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Arbeiten im Kollektiv So fühlt es sich an, keinen Chef zu haben

Kaffee, Cola, Krankenpflege: In Deutschland gibt es unterschiedlichste Betriebe, die sich ohne Chef selbst verwalten. Sie haben eines gemeinsam: Die Menschen hier arbeiten gern.
Mitarbeiter der Berliner Kaffeerösterei Flying Roasters: Arbeiten ohne Chef kann zufriedener machen

Mitarbeiter der Berliner Kaffeerösterei Flying Roasters: Arbeiten ohne Chef kann zufriedener machen

Foto: Franziska Senkel

Mehr Lohn und mehr Urlaub: Das sind zwei Vorteile, die Krankenpflegerinnen in einem Berliner Kollektivbetrieb genießen. Trotzdem ist die Wirtschaftsform in Deutschland weitgehend unbekannt. Niemand wisse, wie viele Betriebe ohne Chef oder Chefin es gibt, sagt Jochen Körtner, der deutschlandweit Kollektivbetriebe berät.

Doch ein Relikt aus DDR-Zeiten, wie es nach den Forderungen des Juso-Chefs Kevin Kühnert, Unternehmen zu kollektivieren, behauptet wurde, sind sie nicht. Vielmehr hatten Kollektive ihre Hochzeit in den Siebzigerjahren in der Bundesrepublik.

Selbst verwaltete Betriebe seien bis heute höchst lebendig, sagt die Berliner Historikerin Gisela Notz, die zu Kollektiven geforscht und "Theorien alternativen Wirtschaftens" veröffentlicht hat. "Wenn ich mich in Kreuzberg umschaue, sehe ich sehr viele Kollektivbetriebe. Ich kann ins Café gehen, ins Kino oder in die selbst verwaltete Druckerei."

In der Hauptstadt kann man einen Urlaub lang nur bei Kollektiven konsumieren: Von Bäckerei und Lebensmittelladen über Kneipen, Klubs und Wochenzeitung bis hin zu Taxibetrieb und Hostel gibt es Unternehmen, die der gesamten Belegschaft gehören.

Das Konzept hat auch die New-Work-Bewegung geprägt, deren Fans ebenfalls ein selbstbestimmteres berufliches Miteinander jenseits von traditionellen Hierarchien umsetzen wollen.

Wie viele Kollektive bundesweit bestehen - und wie viele sich schon wieder aufgelöst haben, weil sie schlecht wirtschafteten, sich zerstritten haben oder an ihren eigenen Ansprüchen gescheitert sind - wird nicht offiziell erfasst. Doch auch in Städten wie Hamburg und München, Dresden und Marburg oder ländlichen Regionen wie dem niedersächsischen Wendland sind Kollektive kein Einzelfall.

Der SPIEGEL hat mit Menschen aus vier unterschiedlichen Kollektiven gesprochen. Sie erzählen hier von den Vorteilen und Problemen, die die Selbstverwaltung mit sich bringt.