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Von Rechts wegen - Arbeitsrecht kurz erklärt Kann mir der Arbeitgeber meinen Lohn streichen, wenn ich in Quarantäne nicht arbeiten kann?

Sitzen Sie nach dem Urlaub in Isolation, bedeutet das oft auch Ärger im Job: Denn das Reiseziel kann die Lohnfortzahlung gefährden - und die Chefin in Extremfällen sogar Schadensersatz verlangen.
Sitzt man selbst verschuldet in Quarantäne, kann das Konsequenzen haben

Sitzt man selbst verschuldet in Quarantäne, kann das Konsequenzen haben

Foto: Justin Paget/ Digital Vision/ Getty Images

Der Urlaub in Katalonien war fröhlich, doch das Erwachen danach unerfreulich: Für Heimkehrer aus Risikogebieten gilt eine Quarantäne, sie dürfen ihre Wohnung nicht verlassen, auch nicht, um zur Arbeit zu gehen. Doch nicht für jede und jeden ist es so einfach möglich, von zu Hause zu arbeiten. Steht man täglich am Fließband in der Schraubenfabrik oder sitzt im Supermarkt an der Kasse, dann ist Homeoffice keine Option.

Auch wenn der Job in Heimarbeit grundsätzlich möglich wäre, muss der Arbeitgeber generell sein Okay fürs Arbeiten von zu Hause geben. Und jetzt? Gilt eine Quarantäne wie eine Krankschreibung? Oder muss man Urlaub nehmen? Oder kann sogar entlassen werden, wer nicht zum Dienst antritt? 

Dafür, ob und wie Mitarbeitende in der Quarantäne, ohne arbeiten zu können, weiterbezahlt werden, ist es entscheidend, aus welchen Gründen sie unter Quarantäne stehen. Finanziell wird der Mitarbeitende, der in Isolierung nicht von zu Hause im Dienst sein kann, durch einen Entschädigungsanspruch so behandelt, als sei er erkrankt. Nach dem Infektionsschutzgesetz besteht ein Anspruch auf Verdienstausfall in den ersten sechs Wochen. Die Entschädigung, so steht es im Infektionsschutzgesetz, bemisst sich dabei nach dem Verdienstausfall. Kommt der Mitarbeitende auch nach dieser Zeit nicht in den Dienst zurück, erhält sie oder er ein Krankengeld.  

Entscheidend ist der Grund, warum man in Quarantäne sitzt

Die Höhe des kalendertäglichen Krankengeldes richtet sich nach dem regelmäßigen Einkommen des Mitarbeitenden. Im Allgemeinen sind das 70 Prozent vom Brutto-, jedoch höchstens 90 Prozent vom Nettolohn. Auch Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld werden dabei berücksichtigt. Dieses Geld kann sich der Chef vom Staat zurückholen. "Der Arbeitgeber ist hier so etwas wie eine Zahlstelle”, sagt der Düsseldorfer Fachanwalt für Arbeitsrecht, Jens Niehl. 

Kommt der Vorgesetzte trotz Quarantäne nicht für die Entschädigung auf, kann der Mitarbeitende das Geld vom Staat fordern. Welche Behörde der richtige Ansprechpartner ist, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland: In Nordrhein-Westfalen sind es die Landschaftsverbände, in Hessen die Gesundheitsämter, in Bayern dagegen die einzelnen Bezirksregierungen.  

Entscheidend dafür, ob man auch während der Quarantäne Lohn bekommt, ist der Grund, warum man in häuslicher Quarantäne ist. Muss der Mitarbeitende in Isolation, weil er für seinen Urlaub in einem Risikogebiet war, trägt er dafür selbst die Verantwortung (10 AZR 99/14). "Erfährt  der Arbeitgeber, dass der Mitarbeitende Urlaub in einem Risikogebiet gemacht hat, dann ist es durchaus denkbar, dass sie oder er im Krankheitsfall keine Entgeltfortzahlung bekommt, die Arbeitsunfähigkeit wurde ja selbst provoziert”, sagt Arbeitsrechtler Niehl. Das Gleiche gilt für die Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz bei einer Quarantäne ohne Erkrankung nach Urlaub in ein Risikogebiet.  

