Pfandbetrug Auch Straftat in der Freizeit kann den Job kosten

Mit falschen Flaschen wollte ein Elektriker einen Pfandautomaten austricksen. Obwohl er das in seiner Freizeit versuchte, wurde er entlassen - zu Recht, wie das Landesarbeitsgericht Mainz entschied.

Flaschensammler (Symbolbild): Flaschen präparieren lohnt sich nicht
DPA

Flaschensammler (Symbolbild): Flaschen präparieren lohnt sich nicht


25 Cent bringt eine Plastikflasche ein. Nicht gerade viel. Kleinvieh macht auch Mist, dachte ein Elektriker offenbar und erarbeitete ein kompliziertes System, um Leergutautomaten auszutricksen: Von einem polnischen Bekannten organisierte er Etiketten mit einem passenden Strichcode und klebte sie mit Tesafilm auf Einwegflaschen. Bepackt mit großen Plastiksäcken fuhr er dann zu einem Supermarkt, um dort mindestens 32 manipulierte Flaschen zu Geld zu machen. Doch an der Kasse stellte der Filialleiter den Pfand-Betrüger zur Rede. Die Polizei wurde gerufen - Anzeige.

In den Vernehmungen ließ sich nicht mehr genau feststellen, ob es sich um einen Wert von acht oder von zwanzig Euro handelte, ob der Bon am Ende tatsächlich auch eingetauscht wurde. Wenig später erhielt der Elektriker von seinem Arbeitgeber die Kündigung aus verhaltensbedingten Gründen. Wegen des Pfandbetrugs hielt die Firma eine "vertrauensvolle Fortsetzung der Zusammenarbeit" für nicht mehr möglich, sie befürchtete weiteres Fehlverhalten.

Die Flaschen hatte der Mann in seiner Freizeit präpariert, nicht etwa am Arbeitsplatz. Auf den ersten Blick hatte der Vorfall im Discounter auch nichts mit dem Arbeitgeber zu tun. Die Firma lieferte zwar auch Mineralwasserflaschen an Kunden aus, aber der Pfanddieb arbeitete in einer ganz anderen Abteilung. Als Elektriker hatte er jahrelang gute Arbeit geleistet, sich zuvor nichts zuschulden kommen lassen.

Schon der Versuch reicht

Daher reichte er eine Kündigungsschutzklage ein. Sein Anwalt argumentierte: Eine Abmahnung hätte gereicht, dem Arbeitgeber sei schließlich kein Schaden entstanden. Trotzdem verlor er in erster und zweiter Instanz, zunächst vor dem Arbeitsgericht Koblenz und jetzt auch vor dem Landesarbeitsgericht Mainz.

Die Richter urteilten: Begeht ein Mitarbeiter in seiner Freizeit eine Straftat, kann der Arbeitgeber ihm unter Umständen kündigen, sofern die Straftat negative Auswirkungen auf den Arbeitgeber hat. In diesem Fall habe sich der Elektriker die Etiketten einer Mineralwassermarke immerhin über einen Produzenten seines Arbeitgebers besorgt. Damit sei der Bezug zum Arbeitsverhältnis gegeben. Ob der Mann den Pfandbetrug vollendet oder nur versucht hat, ist nach Auffassung der Richter letztlich unerheblich: Wäre er nicht gestoppt worden, hätte er die Tat zu Ende gebracht - er "handelte planvoll und mit hoher krimineller Energie".

Durch sein Verhalten habe der Mitarbeiter das Vertrauen in seine Zuverlässigkeit und Redlichkeit zerstört (Aktenzeichen 5 Sa 420/14). Auch außerhalb der Arbeitszeit seien Arbeitnehmer grundsätzlich verpflichtet, auf die Interessen ihres Arbeitgebers Rücksicht zu nehmen, so das Gericht weiter. Schon der Versuch, sich auf Kosten der Firma zu bereichern, beeinträchtige nachhaltig das Vertrauen.

dpa/sid

insgesamt 48 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Stäffelesrutscher 17.02.2015
1.
Tja - falscher Arbeitgeber. In Hamburg gibt es einen, der wirbt um Pflegekräfte mit dem Spruch »Machen Sie doch in ihrer Freizeit, was sie wollen.«
h-i-2224 17.02.2015
2. Was wohl die Richter bei Politikern sagen würden, wenn es um Millionen
und Milliarden gehen würde, für den Fall dass ein Politiker tatsächlich für seine Klientelpolitik zur Rechenschaft gezogen werden würde, wenn schon bei 20€ man von "handelte planvoll und mit hoher krimineller Energie" spricht?
niska 17.02.2015
3.
Mit diesen Eigenschaften sollt er es einfach in der Politik versuchen. Da wird sowas gebraucht.
rt2323 17.02.2015
4. wegen so einer sache
einen Mann zu ruinieren. bravo, das ist ja die beste Idee. die Leute sofort richtig in die Kriminalität zwingen!
Supertramp 17.02.2015
5. Flaschenpfand geht oft genug für uns Verbraucher verloren
Jeder der in den Camping Urlaub z. B. Richtung Schweiz fährt hat die Abzocke schon erlebt. Man schleppt doch nicht die ganzen leeren Flaschen wieder zurück... Keiner erstattet mir den Verlust. Tolles Bürokraten pack. Pfandbetrug ist bestimmt auch noch so nen Fossiles Beamten Gesetz (hier geht es teilweise um 7 Cent). Dann schmeißen die Einzelhändler auch noch viel davon in den Müll.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.