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Arbeitsmarkt Zahl der Azubis erreicht neues Tief

In Deutschland werden in diesem Jahr so wenige Jugendliche ausgebildet wie zuletzt 2016. Doch manche Berufe trotzen dem Trend.
Nur noch wenige wollen Köchin oder Koch werden

Nur noch wenige wollen Köchin oder Koch werden

Foto: Maskot / Getty Images

Lehrlinge auszubilden fällt vielen Unternehmen in Zeiten der Coronakrise schwer. In vielen Betrieben fehlte der Nachwuchs allerdings schon vor der Krise. Die Zahl der Ausbildungsanfänger in Deutschland ist im vergangenen Jahr wieder gesunken. 513.300 Menschen haben 2019 eine Lehre begonnen, das entspricht einem Rückgang von 1,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilt 

Vor allem in der Gastronomie, Hotellerie, im Tourismus und im Einzelhandel wurden weniger Ausbildungsverträge geschlossen - und zwar 28 Prozent weniger als im Jahr 2010. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Durchschnitt: In allen dualen Ausbildungsberufen wurden insgesamt acht Prozent weniger Neuverträge als noch vor zehn Jahren abgeschlossen. 

Erneut bestätigte sich 2019 der Trend, dass junge Frauen immer seltener eine duale Ausbildung machen. Ihr Anteil an den neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnissen betrug 36,5 Prozent. Vor zehn Jahren waren es noch 42,6 Prozent gewesen.

201.000 unbesetzte Ausbildungsplätze

Grundsätzlich geht die Zahl der Ausbildungsverträge seit Jahren zurück. Noch weniger Verträge als 2019 kamen nur 2016 zustande; damals fingen knapp 510.000 Menschen eine Lehre an. 2017 und 2018 hatten insbesondere Bewerber aus Asylherkunftsländern für ein leichtes Plus der Neuverträge gesorgt.

Kauffrau oder Kaufmann im Einzelhandel ist der Ausbildungsberuf, in dem die meisten Verträge im vergangenen Jahr neu abgeschlossen wurden (26.000 Neuabschlüsse). Ein Zeitvergleich offenbart allerdings auch in diesem Beruf einen überdurchschnittlichen Rückgang der Azubis: Noch vor zehn Jahren gab es 22 Prozent mehr angehende Kaufleute im Einzelhandel.

An Ausbildungsstellen mangelt es nicht, auch aktuell nicht. Mehr als 38.000 und damit fast jede fünfte unbesetzte Ausbildungsstelle in Deutschland ist laut Bundesagentur für Arbeit im Einzelhandel oder Verkauf angesiedelt (Stand: Juli 2020). Und fast 30.000, also 15 Prozent der insgesamt 201.000 unbesetzten Ausbildungsstellen entfallen auf die Berufsausbildung "Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel" und "Verkäufer/-in". Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden rund 48.000 Neuverträge in diesen beiden Berufen abgeschlossen. 

45 Prozent weniger Koch-Azubis als 2010

Deutlich rückläufig sind die Lehrlingszahlen auch in der Gastronomie, Hotellerie und im Tourismus. Die Zahl angehender Köche sank im Vergleich zu 2010 sogar um 45,3 Prozent - und das schon vor der Coronakrise. Der Beruf Koch/Köchin gehört ebenfalls zu den Top Ten der unbesetzten Ausbildungsstellen (Platz 7), die die Bundesagentur für Arbeit im Juli 2020 veröffentlicht hat. Demnach waren zu diesem Zeitpunkt noch 4429 Stellen unbesetzt.  

Zu den wenigen Ausbildungsberufen mit gestiegener Nachfrage gehören die Fachinformatiker mit einem Plus von 8,4 Prozent zum Vorjahr.

vet/flg/dpa
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