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Arbeitszeit und Gesundheit So kommen Sie besser durch die Schichtarbeit

Gesundheit, Logistik, Polizei: In vielen Branchen gehört Schichtarbeit zum Alltag. Welche Rechte haben Arbeitnehmer im Schichtdienst - und was können Sie selbst tun, um sich zu schützen?
Schichtarbeiter in Papenburg (Archivbild)

Schichtarbeiter in Papenburg (Archivbild)

Foto: imago/photothek

Ungefähr sechs Millionen Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten in Wechselschicht - weil es nötig ist. Schließlich wollen die meisten von uns morgens frische Brötchen bekommen und, was noch viel wichtiger ist: im Notfall behandelt werden. Ohne Wechselschicht wäre das undenkbar.

Für Arbeitnehmer kann Schichtarbeit aber schwere gesundheitliche Folgen haben. Eine Studie britischer Wissenschaftler kam zu besorgniserregenden Ergebnissen: Erhöhte Blutfettwerte, ein chaotischer Hormonhaushalt und ein gesteigertes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall scheinen mit der Arbeit in Wechselschicht zusammenzuhängen.

Die Forscher stellten auch fest: Frauen kommen insgesamt schlechter mit Schichtarbeit zurecht. Sie leiden noch stärker als ihre männlichen Kollegen unter Schlafstörungen, Bluthochdruck und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Für Arbeitnehmer, die in Wechselschicht arbeiten, ist der gesamte Arbeitstag, also alle 24 Stunden, in Früh-, Spät- und Nachtschichten aufgeteilt. In diesen Betrieben wird auch an Sonn- und Feiertagen gearbeitet.

Dass diese Arbeitsbedingungen Beschwerden auslösen können, liegt an unserem biologischen Tag-Nacht-Rhythmus. Denn der ist eng mit dem Tageslicht verbunden. Menschen, die regelmäßig nachts oder spätabends arbeiten, bringen auf lange Sicht ihren Rhythmus durcheinander. Die Folge: Hormonchaos mit den beschriebenen Folgen.

Doch der Gesetzgeber sorgt vor. Aus dem Arbeitszeitgesetz ergeben sich zunächst Regelungen, die für alle Arbeitnehmer - also nicht nur für diejenigen, die in Wechselschicht arbeiten - gelten:

  • Pro Arbeitstag dürfen nicht mehr als acht Stunden gearbeitet werden.
  • In Ausnahmen darf die Arbeitszeit zehn Stunden täglich betragen.
  • Zwischen Schichtende und erneutem Schichtanfang müssen mindestens elf Stunden Ruhezeit liegen.

Für Arbeitnehmer, die regelmäßig nachts arbeiten, sind die Vorschriften des Gesetzes umfassender:

  • Ist die Nachtschicht länger als acht Stunden, müssen die geleisteten Überstunden innerhalb von vier Wochen ausgeglichen werden.
  • Arbeitnehmer, die nachts arbeiten, erhalten einen Lohnzuschlag oder Freizeitausgleich.

Daneben hält das Arbeitszeitgesetz noch weitere Regelungen bereit: Sollte es neue wissenschaftliche Erkenntnisse in Bezug auf die Wechselschicht geben, müssen diese vom Arbeitgeber berücksichtigt werden. Eine dieser Erkenntnisse ist der sogenannte Vorwärtswechsel. Die Schichten sollen sich von Früh- über Spät- bis hin zur Nachtschicht wechseln - und nicht umgekehrt.

Außerdem empfehlen Arbeitsmediziner, dass höchstens in drei Nachtschichten in Folge gearbeitet werden soll. Dauernachtschichten sind also nicht empfehlenswert. Außerdem raten Mediziner dazu, nach der letzten Nachschicht dem Arbeitnehmer mindestens 24 Stunden Freizeit einzuräumen. So kann der Körper beginnen, wieder seinen normalen Rhythmus zu finden.

Tipps für Arbeitnehmer

Schichtarbeiter können aber auch selbst etwas für ihre Gesundheit tun: Sie können ihren Alltag dem Rhythmus anpassen.

Wenn Sie beispielsweise alle zwei oder drei Tage die Schicht wechseln, sollten Sie jeweils am letzten Arbeitstag der Schicht etwas später ins Bett gehen. So gewöhnt sich Ihr Körper daran, dass er am nächsten Tag erst später, dafür aber länger Leistung bringen muss.

Das gilt übrigens auch für den Übergang aus der Erholungszeit in die Frühschicht. Angenommen, Sie starten dienstags mit der ersten Frühschicht, dann sollten Sie schon montags ein wenig früher aufstehen. So sind Sie abends früher müde und zum zweiten schon darauf vorbereitet, auch am Dienstag früh aufzustehen.

Sonnenbrille tragen

Wenn Sie nach der Nachtschicht nach Hause gehen, sollten Sie eine Sonnenbrille tragen. Bekommt Ihre Netzhaut zu viel Sonnenlicht ab, könnten Sie Probleme mit dem Einschlafen bekommen.

Leichtes Essen

Vermeiden Sie fettige und schwere Speisen nach der Arbeit, wenn Sie danach zügig ins Bett wollen. Die liegen Ihnen im Magen und halten Sie davon ab, schnell einschlafen zu können.

Ritual finden

Wenn Sie jeden Tag vor dem Schlafengehen das Gleiche tun, wird sich Ihr Körper daran gewöhnen und das Signal abspeichern. Eine bestimmte Musik oder auch das beliebte Stückchen Schokolade können solche Schlafrituale sein. Nach einiger Zeit fällt Ihnen danach das Einschlafen leichter.

Störquellen ausschalten

Wenn Sie dann schlafen, wenn alle anderen wach sind, müssen Sie sich ganz besonders abschotten. Um in den erholsamen Tiefschlaf zu fallen, sollten Sie Telefon und wenn möglich auch die Türklingel ausschalten. Ideal ist es außerdem, wenn das Schlafzimmer nicht wärmer als 19 Grad Celsius ist und Sie es abdunkeln können. So können Sie ihrem Körper vorspielen, es sei Nacht.

Alkohol meiden

Einige Schichtarbeiter versuchen es mit Alkohol, um nach der Spät- oder Nachtschicht besser einschlafen zu können. Möglich, dass das Einschlafen damit besser gelingt, der Schlaf wird aber trotzdem nicht erholsam. Alkohol ist ein Nervengift, das den Körper davon abhält, in die regenerativen Tiefschlafphasen zu fallen.

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