Job-Tipps Wie Sie sich gegen Ausbeuter-Kollegen wehren

Kannst du mal eben hier kurz einspringen, dort mal einen Blick drauf werfen? Klar, kein Problem. Problematisch wird es, wenn Kollegen Arbeit abwälzen und hilfsbereite Mitarbeiter ausnutzen.

Wer zu viel Hilfe anbietet, auf den wird auch viel Arbeit abgewälzt
TMN

Wer zu viel Hilfe anbietet, auf den wird auch viel Arbeit abgewälzt


Die Frau des Kollegen ruft an: "Das Kind ist krank, hat 40 Grad Fieber." Natürlich sagt da der freundliche Mitarbeiter: "Geh nach Hause, wir werden das hier schon regeln." Ein paar Tage später hat eine Kollegin ein Anliegen: Elternsprechtag, und ihr Sohn hat doch so viele Probleme. Selbstverständlich muss sie da hin - sagt der freundliche Mitarbeiter.

Und so geht es weiter: Der eine bleibt länger in der Mittagspause, um ein Geschenk für die Gattin zu kaufen, der andere macht früher Schluss für die Party des besten Freundes - und der wohlmeinende Kollege schiebt irgendwann Überstunden.

Gegenseitige Unterstützung gehört für viele dazu am Arbeitsplatz. Doch die Stimmung im Büro kippt, wenn aus Geben und Nehmen nur noch Geben wird. Häufig ist das gar nicht so leicht zu erkennen. "Probleme entwickeln sich meistens schleichend, sodass ein Gewöhnungseffekt einsetzt", sagt Alexandra Götze, Businesscoach aus Wiesbaden.

Irgendwann ist im Kollegenkreis bekannt, dass Mitarbeiter X immer für alles Verständnis hat. Und genauso schnell spricht es sich herum, dass man die Schichten am Wochenende besonders leicht auf Kollege Y abwälzen kann. Gut für die Nutznießer, dumm für diejenigen, die immer nachgeben. Und sich im Stillen über die Egoisten ärgern, gegen die sie sich nicht wehren können.

Ausnutzen und ausgenutzt werden - zu dem Spiel gehören immer zwei. Einer, der immer fordert und einer, der immer nachgibt. Für viele "Opfer" ist das schwer zu akzeptieren: "Meistens leisten sie selbst einen nicht unerheblichen Beitrag dazu, dass die Grenzen immer mehr verschwimmen", sagt Kerstin Hof, Unternehmensberaterin aus Hamburg.

Wenn aus "ist doch kein Problem" ein Problem geworden ist, sollte sich der Freundliche fragen, warum er immer nachgibt. Vier Tipps:

  • Die eigenen Bedürfnisse analysieren: Wer Grenzen setzen möchte, muss wissen, wo sie liegen. "In welchen Situationen sagen Sie Ja, meinen aber eigentlich Nein?", fragt Susanne Gehring, Job-Coach aus Münster. Reagieren Sie so nur auf bestimmte Personen? Wenn ja, warum? Was befürchten Sie? Sind Kompromisse mit Kollegen möglich?

  • Das Gespräch mit Kollegen suchen: Wer herausgefunden hat, wo die Probleme liegen, sollte anschließend die Kollegen ansprechen, die gerne Arbeit abwälzen. Dafür macht man am besten einen Gesprächstermin, damit der andere Zeit und Ruhe hat. "Es macht die Sache konstruktiver, wenn man eine Lösung anbieten kann", sagt Unternehmensberaterin Hof. Finden die Kollegen keine Lösung, sollte der freundliche Mitarbeiter klare Ansagen machen: "Ich helfe selbstverständlich gern, wenn Not am Mann ist, muss aber natürlich auch an meine Arbeit denken. Wenn es mir zu viel wird, kann ich künftig nicht immer einspringen."

  • Mit dem Vorgesetzten sprechen: Nicht immer sind Gespräche mit Kollegen fruchtbar. Dann bleibt nur die Unterhaltung mit dem Vorgesetzten. Etwa: "Die Abläufe im Team behindern mich bei der Arbeit, daran muss sich etwas ändern." Schwierig wird es natürlich, wenn Mitarbeiter gegenüber dem Chef Grenzen eingestehen müssen. Dann sollten sie signalisieren, dass sie grundsätzlich alles gerne machen würde, dann aber die Qualität leidet und Aufgaben liegenbleiben. Solche Konsequenzen aufzuzeigen, liefere eine gute Grundlage für Veränderungen, so Götze.

  • Konsequent bleiben: Was in der Theorie besprochen wurde, in die Praxis umzusetzen. Das bedeutet im Zweifel Nein sagen, auch wenn es schwerfällt. Susanne Gehring empfiehlt freundliche, aber klare Worte. "Beobachten Sie die Reaktion Ihres Gegenübers." Oft sei diese besser als erwartet.

dpa/sid

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frenchie3 05.08.2015
1. Dolle Lösungen
Der gutmütige Kollege merkt das gar nicht. Und wer sich nicht traut nein zu sagen wird weder Kollegen noch Chef ansprechen. Es gibt eine bewährte Methode: diesen KollegIn selber um Gefallen bitten. Will er (mehrmals) nicht: einfach selbst gute Entschuldigungen erfinden beim nächsten mal. Oder finanzielle/dingliche Gegenleistung fordern und eintreiben. Der/die sucht sich ganz schnell einen anderen Deppen
Oberleerer 05.08.2015
2.
Eigentlich kann man so die Arbeit an sich reißen. Bei den Umstrukturierungen alle 2 Jahre fallen diejenigen Weg, die keine Arbeit mehr selber erledigen.
willibobilli 05.08.2015
3.
warum nicht einfach mit "tut mir leid, da kann ich selbst nicht." antworten?
Halcroves 05.08.2015
4. Gutmütigkeit kommt kurz vor der Liederlichkeit
Beste Beispiel ist der "Ossi" (bin selber einer) - der malocht für weniger, weil er nicht NEIN sagen kann, folglich hat er weniger - die Kaufkraft sinkt und es existiert dann natürlich in der Region eine geringere Wirtschaftsleistung. Die Begründung der Wirtschaftsverbände, um dieses unterschiedliche Lohngefüge bei der Politik durchzusetzen: "Die geringere Wirtschaftsleistung im Osten" Man schafft sich einfach seine eigene Begründung. So ist das eben - es wird immer einen Dummen geben. Und so ist das auch im Büro.
Halcroves 05.08.2015
5. Gutmütigkeit ist ein Teil von der Liederlichkeit
Beste Beispiel ist der "Ossi" (bin selber einer) - der malocht für weniger, weil er nicht NEIN sagen kann, folglich hat er weniger - die Kaufkraft sinkt und es existiert dann natürlich in der Region eine geringere Wirtschaftsleistung. Die Begründung der Wirtschaftsverbände, um dieses unterschiedliche Lohngefüge bei der Politik durchzusetzen: "Die geringere Wirtschaftsleistung im Osten" Man schafft sich einfach seine eigene Begründung. So ist das eben - es wird immer einen Dummen geben. Und so ist das auch im Büro.
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