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Arbeitsmarkt Jeder dritte Betrieb hat unbesetzte Ausbildungsplätze

Deutsche Unternehmen finden wieder mehr Auszubildende. Trotzdem bleiben viele Stellen frei - laut einem Report des Branchenverbands DIHK liegt das auch an einem Mangel an qualifizierten Bewerbern.
Foto: imago/Westend61

Unternehmen in Deutschland haben weiter große Probleme, Ausbildungsplätze zu besetzen. In rund jedem dritten Unternehmen bleiben Stellen unbesetzt. Das zeigt der Ausbildungsreport 2019 der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).

Im vergangenen Jahr stellten Betriebe allerdings insgesamt mehr Azubis ein als noch 2017. "Trotz der demografischen Entwicklung und der Studienneigung vieler junger Menschen ist der Abwärtstrend bei den Ausbildungsverträgen vorerst gestoppt", sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks.

Rund 12.500 Unternehmen hatten sich im Mai an der Onlinebefragung beteiligt. Demnach verbesserte sich die Ausbildungssituation leicht. Für das Jahr 2017 hatte noch jedes zehnte Unternehmen angegeben, keine einzige Bewerbung auf die ausgeschriebenen Stellen erhalten zu haben. 34 Prozent der befragten Betriebe meldeten, nicht alle Ausbildungsplätze besetzen zu können - so viele wie noch nie. Für das Jahr 2018 verbesserte sich dieser Wert auf 32 Prozent. Im Juli waren laut der Bundesagentur für Arbeit noch rund 200.000 Ausbildungsstellen unbesetzt.

In einigen Branchen zeigt sich erstmals eine Trendwende: Im Baugewerbe etwa gaben nur noch 37 Prozent der Betriebe an, nicht alle Ausbildungsplätze besetzt zu haben. 2017 waren es noch 45 Prozent. Auch in den Pflege- und Gesundheitsberufen verbesserte sich die Situation deutlich von 27 auf 21 Prozent.

Zu dem positiven Trend tragen auch Geflüchtete bei, die in Deutschland eine Ausbildung beginnen. Laut der Umfrage bilden rund 16 Prozent der Unternehmen derzeit Flüchtlinge aus. Hochgerechnet bedeute dies, dass momentan rund 25.000 Geflüchtete in einer Ausbildung in einem IHK-Betrieb seien, teilte die DIHK mit. Besonders in der Gastronomie, dem Bau- und Verkehrsgewerbe hätten die Betriebe besonders viele Geflüchtete eingestellt.

Unternehmen müssten sich inzwischen aktiv um den Fachkräftenachwuchs bemühen, heißt es in der Studie. "Wer nicht wirbt, geht immer häufiger leer aus", schreiben die Wissenschaftler. Große Betriebe seien darauf oft besser eingestellt, weil sie über Personalabteilungen und Azubi-Marketing-Budgets verfügten.

Aus Sicht der Unternehmen ist weiterhin problematisch, dass sie oftmals keine geeigneten Bewerbungen erhielten. Mehr als zwei Drittel der befragten Betriebe gaben dies als Begründung dafür an, warum sie ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen konnten. Auch 2018 erhielt knapp ein Drittel gar keine Bewerbungen für die ausgeschriebenen Stellen.

Die Gründe dafür, dass nicht jede Ausbildungsstelle besetzt wird, sind vielfältig: Arbeitsmarktanalysten sprechen von Passungsproblemen - wenn etwa wenige Jugendliche in einer bestimmten Region leben, wenn diese nicht die geforderten Noten haben oder kein Interesse an bestimmten Berufen. Wer Tierpfleger oder Mediengestalter werden will, schwenkt nicht plötzlich auf Restaurantfachmann oder Fleischer um. Häufig haben auch die Unternehmen selbst sehr hohe Erwartungen an die Bewerber. Trotz Azubi-Mangel fanden im Jahr 2017 über 23.000 Jugendliche keine Lehrstelle.

lmd/Reuters
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