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Arbeitsmarkt in Deutschland "Die Frauen haben aufgeholt, ohne die Männer einzuholen"

Frauen gehören mittlerweile zu den großen Gewinnern auf dem Arbeitsmarkt, wie eine Bertelsmann-Studie zeigt. Trotzdem liegen Männer beim Gehalt weit vorn. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe.
Foto: Sebastian Gollnow/ picture alliance / Sebastian Gollnow/dpa

Frauen gehören zu den großen Gewinnern auf dem Arbeitsmarkt: Ihre Ausbildung ist besser geworden. Sie arbeiten häufiger und mehr, und ihre Einkommen sind gestiegen. Egal, ob sie allein leben oder mit Partner, ob mit Kindern oder ohne. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie der FU Berlin zu Gewinnern und Verlierern auf dem deutschen Arbeitsmarkt, die von der Bertelsmann-Stiftung gefördert wurde und dem SPIEGEL vorliegt.

Doch die Studie zeigt auch: Der Weg bis zur Gleichberechtigung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt ist noch lang. So hatte im Jahr 1976 etwa ein männlicher Akademiker in Westdeutschland ein verfügbares Einkommen von durchschnittlich etwa 3700 Euro, im Jahr 2013 waren es knapp 3850 Euro. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+ .)

Hochqualifizierte Frauen hatten dagegen im Jahr 1976 im Schnitt ein verfügbares Einkommen, das damals kaum höher war als das eines geringqualifizierten Mannes - es lag bei etwa 1650 Euro, bis 2013 war es auf 2045 Euro angestiegen. "Die Frauen haben aufgeholt, ohne die Männer einzuholen", sagt Manuela Barisic, die bei Bertelsmann das Projekt leitet.

"Der Bildungserfolg der Frauen spiegelt sich nicht in ihrer Arbeit wider"

Dafür gibt es laut der Studie folgende Gründe:

  • Zum einem nehmen Frauen noch immer eher eine Arbeit an, die unterhalb ihrer Qualifikation liegt, als Männer. So arbeiteten im Jahr 2012 knapp 61 Prozent der Akademikerinnen in Jobs, für die sie formal überqualifiziert waren.
    Bei den Männern waren es nur gut über 40 Prozent. "Auch wenn das Phänomen in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen hat, spiegelt sich der Bildungserfolg der Frauen immer noch nicht in ihrer ausgeübten Arbeit wider", sagt Barisic.
    Frauen ergreifen häufiger Berufe, in denen die Löhne deutlich geringer sind als in den gut bezahlten Industrieberufen, die Männer wählen.
  • Zum anderen arbeiten Frauen nach wie vor häufiger in Teilzeit mit geringerer Stundenzahl als Männer. Während sich die Zahl der erwerbstätigen Frauen in den vergangenen 40 Jahren verdoppelt hat, ist die Zahl der Stunden, die sie wöchentlich arbeiten, lediglich um 50 Prozent gestiegen.

Für ihre Studie werteten die Forscher den Mikrozensus des Statistischen Bundesamts aus, eine repräsentative Befragung von einem Prozent der deutschen Haushalte, die seit 1957 mit wenigen Ausnahmen jährlich durchgeführt wird.

Die aktuellsten Zahlen stammen von 2012 und 2013. Die Forscher sahen sich unter anderem das Bildungsniveau und die Erwerbsbeteiligung an. Sie bereinigten die verfügbaren Einkommen zu den verschiedenen Zeitpunkten und rechneten sie in Preise von 2015 um, damit man sie vergleichen kann.

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