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Butlerschule in Wien: Kochen, putzen, packen

Foto: NDR/ Annemarie Aldag/ DPA

Butlerschule in Wien "Vergessen Sie bloß nicht den Lieblingspulli"

Sie bügeln Unterhosen, rubbeln Flecken aus Limousinensitzen und entschuldigen sich, wenn es nichts zu entschuldigen gibt. In einer Wiener Schule lernen künftige Butler, wie man im Dienst der Reichen besteht. Und als Haushälterin mit Extrawissen 5000 Euro netto verdient.
Von Ania Haar

"Ich fliege für zwei Tage weg, packen Sie meinen Koffer!" Für Gerald Horalek, 31, ist das eine typische Arbeitsanweisung. Zehn Jahre lang hat er in verschiedenen Haushalten als Butler gearbeitet, Koffer gepackt, teure Ölbilder abgestaubt oder auch mal Rucolasalat einfliegen lassen. Jetzt unterrichtet er im Trainingsinstitut "Miss Perfect" in Wien den Nachwuchs. Und der ist deutlich älter als er selbst.

Das Durchschnittsalter seiner fünf Schülerinnen liegt bei 42 Jahren. Das ist kein Zufall: Als Haushälterinnen für die oberen Zehntausend sind vor allem Menschen gefragt, die ihre Familienplanung schon abgeschlossen haben und rund um die Uhr verfügbar sind. So wie Birgit Anzely, 45. Die gelernte Marketingassistentin arbeitet schon seit vier Jahren als Haushälterin. Als ihr Chef kurzfristig von ihr verlangte, dass sie ihren Urlaub storniert, zögerte sie keine Sekunde.

2472 Euro zahlt Anzely für die Zusatzausbildung zum Butler. In elf Wochen will sie lernen, wie man Rotweinflecken entfernt, eine Limousine reinigt, einem Mann in den Frack hilft, Privatjets bucht oder Orchideen zum Blühen bringt. Sie hofft, dass sich ihr Gehalt dadurch verdoppelt.

Das Einstiegsgehalt für Haushälterinnen liegt in Österreich bei rund 2500 Euro brutto pro Monat. Als Butler könne man 5000 Euro netto verlangen, verspricht Institutsleiterin Claudia Schlegel: "Ich habe mehr Anfragen von Familien als Personal, das ich ausbilden kann." Auch viele Deutsche melden sich bei ihr auf der Suche nach Haushälterinnen, erzählt sie. Die österreichische Dienstleistungskultur habe wohl einen guten Ruf, zudem fehle in beiden Ländern qualifiziertes Haushaltspersonal.

Luxus-Quiz

So kam es auch zur Idee mit der Butlerschule: "Ich habe im Bekanntenkreis immer wieder Beschwerden gehört." Einmal habe die Haushaltshilfe mit einem falschen Mittel das Marmor poliert - und ruiniert. Ein anderes Mal wurde eine weiße Hose zusammen mit einer roten Bluse gewaschen. Rosa mag nicht jeder.

Traditionell übernimmt ein Butler das Servieren, eine Haushälterin das Kochen und Putzen. Doch die Grenzen zwischen den Berufen verschwimmen. Den Aufgabenbereich definiert ohnehin der Arbeitgeber. Manche Haushälterinnen sind für Kochen, Putzen, Waschen, Bügeln und die Kinderbetreuung zuständig, andere sollen sich um den Fuhrpark oder den Umbau des Ferienhauses kümmern, oder sie haben gleich ein ganzes Mitarbeiterteam unter sich.

Sonderbarer Rat: Handwerker notfalls einsperren

Damit Anzely und ihre Mitschülerinnen für alle Aufgaben gut gerüstet sind, üben sie bei "Miss Perfect" sicherheitshalber auch das Packen. "Beim ersten Kofferpacken müssen Sie sich unbedingt Checklisten machen, was wichtig ist und was nicht, damit Sie im Stress den Lieblingspulli ihres Dienstgebers nicht vergessen", sagt Butler Horalek. Birgit Anzely nickt und notiert.

"Und wie macht man das mit den Handwerkern?" Auch darauf weiß Horalek eine Antwort: "Die Schuhe müssen ausgezogen werden. Handwerker nie allein im Raum lassen, auch wenn Sie drei Stunden dabei sein müssen. Geht das nicht: Telefon in die Hand drücken und Tür zusperren. Ist nachher etwas weg, sind Sie nämlich verantwortlich."

Beim Butlerberuf drehe sich alles ums Wünsche erfüllen, sagt Institutsleiterin Schlegel. Dazu gehöre auch, ein Hemd mehrmals hintereinander zu bügeln; so lange, bis es in den Augen des Chefs perfekt ist. "Man muss sich oft für Sachen entschuldigen, die zwar richtig sind, aber in dem Moment falsch, weil der Dienstgeber einen schlechten Tag hat", bestätigt Horalek.

In der Ausbildung bleibt es nicht bei der Theorie, es wird auch kräftig geputzt. Die zu reinigenden Wohnungen gehören Freunden und Bekannten von Schlegel. Je dreckiger, desto besser. "Mir ist recht, wenn es viel zu tun gibt", sagt die Schulleiterin. Geld bekommen ihre Schützlinge dafür nicht - das Putzen ist Teil des Unterrichts. So sollen die angehenden Haushälterinnen "ihre Scheu vor hochwertigen Materialien verlieren". Gegen Schäden sind sie versichert.

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