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Arbeitsrecht bei Sommerwetter Muss ich trotz dieser Hitze mit FFP2-Maske arbeiten?

Temperaturen über 30 Grad: Der Sommer ist da. Welche Rechte haben Angestellte? Darf man das Homeoffice ins Freibad verlegen? Der Überblick.
Ein bisschen Luft hält arbeitsfähig – aber in der Firma dürfen Sie einen Ventilator nicht ohne Rücksprache einstöpseln

Ein bisschen Luft hält arbeitsfähig – aber in der Firma dürfen Sie einen Ventilator nicht ohne Rücksprache einstöpseln

Foto: Kniel Synnatzschke / Westend61 / imago images

Es wird heiß in Deutschland: An vielen Orten wird die 30-Grad-Marke geknackt, es dürfte ein paar Tage so bleiben – und der Sommer hat gerade erst begonnen.

Arbeiten müssen die meisten trotzdem. Aber man kann es sich ja ein bisschen angenehmer machen. Wer im Homeoffice sitzt, könnte leicht auf die Idee kommen, den Arbeitsplatz ins Planschbecken der Kinder zu verlegen – oder gleich ins Freibad.

Aber geht das so einfach, darf man das? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Mein Arbeitsplatz glüht. Bei welchen Temperaturen ist Arbeit noch zumutbar?

Gegen Hitze hilft ein Regelwerk mit dem abkühlenden Namen »Arbeitsstättenrichtlinie«. Danach soll die Temperatur in Arbeitsräumen grundsätzlich nicht über 26 Grad Celsius liegen. Klingt gut, aber: Beschäftigte müssen auch bei Temperaturen von 35 Grad und mehr arbeiten. Dann sieht die Arbeitsstättenrichtlinie allerdings Schutzmaßnahmen vor.

Wie muss mich die Firma vor Hitze schützen?

Fenster und Glaswände müssen demnach vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, zum Beispiel mit Jalousien. Falls es trotzdem unerträglich heiß im Büro wird, sollten Beschäftigte ihre Chefin oder ihren Chef darauf hinweisen oder den Betriebsrat einschalten.

Ist eine Klimaanlage im Einsatz, sollte es aber auch nicht zu kühl im Büro werden. Experten empfehlen, dass es drinnen maximal sechs Grad kälter sein sollte als draußen.

Wer draußen arbeitet, muss außerdem vor direkter Sonne geschützt werden. Dazu können Arbeitgeber etwa Sonnensegel spannen oder Schutzkleidung wie Hüte bereitstellen. Auch eine Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor oder kostenloses Wasser sollten gestellt werden. Um die Augen zu schützen, sollten die Beschäftigten Sonnenbrillen tragen.

Dieses Jahr kommt zur Hitze auch noch die Coronamaske. Muss ich das Ding tragen, auch wenn ich stark schwitze?

»Überall, wo die Maskenpflicht gilt, muss eine Maske getragen werden – auch bei hohen Temperaturen gibt es keine Ausnahmen«, sagt Andrea Kröpelin, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Partnerin in der Hamburger Kanzlei Möhrle Happ Luther.

Die Corona-Arbeitsschutzverordnung schreibt vor, dass Masken vor allem dann zu tragen sind, wenn mehrere Personen in einem Raum arbeiten oder wenn Mindestabstände nicht eingehalten werden können. Auch auf den Wegen vom und zum Arbeitsplatz innerhalb von Gebäuden sind sie vorgeschrieben. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die gegen die Maskenpflicht verstoßen, droht eine Abmahnung.

Im Einzelbüro gibt es dagegen keine Maskenpflicht. Sind Sie dort angekommen, dürfen Sie sie abnehmen.

Die Verordnung gilt auf jeden Fall noch bis zum 30. Juni 2021. Ob und in welcher Form sie vielleicht verlängert wird, steht noch nicht fest. »Die allgemeine Tendenz geht wohl eher dahin, die Maskenpflicht in Innenräumen zunächst nicht zu lockern«, sagt Kröpelin.

Darf ich mit Shorts zur Arbeit kommen?

Es ist so heiß, dass sogar die Tastatur schwitzt? Da ist es nur verständlich, wenn Angestellte leicht bekleidet zur Arbeit kommen. Doch kurze Hosen und Flipflops sind vielleicht in der Freizeit okay, aber nicht unbedingt im Büro.

Der Chef darf einen Dresscode vorgeben. Das ist vor allem für diejenigen wichtig, die viel Kundenkontakt haben. Wer sich nicht daran hält, riskiert eine Abmahnung.

Außerdem muss in jedem Fall der Arbeitsschutz gewährleistet sein. Wegen Hitze den Schutzhelm abzulegen oder die Sicherheitsschuhe auszuziehen, geht also nicht.

Chefs dürfen aber nicht alles verbieten. Es gilt der Grundsatz: Kleidung und Aussehen müssen für die Position geeignet sein. Im Zweifelsfall sollten Sie die Chefs einfach fragen – oder genau beobachten, wie sie sich selbst kleiden. Kommt er oder sie beispielsweise in kurzer Hose, sollte das auch für Sie okay sein.

