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Arbeitsgericht Kündigung ist zu harte Strafe für Brötchenklau

Eine Krankenschwester nahm acht halbe Brötchen aus dem Klinik-Kühlschrank und verfrühstückte sie mit Kolleginnen. Dafür wurde ihr fristlos gekündigt. Zu Unrecht, hat das Arbeitsgericht Hamburg geurteilt.
Kündigungsgrund Brötchen: Es kommt auf den Einzelfall an

Kündigungsgrund Brötchen: Es kommt auf den Einzelfall an

Foto: Franz-Peter Tschauner/ picture-alliance/ dpa

Einer Krankenschwester darf nach 23 Dienstjahren nicht fristlos gekündigt werden, nur weil sie acht halbe belegte Brötchen aus dem Kühlschrank des Pausenraums nimmt. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Entscheidung des Arbeitsgerichts Hamburg hervor.

Die belegten Brötchen waren für Rettungssanitäter und andere externe Mitarbeiter des Krankenhauses bestimmt. Die Krankenschwester hatte nicht alle acht halben Brötchen selbst gegessen, sondern gemeinsam mit anderen Schwestern verfrühstückt.

Zwar könne "die Entwendung geringwertiger Sachen - hier acht belegte Brötchenhälften - grundsätzlich eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen", heißt es in dem Urteil. Aber "grundsätzlich" heißt eben nicht "immer". Und deshalb, so die Juristen, sei eine genaue Prüfung des Einzelfalls nötig, "ob durch eine Abmahnung verloren gegangenes Vertrauen wieder hergestellt werden kann".

Ja, fanden die Hamburger Arbeitsrichter - dieses Vertrauen könne im Fall der hungrigen Krankenschwester wieder entstehen. Denn bei der Wertung eines Diebstahls sei zu berücksichtigen, ob der Täter "bei seiner Vertragspflichtverletzung offen oder heimlich gehandelt hat und wie er - angesprochen auf seine Verfehlung - mit den Vorwürfen umgeht".

Abmahnung reicht

Im aktuellen Fall hatte die Krankenschwester ihr Fehlverhalten sofort eingeräumt und auch zugegeben, mindestens eine Brötchenhälfte selbst verzehrt zu haben. Deshalb, so die Richter, sei die Kündigung unverhältnismäßig gewesen und damit ungültig. Eine Abmahnung hätte gereicht.

Immer wieder gibt es arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen um solche Bagatellkündigungen. Wegen angeblichen Stromdiebstahls für einen Wasserkocher, ein paar vor Jahren eingesteckter Münzen oder eines falsch abgerechneten Pfandbons schicken Arbeitgeber dann die Kündigung raus.

Besonders die Pfandbons der Supermarktkassiererin "Emmely" hatten vor rund sieben Jahren für Aufsehen gesorgt. Ihr war gekündigt worden, weil sie Pfandbons im Wert von 1,30 Euro eingelöst hatte, die ihr nicht gehörten. Auch ihr wurde fristlos gekündigt, mit einer Klage scheiterte sie zunächst, weil das Vertrauensverhältnis zerstört sei, unabhängig vom Wert des Diebstahls.

Nach weiteren Instanzen 2010 hob das Bundesarbeitsgericht ihre Kündigung schließlich auf: Sie sei unverhältnismäßig. "Emmely", die eigentlich Barbara Emme hieß, starb vergangenen März an Herzversagen.

Aktenzeichen: 27 Ca 87/15

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him/dpa
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