Jobwechsel Arbeitnehmer in Deutschland sind ihrer Firma treu

Mal schnell einem besseren Angebot folgen? Angestellte in Deutschland reizt das nicht besonders. Sie bleiben lieber lange beim selben Arbeitgeber, zeigen aktuelle Zahlen. Manchmal sogar sehr lange.

Arbeitnehmer (bei Ford in Köln, Archivbild)
DPA

Arbeitnehmer (bei Ford in Köln, Archivbild)


Mindestens ein Jahrzehnt darf es schon sein: Beschäftigte in Deutschland halten ihrem Arbeitgeber gern die Treue. Knapp die Hälfte arbeitet bereits seit mindestens zehn Jahren beim selben Unternehmen, hat das Statistische Bundesamt ermittelt: Im Jahr 2015 traf dies auf 45 Prozent der Arbeitnehmer ab 25 Jahren zu.

Männliche Angestellte sind ihrem Arbeitgeber dabei noch etwas mehr verbunden als ihre weiblichen Kollegen: Bei den Männern waren den Zahlen zufolge 47 Prozent seit zehn oder mehr Jahren bei demselben Unternehmen beschäftigt, bei den Frauen waren es immerhin 43 Prozent.

Die Beschäftigungsdauer steigt dabei mit der Verantwortung im Job: Bei den Führungskräften sind sogar 53 Prozent seit zehn oder mehr Jahren bei einem Arbeitgeber tätig. Unter den Hilfsarbeitskräften traf dies dagegen nur für knapp ein Drittel (32 Prozent) zu. In den Dienstleistungsberufen lag der Anteil mit gut 36 Prozent ebenfalls niedrig.

Insgesamt kam nur gut ein Drittel aller Arbeitnehmer (35 Prozent) auf eine Beschäftigungsdauer von weniger als fünf Jahren. Weitere 18 Prozent der Beschäftigten arbeiten zwischen fünf und zehn Jahren bei einem Unternehmen.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit der Beschäftigungsdauer von mindestens zehn Jahren nahe am EU-Durchschnitt von 44 Prozent. Den höchsten Anteil von Beschäftigten, die zehn oder mehr Jahre beim selben Unternehmen tätig sind, gibt es übrigens in Italien, Portugal und Frankreich.

him/dpa



insgesamt 37 Beiträge
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Rooo 28.04.2017
1. Ich vermute eher, dass der Arbeitsmarkt eben doch nicht so rosig ist
Ich vermute eher, dass der Arbeitsmarkt eben doch nicht so rosig ist, wie uns hier jeden Tag per Jubelmeldung glaubhaft gemacht werden soll. Die Arbeitnehmer wissen, dass sie fast alle ersetzbar sind und bekommen eben keine Angebote mit besseren Konditionen von den Wettbewerbern, sondern müssen sich im Alter schon so in das Unternehmen gezeckt haben, dass man sie wenigstens aus Mitleid nicht mehr einfach so kurz vor der Rente entsorgt.
unaufgeregter 28.04.2017
2. Altersfrage
Mit Ende 50, einer bezahlten Immobilie in guter Lage, kann ich dem Ortswechsel nichts mehr abgewinnen. Ab einem gewissen Alter sind andere Dinge wichtiger als die vermeintliche Karriere.
marthaimschnee 28.04.2017
3. und das verwundert auch nicht weiter
Niemand den ich kenne, hat Bock auf die Risiken, die ein Jobwechsel mit sich bringt, noch auf die damit verbundenen Unannehmlichkeiten wie zB Umziehen. In dieser Hinsicht waren die ganzen Flexibilisierungsbemühungen im Zuge der Agenda 2010 ziemlich kontraproduktiv, denn anstatt den Arbeitsmarkt flexibler zu machen, haben sie die Unsicherheit so dermaßen verstärkt, daß viele gerade der besser Qualifizierten sich scheuen, eine grünere Wiese zu suchen, selbst wenn das finanziell attraktiver wäre (sofern überhaupt).
achterhoeker 28.04.2017
4. Klare Sache
Viele Firmen machen es sich auch leicht. Jobangaben klar dargestellt, aber in Summe ist klar zu erkennen das ein Interner die Stelle kriegt. Andere Personalstelle erinnert das eine Bewerbung online gibt. Man musste erstmal suchen bei wem sie abgeblieben ist. Andere Firma schickte Angebote auf eine Initiativbewerbung die absolut nicht dem Bewerberprofil entsprachen. Das Schlimmste ist, das ab 50 der Ofen aus ist.
spon_3055608 28.04.2017
5. Wie ist's tatsächlich?
Ich vermute, daß die wirkliche Dauer von Arbeitsverhältnissen noch länger ist als in der hier angegangenen Untersuchung, - Man müsst allerdings dazu wissen, wie genau gefragt wurde-, denn so ab etwa 1983 erhielt ein Großteil der Arbeitnehmer nur noch Kurzzeit- Arbeitsverträge (oder gar keine), die aber häufig wiederholt wurden. Ich habe zB. beim gleichen Arbeitgeber mit 4 sich wiederholenden 2-Jahrsvertägen gearbeitet. Und so ging's bei andern Arbeitgebern weiter. Das führt unter anderem die Vorstellungen von Frau Nahles, dass die Betriebsrente ein essenzieller Bestandteil der Altersversorgung sein soll ad absurdum.
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