Aschewolke Chef, mein Urlaub wird länger

Grímsvötn verwirbelt alle Flugpläne, der isländische Vulkan bringt mit seiner Aschewolke den Luftverkehr in Teilen Europas zum Erliegen. Wer auf Nummer sicher gehen will, verschiebt seinen Urlaub - wenn er nicht schon festsitzt. Bange Frage: Macht der Arbeitgeber das mit?

AP

Am Terminal bleibt viel Zeit zum Nachdenken: Was tun, wenn die Aschewolke des isländischen Vulkans Grímsvötn den eigenen Urlaub verlängert? Und zwar ungewollt, weil man die Nacht auf einem Flughafen zubringen muss? Und was, wenn der Ferienflieger gar nicht startet? Kann man dann seine wertvollen Urlaubstage verschieben?

Die arbeitsrechtliche Lage ist klar: Der Arbeitnehmer hat keinen Anspruch darauf, wegen der Aschewolke seinen Urlaub zu verschieben, nur weil die Fluggesellschaft den Flug streicht. "Ist der Urlaub beantragt, dann kann der Arbeitnehmer nicht mehr zurücktreten", sagt Jobst-Hubertus Bauer, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Stuttgart und Arbeitsrechts-Kolumnist von KarriereSPIEGEL. "Das Risiko, dass etwas Unvorhersehbares wie eine Aschewolke eintritt, liegt beim Arbeitnehmer." Viele Arbeitgeber ließen aber in einem solchen Fall mit sich reden.

Ist der Arbeitnehmer schon im Urlaub und sitzt nun auf einem fremden Flughafen fest, müsse er keine Abmahnung oder Kündigung fürchten, sagt Bauer. "Kommt man nicht zur Arbeit, weil ein Vulkan ausbricht, dann kann einem der Arbeitgeber das nicht vorwerfen." Allerdings habe der Arbeitnehmer auch keinen Anspruch auf Gehalt für die Tage, in denen er fehlt.

Sitzt der Angestellte fest, sollte er sich sofort mit der Personalabteilung in Verbindung setzen. "Der Arbeitnehmer hat die Pflicht mitzuteilen, dass er nicht kommt", so Bauer. Ob hinterher für die Fehltage keine Vergütung gezahlt wird oder Urlaubstage verrechnet werden, ist Verhandlungssache. Ein kulanter Arbeitgeber zahle bei ein oder zwei Tagen auch schon mal weiter.

