Kritik der Hochschulrektoren Umbenennung von Berufsabschlüssen stiftet "Konfusion"

Der Meister wird zum "Bachelor Professional", der Betriebswirt zum "Master Professional in Betriebswirtschaft". So will es Bildungsministerin Karliczek. Die Konferenz der Hochschulrektoren protestiert.

Handwerksmeister könnten durch die Neuauflage des Gesetzes zu "Bachelor Professionals" werden
imago images/Marius Schwarz

Handwerksmeister könnten durch die Neuauflage des Gesetzes zu "Bachelor Professionals" werden


Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat die von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) durchgesetzte Umbenennung beruflicher Abschlüsse kritisiert. "Die geplanten neuen Bezeichnungen für berufliche Abschlüsse dürfen so nicht stehen bleiben", sagte HRK-Präsident André Alt.

Das Bundeskabinett hatte zuvor einer entsprechenden Gesetzesnovelle zugestimmt. Karliczek hatte im Rahmen einer Neuauflage des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) für neue Bezeichnungen bei drei "Fortbildungsstufen" plädiert. Der nun durch das Kabinett bestätigte Vorschlag des Ministeriums sieht vor, die Berufe entsprechend den nötigen Qualifikationen mit neuen Namen zu versehen.

Für die erste Fortbildungsstufe soll künftig die Bezeichnung "Geprüfter Berufsspezialist" gelten. Ein Servicetechniker wird so zum "Geprüften Berufsspezialisten für Servicetechnik". Auf der zweiten Stufe wird aus dem Meister ein "Bachelor Professional".

Auch andere, nicht handwerkliche Berufe sollen neu bezeichnet werden. Ein Prozessmanager wird etwa zum "Bachelor Professional in Prozessmanagement". Die "bewährte Berufsbezeichnung" Meister solle nicht verdrängt, sondern gestärkt werden, hieß es vom Ministerium.

Berufe der dritten Fortbildungsstufe sollen künftig als "Master Professional" bezeichnet werden. Betriebswirte würden so künftig "Master Professional in Betriebswirtschaft " genannt. Der Vorstoß soll dem Ministerium zufolge die internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse verbessern und die Berufe attraktiver machen. Man wolle deutlich machen, dass die Abschlüsse der beruflichen Fortbildung den Hochschulabschlüssen "gleichwertig" sind. Eine Differenzierung zu den Hochschultiteln sei dabei "ausreichend" gewährleistet.

Die Rektorenkonferenz sieht das anders. Auch wenn die neuen Titel nur als Zusatzbezeichnungen dienen sollen, ändere das nichts an der "Konfusion, die angerichtet wird", so Alt. Die Abschlussbezeichnungen müssten eindeutig sein.

Die "Nachahmung hochschulischer Abschlussbezeichnungen" konterkariere das Bemühen, den Stellenwert der Berufsausbildungen zu stärken. Alt sagte, die vom Kabinett verabschiedete Novelle müsse entsprechend überarbeitet werden.

Gesetzesnovelle betrifft auch Azubi-Gehälter

Die Neuerungen sollen ab dem Jahr 2020 gelten. Dann soll außerdem eine bundesweite Mindestvergütung für Auszubildende eingeführt werden. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch einen entsprechenden Gesetzentwurf. Demnach sollen Azubis im ersten Jahr mindestens 515 Euro pro Monat erhalten, in den weiteren Ausbildungsjahren soll die Vergütung dann prozentual ansteigen.

Der Haken an der Sache: Tarifbindungen einzelner Betriebe haben laut der Gesetzesnovelle "immer Vorrang vor der Mindestvergütung". Sie wird damit auch weiterhin nicht für alle Auszubildenden gelten.

Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit verdienten Ende 2017 fast 65.000 Azubis in Deutschland weniger als 400 Euro im Monat, weitere 50.000 unter 500 Euro - zusammen mehr als sieben Prozent aller Auszubildenden. Betroffenen waren etwa Raumausstatter-Lehrlinge, angehende Schornsteinfeger oder Friseure. Letztere verdienten in den ostdeutschen Bundesländern zuletzt durchschnittlich nur 325 Euro im Monat - deutlich weniger als durch den neuen Mindestlohn vorgesehen.

fek/dpa



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posenuckel 15.05.2019
1.
Als wenn wir keine anderen Sorgen haben, als seltsame Berufsbezeichnungen zu erfinden.
felisconcolor 15.05.2019
2. Man
schafft es ja nicht einmal den, wie Brüssel angeordnet hat, den staatlich geprüften Techniker dem Bachelor gleichzustellen. Was im öffentlichen Dienst dazu führt das der Bachelor im gehobenen Dienst eingestellt wird, dem Techniker aber diese Besoldungsgruppe verschlossen bleibt. Trotz weitaus qualifizierterer Ausbildung. Nur zum Vergleich, Bachelor benötigt Abitur, zwei Jahre verschultes Studium, der Techniker min. Realschulreife plus Berufsausbildung und insgesamt 5 Jahre praktische Erfahrung und der 2 jährige Besuch einer anerkannten Technikerschule (privat od. staatl.). Danke für die Unterstützung bei der beruflichen Fortbildung, also für nichts.
Profdoc1 15.05.2019
3. Die Dame
im BMBF hat nicht mehr alle Bestecke in der Schublade..... Wir haben ein klare Teilung in den Abschlüssen. Die sind gleichwertig, aber nicht gleichartig. Ein intendierte Vermischung zwischen den Abschlüssen ist deshalb kontraproduktiv und nützt den Menschen in der Berufsausbildung (Facharbeiter, Meister (w/m/d), ...) nichts, Im Gegenteil, sie müssen später erklären, warum z.B. ihr "Master" eben keiner ist. Peinlich! Unter diesen Umständen sollten die Hochschulen wieder zurückgehen zum Magister, Diplom, Dipl.-Ing., etc. Wir über lassen dann herzlich gerne den "Bachelor" und "Master" der Berufsausbildung, wobei der Fachinformatiker oder der Malermeister als Bezeichung immer noch sehr 'ehrenvoll' ist.
Newspeak 15.05.2019
4. ...
Was soll der Unsinn? Solche Umbenennungen sind doch reine Kosmetik. Es aendert sich dabei rein gar nichts an den Berufen, ausser vielleicht, dass Schulabgaenger gar nicht mehr wissen, wie sich ein Beruf nennt, den sie ergreifen koennten. Und nein, Berufsausbildung und Hochschulabschluss sind NICHT gleichwertig. Wieso sollten sie auch? Es hat einen Grund, warum man unser Ausbildungssystem dual nennt. Berufsausbildungen sind praxisorientiert, Hochschulstudien eher theoretisch, beides erfordert voellig unterschiedliche Faehigkeiten und Interessen, beides ist formal sehr unterschiedlich. Wieso soll jemand, der nur drei Jahre eine Ausbildung auf relativ weniger anspruchsvollem Niveau macht (das ist intellektuell zu verstehen, nicht als Wertung, die Mehrheit der Akademiker ist umgekehrt auch nicht fuer eine Berufsausbildung geeignet) mit jemandem gleichgestellt werden, der mindestens 5 Jahre studiert und dann evtl. noch mal drei Jahre promoviert? Ob sich die Bildungsministerin bewusst ist, dass sie mit ihrem Vorhaben eigentlich nur ihre Geringschaetzung akademischer Ausbildung ausdrueckt? Und wieso will man eigentlich denselben Fehler zweimal machen? Schon bei der Bologna Einfuehrung von Bachelor und Master hiess es, dies diene der internationalen Vereinheitlichung. Nur dass es jetzt so ist, dass man diese Abschluesse nicht einmal mehr innerhalb Deutschlands vergleichen kann. Ganz zu schweigen davon, dass kein anderes Land sein Ausbildungssystem an andere Staaten angepasst hat, ausser uns, ungefragt und stuemperisch umgesetzt.
Ein Stein! 15.05.2019
5. Bei solch kreativen Berufsbezeichnungen
muss ich immer sofort an den "Front-Office-Manager-im Face-toFace-Marketing" denken! Was das ist? Wird von Günter Grünwald, einem Komiker und Kabarettisten aus Ingolstadt, gut erklärt. https://www.youtube.com/watch?v=-HcrfGlCC0c&t=7s Auch seine Beurteilung des Ganzen, letzter Satz im Clip und Titel desselben, teile ich uneingeschränkt!
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