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Arbeitsrecht Advent, Advent, ein Schreibtisch brennt

Räuchermännchen und "Last Christmas" in Dauerschleife: Selbst am Arbeitsplatz greift feierlicher Wahn um sich. Im Interview erklärt Arbeitsrechtlerin Nathalie Oberthür, wie viel Kitsch Sie erdulden müssen und ob die Weihnachtsfeier Pflicht ist.
Weihnachtsdeko im Büro: Manchen Kollegen stehen die Haare zu Berge

Weihnachtsdeko im Büro: Manchen Kollegen stehen die Haare zu Berge

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Zur Person
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Dr. Nathalie Oberthür ist Fachanwältin für Arbeits- und Sozialrecht in Köln. Sie vertritt Arbeitgeber, Angestellte und Führungskräfte und gibt Seminare zum Thema Arbeitsrecht.

KarriereSPIEGEL: Frau Oberthür, für Partymuffel ist die Vorweihnachtszeit ein Graus: Der Chef lädt zur Weihnachtsfeier. Muss man daran teilnehmen?

Oberthür: Nein, der Chef kann niemanden zur Teilnahme zwingen. Aber findet die Feier während der Arbeitszeit statt, und man möchte nicht hingehen, muss man währenddessen arbeiten - oder Urlaub nehmen.

KarriereSPIEGEL: Gilt ein Unfall auf der Weihnachtsfeier auch als Arbeitsunfall?

Oberthür: Wenn die Feier vom Arbeitgeber ausgerichtet und finanziert wird: Ja, dann handelt es sich um einen Arbeitsunfall, die gesetzliche Unfallversicherung zahlt. Wenn aber einige Kollegen unabhängig vom Arbeitgeber ein Weihnachtsessen veranstalten, und jemand verletzt sich, ist das kein Arbeitsunfall - und die Unfallversicherung haftet nicht.

KarriereSPIEGEL: Und wenn Alkohol im Spiel ist?

Oberthür: Wenn der Alkohol überwiegende Ursache des Unfalls ist, gilt er als selbstverschuldet. Dann zahlt die gesetzliche Unfallversicherung nicht.

KarriereSPIEGEL: Manche Arbeitgeber verteilen auch Präsente an die Belegschaft. Sind Sachgeschenke steuerpflichtig?

Oberthür: Bis zu einem Wert von 40 Euro sind sie steuerfrei. Darüber hinaus müssen sie versteuert werden.

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KarriereSPIEGEL: Im vergangenen Jahr brannte das Berliner Abgeordnetenhaus, weil ein Politiker vergessen hatte, die Kerze seines Adventskranzes auszumachen. Danach wurden die Mitarbeiter schriftlich aufgefordert, Kerzen nur nach Genehmigung anzuzünden. Dürfen Chefs Weihnachtskerzen verbieten?

Oberthür: Ja, das dürfen sie. Der Chef kann wie im Berliner Fall ein Schreiben an alle Mitarbeiter aufsetzen oder zum Beispiel in der Betriebsordnung regeln, dass offenes Feuer verboten ist. Ein mündliches Verbot reicht aber auch.

KarriereSPIEGEL: Wer haftet, wenn die Kerze umkippt und das Büro abbrennt?

Oberthür: Hat der Chef Kerzen verboten, haftet derjenige, der sie angezündet hat. Grundsätzlich gilt: Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass von der Betriebsstätte keine Gefahr ausgeht. Wenn er Kerzen erlaubt, muss er sie selbst überwachen oder seine Mitarbeiter anweisen, das zu tun. Wer sich unsicher ist, ob Kerzen erlaubt sind oder nicht, sollte einfach beim Chef nachfragen.

KarriereSPIEGEL: Darf der Chef sämtliche Weihnachtsdeko verbieten?

Oberthür: Er kann alles untersagen, was den Betriebsablauf gefährdet, stört oder unangenehm gestaltet. Dabei muss er auch die Interessen der Arbeitnehmer berücksichtigen. Fühlt sich ein Kollege von einer blinkenden Lichterkette am Nachbarschreibtisch gestört, kann der Chef sie verbieten. Gegen einen Porzellanweihnachtsmann auf dem Schreibtisch wird er dagegen kaum etwas unternehmen können.

KarriereSPIEGEL: Ist ein Räuchermännchen okay?

Oberthür: Wenn der Rauch die Kollegen beeinträchtigt: Nein. Sobald sich jemand gestört fühlt, und sei es der Arbeitgeber selbst, darf er das Räuchermännchen verbieten.

KarriereSPIEGEL: Was ist mit Weihnachtsmusik: Darf ich an meinem Schreibtisch dem Wham-Ohrenkrebs-Klassiker "Last Christmas" hören?

Oberthür: Auch hier gilt: Nicht, wenn die Musik jemanden stört. Im Unterschied zur Weihnachtsdeko beeinträchtigt Musik obendrein die Arbeitsleistung, weil sie die Kollegen ablenkt.

Das Interview führte Anja Tiedge

Arbeitsrecht im Advent