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Trotz Azubi-Mangels 23.712 Jugendliche haben keine Lehrstelle gefunden

Viele Betriebe finden keine Lehrlinge - aber viele Jugendliche finden auch keine Lehrstelle. Die Zahl der vergeblichen Bewerber hat sich seit 2010 verdoppelt. Warum bleiben so viele Ausbildungsplätze leer?

Klagen über den Azubi-Mangel sind allgegenwärtig. Doch noch immer gibt es in Deutschland mehr Bewerber als Ausbildungsplätze. Die Zahl der Jugendlichen, die zwischen Oktober 2016 und September 2017 über die Bundesagentur für Arbeit vergeblich einen Ausbildungsplatz gesucht haben, hat sich seit 2010 sogar verdoppelt.

Wurden 2010/11 in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit noch 11.344 "unversorgte Bewerber" ausgewiesen, stieg deren Zahl 2016/17 auf 23.712. Das geht aus einer Antwort der Bundesagentur auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor.

Die Zahl der Bewerber, die Absagen kassiert haben, dürfte noch deutlich höher liegen, denn viele tauchen in der Statistik gar nicht auf - so zum Beispiel Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, aber als Alternative vorerst ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Praktikum machen oder in eine Fördermaßnahme gesteckt wurden.

Erst vor wenigen Tagen hatte eine andere Meldung für Schlagzeilen gesorgt: Jeder dritte Betrieb in Deutschland findet keine Lehrlinge, hatte eine Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags gezeigt. 34 Prozent der befragten Firmen hatten angegeben, dass sie 2017 ihre Lehrstellen nicht besetzen konnten. Und jede zehnte Firma klagte, sie habe auf ihre ausgeschriebenen Ausbildungsplätze keine einzige Bewerbung erhalten.

Sie machen gerade selbst eine Ausbildung oder haben sich vergeblich um einen Ausbildungsplatz bemüht?

Alle reden vom Azubi-Mangel, aber Sie haben auf Ihre Bewerbungen nur Absagen bekommen? Sie sind enthusiastisch in die Ausbildung gestartet, wurden aber enttäuscht? Berichten Sie uns hier  per E-Mail Ihre Erfahrungen.

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Arbeitsmarktanalysten haben für das Dilemma ein bürokratisches Wort gefunden: Passungsprobleme. Es umfasst alles, was nicht passen kann zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern: Mal ist es der Ort, mal sind es die Noten - und manchmal auch einfach die Interessen. Wer Tierpfleger oder Mediengestalter werden will, schwenkt nicht plötzlich auf Restaurantfachmann oder Fleischer um.

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Aber auch viele Unternehmer sind wählerisch. Das Bundesinstitut für Berufsbildung listet in seinem Berufsbildungsbericht drei Merkmale auf, die "erfahrungsgemäß eine Vermittlung in Ausbildung eher erschweren": Ein Alter von mehr als 20 Jahren. Eine ausländische Staatsangehörigkeit. Und ein Hauptschulabschluss.

Immerhin: Setzt man die Zahl der 2017 abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse in Relation zu den rückläufigen Schülerzahlen, ergibt sich sogar ein Plus an Lehrlingen - weil sich immer mehr Studienabbrecher für eine Ausbildung entscheiden und Betriebe sich zunehmend auch um lernschwächere Jugendliche und Geflüchtete bemühen.

Im Berufsausbildungsbericht findet sich eine sehr einleuchtende Idee, wie man dem Azubi-Mangel weiter entgegenwirken könnte: "durch Attraktivitätssteigerungen der entsprechenden Ausbildungen/Berufe". Und was attraktiver werden könnte, wird auch gleich aufgezählt: die Ausbildungsvergütung, die Arbeitszeiten. Und die Weiterbildungsperspektiven.

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