Wie ungewöhnlich ein Mann reagierte, der im Büro mit Shorts arbeiten wollte, aber nicht durfte, lesen Sie hier.

Aber im Homeoffice darf ich es lockerer angehen lassen, oder?

Nur mit Badehose bekleidet, die Füße in einer Schüssel kalten Wassers – grundsätzlich können sie im Homeoffice machen, was sie wollen.

Die Prinzipien, die im Betrieb gelten, sind aber nicht außer Kraft: Bei Kundenkontakt oder in Videokonferenzen sollten Sie angemessen gekleidet sein – zumindest der Teil von Ihnen, den die Kamera erfasst. Und auch auf die Arbeitssicherheit müssen Sie achten. Steigen Sie also besser nicht mit dem Laptop ins Planschbecken.

Kann ich in der Firma einen Ventilator aufstellen?

Bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Grenze ist ein Ventilator sinnvoll. Arbeitnehmer müssen allerdings vorher ihren Chef um Erlaubnis fragen: Der Strom, der aus den Steckdosen des Unternehmens kommt, gehört zu den Arbeitsmitteln. Und die sollen eigentlich für die Arbeit genutzt werden und nicht dafür, es sich am Schreibtisch gemütlich zu machen.

Es ist noch aus einem anderen Grund problematisch, ohne Absprache eigene Elektrogeräte zu betreiben: Brennt eins davon durch und setzt den halben Betrieb in Brand, kann es Probleme mit der Versicherung geben.

Was ist, wenn mein Kind Hitzefrei hat?

Im Sommer kann es vorkommen, dass die Schule ausfällt, und sei es nur für ein paar Stunden. Ob es überhaupt Hitzefrei gibt oder nicht und wer darüber bestimmt, ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Meistens darf die Schulleitung ab einer bestimmten Temperatur darüber entscheiden.

Wenn die nun beschließt, dass es zu heiß zum Lernen ist, stehen viele berufstätige Eltern vor einem Problem: Wer kümmert sich jetzt um das Kind?

In vielen Fällen können Schüler weiterhin in der Schule betreut werden. Wenn das nicht geht und Sie als Eltern keine andere Betreuungsmöglichkeit für ihr Kind finden, müssen Sie sich freinehmen und auf das Verständnis des Arbeitgebers hoffen. Er kann allerdings nicht verlangen, dass Sie ein kleines Kind unter 12 Jahren unbeaufsichtigt lassen. Eine Kompromissmöglichkeit ist das Homeoffice, falls das in Ihrem Betrieb geht.

Apropos Hitzefrei: Kann ich das als Arbeitnehmer bitte auch haben?

Für Arbeitnehmer gibt es leider kein Recht auf Hitzefrei, nur die coolen Regeln aus der Arbeitsstättenverordnung. Ausgenommen sind Schwangere und Mitarbeiter, die mit einem Attest belegen können, dass sie ab bestimmten Temperaturen gesundheitliche Probleme bekommen. Sie dürfen vom Arbeitgeber eine bestimmte Raumtemperatur einfordern. Kann der Chef oder die Chefin nicht für Kühlung sorgen, gibt es für sie Hitzefrei.

Ich will nicht in der größten Hitze arbeiten, sondern lieber Siesta machen und meinen Job in den kühleren Stunden erledigen. Geht das?

Wenn schon kein Hitzefrei, dann empfiehlt es sich, die Arbeit sinnvoll auf den Tag zu verteilen: So können Arbeiten – wenn möglich – in den kühleren frühen Morgen oder auf den späten Abend verlegt werden. Das empfiehlt zumindest die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Außerdem sollte es mehrere zusätzliche kurze Pausen geben, die in kühleren Bereichen verbracht werden.

Das ist aber nicht bei allen Tätigkeiten möglich. Wer ohnehin mit Gleitzeit arbeitet, ist hier im Vorteil. Sie müssen aber auf jeden Fall die geltenden Regeln des Betriebs beachten: So müssen häufig etwa Öffnungszeiten oder bestimmte Erreichbarkeitszeiten abgedeckt sein; manche Meetings sind verpflichtend.

Selbst dann sind Sie nicht ganz frei bei der Zeiteinteilung, warnt Fachanwältin Kröpelin: »Eine zu lange Siesta kann zu Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz führen, falls dadurch die vorgeschriebene Ruhezeit von elf Stunden zwischen zwei Arbeitstagen unterschritten wird.« Die betrieblichen und gesetzlichen Vorgaben zur Arbeitszeit gelten grundsätzlich auch im Homeoffice. Wer dagegen verstößt, riskiert eine Abmahnung.

Darf ich mein Homeoffice auch ins Freibad verlegen?

Klingt verlockend, aber Andrea Kröpelin rät ab: »Vertraulichkeit und Datenschutz sind in der Öffentlichkeit kaum zu gewährleisten, da handeln Sie sich große Probleme ein.« Weitere Katastrophenszenarien: Der Dienstlaptop fällt ins Wasser oder wird gestohlen. Und sie gibt zu bedenken: »Der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung wurde zwar jüngst für die Tätigkeit im Homeoffice und für mobile Arbeit ausgeweitet – ein Badeunfall dürfte davon aber nicht abgedeckt sein.«

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