächst nicht so genau, was ich machen wollte. Ich hätte gern studiert, aber dafür fehlte die Unterstützung meiner Eltern. Ein paar Monate nach dem Abi entdeckte ich eine Stellenanzeige vom Zoll, der dringend Nachwuchskräfte suchte. Es winkten ein sicherer Job mit Verbeamtung auf Lebenszeit und die Möglichkeit eines dualen Studiums. Ich bewarb mich und wurde eingestellt.

Ich begann als Finanzanwärterin mit einem Gehalt von 1800 Mark netto im Monat. Als ich nach drei Jahren Ausbildung zur Beamtin auf Lebenszeit ernannt wurde, musste ich per Eid schwören, dass ich der Bundesrepublik Deutschland dienen werde.

Natürlich habe ich mich nach Alternativen umgeschaut, als ich feststellte, wie monoton der Job sein kann. Als ich 25 war, hätte ich zu einem renommierten Hamburger Unternehmen in die Zollabteilung wechseln können, mit guten Aufstiegschancen. Zeitgleich wurde ich jedoch schwanger und blieb dann doch lieber Beamtin. Später, nach der zweiten Schwangerschaft, schrieb ich erneut Bewerbungen. Aber da war ich bereits Anfang vierzig und bekam nur noch Absagen.

Beamtin zu sein bedeutet Sicherheit. Ich wusste bei der Einstellung, wann mein letzter Arbeitstag sein wird. Als junger Mensch fand ich das befremdlich. Viele meiner Kollegen arbeiten aber genau auf diesen Tag hin. Einige haben sogar eine Uhr auf dem PC, die die Zeit bis zur Rente runterzählt.

Krokodilsköpfe und tote Schlangen

Manchmal passiert es schon, dass Dinge transportiert werden, die nicht angemeldet sind oder deren Transport verboten ist. Jagdtrophäen etwa. Einer der bekanntesten Funde bei uns im Zoll ist ein abgetrennter Elefantenfuß, der unangemeldet in einer Kiste verpackt in einem Container transportiert wurde. Auch Taschen mit Krokodilsköpfen und eine große Kiste mit toten Schlangen habe ich gefunden.

Die Absender solcher Güter bekommen eine Strafanzeige. Die Exponate landen meist im Zollmuseum oder als Lehrstücke bei den Lehranstalten des Zolls.

Bisher habe ich es noch nicht erlebt, dass jemand Menschen durch den Zoll schmuggeln wollte. Aber Tiere, die unerlaubt transportiert wurden, habe ich schon oft gesehen. Einmal habe ich über tausend kleine Fläschchen entdeckt, in denen jeweils ein bunter Fisch eingesperrt war. Die Flaschenöffnung war zugeschweißt, die Fische konnten also nicht gefüttert werden und bekamen keinen Sauerstoff. In Asien werden solche Flaschen als Schmuck um den Hals getragen. Wenn der Fisch gestorben ist, wird die Flasche weggeworfen. Gemeinsam mit zwei Kollegen habe ich alle Flaschen geöffnet und die Fische in den Zoo gebracht.

Ich bin jetzt fünfzig und hatte letztes Jahr 30-jähriges Dienstjubiläum. Als Geschenk bekam ich 300 Euro und einen Tag Sonderurlaub. Mit 67 gehe ich in Pension. Derzeit habe ich inklusive aller Zulagen 4000 Euro netto im Monat.

Meine Sorge gilt der nächsten Generation. Denn auch den neuen Azubis wird suggeriert, dass ihr Job total spannend ist. Mit Hunden herumlaufen, Sachen suchen und so weiter. Und am Ende landen die jungen Leute wie ich in der Abfertigung. Denn mit einem Studium und dem anschließenden Einstieg in den gehobenen Dienst ist eine Karriere als Hundeführer gar nicht möglich. Die ist den Angestellten im mittleren Dienst vorbehalten."

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