Arbeiten im Alter "Lieber Busfahrer als Sofasitzer"

"Die Alten sind oft die besseren Fahrer", sagt ein 68-jähriger Rheinländer, der im Ruhestand weiter Linienbusse lenkt. Er arbeitet nicht nur wegen des Geldes.

Fahrgäste an der Haltestelle: "Die steigen zu mir sogar lieber ein als zu einem jungen Kollegen"
Jan Woitas/ DPA

Fahrgäste an der Haltestelle: "Die steigen zu mir sogar lieber ein als zu einem jungen Kollegen"


"Ich bin Busfahrer, und daran hat sich auch durch meine Rente nichts geändert. Seit drei Jahren bin ich zwar offiziell im Ruhestand, bei meinem Arbeitgeber kann ich aber weitermachen. Jetzt allerdings in Teilzeit. Ich fahre an zwei bis drei Tagen die Woche Linienbus, Schulbus oder Stadtbus. Alles, was anliegt.

Die Fahrgäste finden das nicht komisch, wenn ein 68-Jähriger hinterm Steuer sitzt. Ich glaube, die steigen zu mir sogar lieber ein als zu einem jungen Kollegen.

Wenn sie gesund sind, sind die Alten die besseren Fahrer. Ich bin noch fit, das wurde gerade erst getestet: Busfahrer müssen alle fünf Jahre ihren Führerschein verlängern, dabei wird auch ihre Gesundheit gecheckt. Ich habe in meinen 23 Jahren als Busfahrer noch nie einen Unfall gebaut.

"Ein Mann muss beschäftigt sein"

Früher habe ich in der Ukraine gearbeitet, fast 30 Jahre lang, doch das wird auf die Rente nicht angerechnet. Die Ukraine zahlt mir keinen Cent. Ich war Diplomingenieur, die Ausbildung wurde in Deutschland aber nicht anerkannt. Deshalb habe ich die Umschulung zum Busfahrer gemacht.

Arbeiten im Alter
    Manche fiebern dem Ruhestand entgegen - andere fürchten und meiden ihn. Warum arbeiten Menschen weiter, die längst in Rente sein könnten? Dieser Frage widmet der KarriereSPIEGEL in dieser Woche mehrere Artikel.
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Ich finde es okay, noch weiter zu arbeiten. Natürlich brauchen meine Frau und ich das Geld, weil ich kaum Rente bekomme. Aber ich habe überhaupt keine gesundheitlichen Probleme und hätte auch weitergearbeitet, wenn ich mehr Geld hätte. Ein Mann muss beschäftigt sein und nicht zu Hause herumsitzen. Ich bin lieber Busfahrer als Sofasitzer."

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winfield06 27.09.2019
1. gut
die Person im Artikel (Rußlanddeutscher?) hat einen Grund - zuwenig Rente aber ich gebe zu, dass mir selbst bei dem Gedanken etwas unwohl wird, wenn ich einem Bus sitzen würde bei dem der Fahrer stark auf die 70 zugeht. Da ist auch die vorgeschriebene Untersuchung die alle 5 Jahre erforderlich ist nicht geeignet um ein Sicherheitsgefühl zu geben. Ab dem 65. Lebensjahr sollte sie jährlich sein.
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