130 Länder, in die man derzeit besser nicht reisen sollte

Kann die Chefin einen hoch dotierten Auftrag nicht annehmen, weil der Mitarbeiter aufgrund einer selbstverschuldeten Quarantäne fehlt, dann ist auch eine Schadenersatzforderung gegen den Arbeitnehmer denkbar: "Gerade kann man einfach nicht kopflos irgendwo hinfahren”, sagt Niehl. 

Welche Länder unter die Risikogebiete fallen, legt das Robert Koch-Institut (RKI) gemeinsam mit der Bundesregierung fest. Derzeit sind es 130 Länder , in die der Arbeitnehmer für seinen Urlaub besser nicht reisen sollte. Auch das EU-Land Luxemburg steht aktuell auf der Liste. 

Wichtig ist hier die Frage der gegenseitigen Schutz-, Rücksichts- und Fürsorgepflichten von Arbeitgeber und Arbeitnehmer: Der Mitarbeitende hat ein Interesse daran, schnellstmöglich wieder zu arbeiten. Kehrt er jedoch aus einem Risikogebiet zurück, muss er zwingend zwei Wochen in Quarantäne, solange er keinen negativen Corona-Test vorlegen kann, der attestiert, gesund zu sein. Kann der Mitarbeitende diesen Test nicht vorlegen, gilt ein zweiwöchiges Beschäftigungsverbot - es sei denn, Homeoffice ist für sie oder ihn in dieser Zeit gut möglich.  

"Gerade kann man einfach nicht kopflos irgendwo hinfahren”

Jens Niehl, Fachanwalt für Arbeitsrecht

Der Arbeitnehmer sollte bei seiner Urlaubsplanung in diesem Jahr weitsichtig sein. Plant man eine Reise in ein vom RKI noch nicht als Risikogebiet eingestuftes Land und hört kurz zuvor in den Medien von Hunderten Neuinfektionen in den vergangenen Wochen, dann sollte man dort nicht hinfahren, wenn man nicht eine Quarantäne und den Verlust des Entschädigungsanspruches riskieren möchte. "Es steht nirgendwo, dass es nur dann ein Verschulden ist, wenn das Robert Koch-Institut davor warnt”, sagt Arbeitsrechtler Niehl. 

Wird das Urlaubsland erst während des Aufenthalts zum Risikogebiet, ist der konkrete Einzelfall entscheidend, ob der Mitarbeitende auch in Quarantäne weiterhin Lohn bekommt. Fährt sie oder er durch ein Risikoland und während eines Tagestrips an die Tankstelle, hat aber nicht mitbekommen, dass das Land seit zwei Stunden auf der RKI-Liste der Risikoländer steht, verändert das die Situation. "Vermutlich wird dies dann eine nicht-verschuldete Quarantäne sein und keine Konsequenzen für den Arbeitnehmer haben, wenn der Mitarbeitende überhaupt unter Quarantäne gestellt würde”, sagt Niehl.  

Ähnlich sieht es aus, wenn man dem Chef glaubhaft vermitteln kann, dass man sich unverzüglich nach Benennung des Urlaubsdomizils zum Risikogebiet, auf die Rückreise gemacht hat - auch in diesem Fall würde man eher von einer Quarantäne ausgehen, die der Arbeitnehmer nicht selbst verschuldet hat. "Entscheidungen dazu gibt es jedoch noch nicht. Es hängt immer davon ab, wie der Arbeitnehmer auf eine Änderung der Risikoeinschätzung im Einzelfall reagiert”, sagt Niehl. Bei der Urlaubsplanung ist also weiterhin eine gesunde Portion Vorsicht geboten.