mamk/dpa



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
muehle79 28.05.2011
1. Island muss warten.
Was bleibt den anderes übrig? Was will man dem Arbeitnehmer eigentlich noch alles vorwerfen? Der gesetzlichen und tarifvertraglichen Anspruch auf Erholungsurlaub. Nun hat es sich so eingebürgert, dass viele diesen nutzen, um die Welt für sich zu entdecken. Trotz sorgfältiger Reiseplanung können da schon mal unvorhergesehene Zwischenfälle passieren, die der Arbeitnehmer nicht zu vertreten hat. Dass diese nun mit Abmahnung oder Kündigung bedroht werden sollen, könnte einem sämtliche Urlaubsfreude vermiesen und würde ja geradezu dazu herausfordern, das Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber empfindlich zu stören. Wenn das Festsitzen auf Island nicht Hinderungsgrund zählt, weil von dort kein Flieger mehr nach Mitteleuropa startet, dann gerät man in die Verlegenheit, sich eine plötzliche Erkrankung auszudenken, deretwegen man am Urlaubsort gefesselt ist und sowieso den Dienst nicht wieder antreten könnte. Das geht immer und hat sogar den Vorteil, dass die Urlaubstage erhalten bleiben. Wie soll man auch sonst da wegkommen? Selbst schwimmen? Wieviele Schifffahrten pendeln täglich zwischen Island und norddeutschen Küstenstädten? Welche Personentransportkapazitäten stehen hier zur Verfügung? Natürlich ist der Arbeitnehmer in der Pflicht vorher ganz genau nachzudenken, wo es hingeht in den Urlaub? Muss es Island sein, wenn dort gerade ein Vulkan ausgebrochen ist? Muss es Japan sein, wenn die gerade mit den Folgen von Erdbeben, Tsunami und Kernkraftkatastrophe kämpfen? Der Urlaub wird ja auch nicht schöner und erholsamer, wenn man sich mit den damit verbundenen Sorgen belastet. Ich z.B. hatte mir Island dieses Jahr wirklich vorgenommen. In der Woche, wo ich im Reisebüro buchen wollte, bricht da ein Vulkan aus und führt zu Flughafensperrungen vor Ort und sogar vorübergehend in ganz Europa. Während letzteres neuartige Panikmache ist und wieder vorübergeht, ist auf der Insel doch zu verständlich, dass nichts geht. Also neu überlegen und Island auf später aufschieben. Man weiß ja auch gar nicht, wie der Vulkan die geplante Reise beeinflusst. Hotels dürften geschlossen, die ganze Landschaft mit grauem Ascheschleier überzogen sein, Straßen sind gesperrt und unpassierbar. Nein, da muss man nicht mittendrin stehen.
Silverhair, 29.05.2011
2. Neue Karten
Zitat von muehle79Was bleibt den anderes übrig? Was will man dem Arbeitnehmer eigentlich noch alles vorwerfen? Der gesetzlichen und tarifvertraglichen Anspruch auf Erholungsurlaub. Nun hat es sich so eingebürgert, dass viele diesen nutzen, um die Welt für sich zu entdecken. Trotz sorgfältiger Reiseplanung können da schon mal unvorhergesehene Zwischenfälle passieren, die der Arbeitnehmer nicht zu vertreten hat. Dass diese nun mit Abmahnung oder Kündigung bedroht werden sollen, könnte einem sämtliche Urlaubsfreude vermiesen und würde ja geradezu dazu herausfordern, das Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber empfindlich zu stören. Wenn das Festsitzen auf Island nicht Hinderungsgrund zählt, weil von dort kein Flieger mehr nach Mitteleuropa startet, dann gerät man in die Verlegenheit, sich eine plötzliche Erkrankung auszudenken, deretwegen man am Urlaubsort gefesselt ist und sowieso den Dienst nicht wieder antreten könnte. Das geht immer und hat sogar den Vorteil, dass die Urlaubstage erhalten bleiben. Wie soll man auch sonst da wegkommen? Selbst schwimmen? Wieviele Schifffahrten pendeln täglich zwischen Island und norddeutschen Küstenstädten? Welche Personentransportkapazitäten stehen hier zur Verfügung? Natürlich ist der Arbeitnehmer in der Pflicht vorher ganz genau nachzudenken, wo es hingeht in den Urlaub? Muss es Island sein, wenn dort gerade ein Vulkan ausgebrochen ist? Muss es Japan sein, wenn die gerade mit den Folgen von Erdbeben, Tsunami und Kernkraftkatastrophe kämpfen? Der Urlaub wird ja auch nicht schöner und erholsamer, wenn man sich mit den damit verbundenen Sorgen belastet. Ich z.B. hatte mir Island dieses Jahr wirklich vorgenommen. In der Woche, wo ich im Reisebüro buchen wollte, bricht da ein Vulkan aus und führt zu Flughafensperrungen vor Ort und sogar vorübergehend in ganz Europa. Während letzteres neuartige Panikmache ist und wieder vorübergeht, ist auf der Insel doch zu verständlich, dass nichts geht. Also neu überlegen und Island auf später aufschieben. Man weiß ja auch gar nicht, wie der Vulkan die geplante Reise beeinflusst. Hotels dürften geschlossen, die ganze Landschaft mit grauem Ascheschleier überzogen sein, Straßen sind gesperrt und unpassierbar. Nein, da muss man nicht mittendrin stehen.
Wir sehen hier einfach noch ein Feudalrecht, der Arbeitgeber hat alle Ansprüche, der Arbeitnehmer ist in einem "sklavischen Verhältnis" gefangen! Für alles Mögliche wird er verantwortlich gemacht, oder soll auf seine Ansprüche verzichten! Ein "faires" Arbeitsrechts sieht schlichtweg anders aus - ist aber in einer Gesellschaft wo die Juristen auf Seiten der Unternehmer sitzen wohl so nicht änderbar! Es zerreist diese Gesellschaft immer mehr - die "Rendite" ist das Hauptziel der Politik und er Unternehmer geworden - das macht man Menschen Arbeitslos durch Maschinen und Computer - und die Arbeitnehmer sind dann die Bösen - und dürfen wenn es hochkommt H4 schieben obwohl doch Nokia, Opel, DB oder wer immer die Arbeitsplätze vernichtet! In Europa nimmt die Jugendarbeitslosigkeit zu - man metzelt Staaten in Europa nieder wegen "Geld" - man will aber gleichzeitig auch noch das diese Staaten die Flüchtlinge - die durchaus oft auch Wirtschaftsflüchtlinge wieder im Meer versenken! Eine Faire Welt - wohl kaum - eher ein römisch despotisches System was an allen Ecken und Kanten zerbröselt! Staatszusammenbrüche sind die Geschichtliche Norm , und die mehrheit der Zusammenbrüche erfolgte nicht durch Krieg - es waren die wirtschaftlichen und Menschlichen Unrechtsbedingungen die das Vertrauen in Staat - sein Geld - seine Organe zerstörten, und am Ende blieb alle Seiten nichts übrig! Entweder geht eine Gesellschaft "fair" miteinander um , oder sie hat schon den Grundstein zu ihrer Selbstzerstörung gelegt - Zwang und Unterdrückung sind nie gute Ratgeber gewesen - sie funktionieren nur kurz bis die Geschichte die karten neu verteilt!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.