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Fluent English Ein Notfallköfferchen mit Vokabeln

Wunden gibt es immer wieder. Aber schon auf Deutsch ist es schwer, einem Arzt Schmerzen genau zu beschreiben. Wie dann erst auf Englisch? Peter Littger hat einen Erste-Hilfe-Kasten mit den wichtigsten Ausdrücken parat.
TV-Serie "Emergency Room": Aua! - Say it in in English, please!

TV-Serie "Emergency Room": Aua! - Say it in in English, please!

Foto: ipol nbc/ picture alliance / dpa

Je mehr ich hier über unser verflixtes Alltagsenglisch schreibe, desto häufiger bekomme ich Post von Leuten, die es noch etwas besser wissen - weisenheimers, as they are called in English.

Die einen scheinen zu glauben, Englisch sei gar nicht mehr der Rede wert - weil wer spricht schon Englisch? (Achtung, englischer Satzbau! Hier schlägt selbst meine Autokorrektur Alarm.) Demnach ist Deutsch immer wichtiger und Englisch immer unwichtiger. Jürgen, ein Mann aus Mannheim, wünschte sich allen Ernstes, wir sollten Deutsch mehr back to the roots sprechen.

Eine zweite Gruppe, zumeist Sprachwissenschaftler, findet diese Kolumne langweilig; ich würde bloß Nichtigkeiten zu Problemen im deutsch-englischen Dialog aufbauschen, die gar keine sind. Dabei sind weder Comedy noch der Weltuntergang hier der Maßstab. Es geht lediglich um ebenso amüsante wie bereichernde Sprachverwirrungen, die unsere englischen Gesprächspartner ab und zu sprachlos machen.

Verstehe nur Bahnhof

Zum Beispiel jener Moment, von dem neulich ein Chefarzt in der Göttinger Uniklinik erzählte: Er hatte einen Kollegen aus England zu Besuch und wollte mit ihm auf "die Station" gehen, um die Patienten zu besuchen. Also schlug er vor: "Now let's go to the Station."

Sprachtest: Can you English?

Verdutzt blickte ihn sein Gast an - he was flabbergasted. Wieso zum Bahnhof? Wollte man nicht an die Betten? Besser hätte der deutsche Arzt sagen können: "Let's go to the ward" oder einfach "Let's see the patients". Die direkte Übersetzung der "Station" war hingegen genauso unverständlich, wie einen "Halbgott in Weiß" als "halfgod in white" zu bezeichnen. Klar, kein Weltuntergang. Aber ich bin überzeugt, dass es genau diese Art der Versprecher ist (slips oder gaffes), die uns das Leben im englischsprachigen Alltag schwerer machen.

Besonders dann, wenn man wirklich krank oder verletzt ist. Der Arzt aus Göttingen erinnerte mich daran, wie ich vor einem Jahr in einem New Yorker Krankenhaus gelandet war. Mein Sohn war in einem Spielzeuggeschäft am Times Square die Rolltreppe gegen die Fahrtrichtung hinaufgelaufen und hatte sich das Schienbein aufgeschlagen. "He cut his shin" - der Satz war noch für Einsteiger.

Wie in "Emergency Room", nur ohne Text

Dann stand auf einmal John vor uns: Er war ein Rettungssanitäter (an ambulance man), und er hatte eine Trage, a stretcher, in den USA auch gurney genannt. John stellte sich kurz vor und fragte: "Any noticeable sensations?" Mein Sohn schaute mich mit schmerzverzerrtem und ratlosem Gesicht an: "Es zieht. Es sticht. Es pocht." Und ich fragte mich, wie man das alles nun auf Englisch sagt.

Ich dachte nach und kam mir vor, als treten wir in einer Folge der Serie "Emergency Room" auf, ohne den Text zu kennen. John fragte: "Is your boy alright? Any pang?"

Fluent English im Video

Pang! Das Wort war wie ein Stromschlag, der meinen Vokabelschatz reaktivierte. Es fuhr so tief in mich, wie Schmerzen es manchmal tun - pang! Man sagt zum Beispiel: "It felt like a pang in my heart" - ein tiefer Schmerz im Herzen. Auch kann pang einen Seelen- und Gefühlsschmerz ausdrücken: "The memory of my uncle falling off the cliff came back to me with a pang." Pang sollte in keinem aktiven englischen Wortschatz fehlen.

Meine Ladehemmung (mental block) war vorüber, es schoss aus mir heraus - I fired away: "Yes, my son has a pang. His foot feels warm from inside. The shin prickles. And it's throbbing and tickling. And the pain is dragging into his foot."

Mein Sohn schaute mich mit großen Augen an. Jetzt lachte er wieder und da er sein Bein für einen Moment vergessen konnte, ging es ihm nicht allzu schlecht. Doch eines war auch klar: Die Wunde musste genäht werden - the wound needed stitching.

Nach diesem Erlebnis habe ich einen Erste-Hilfe-Koffer mit den besten englischen Schmerzausdrücken gepackt, die man auf jeder Reise gebrauchen kann. Lesen Sie selbst:

  • It's prickling | it prickles | I have a prickling sensation - Es kribbelt. Auch: Es kratzt. (Sagen Sie "to scratch" nur, wenn Sie sich selber kratzen: "I scratch myself." Wenn es im Hals kratzt, sagt man: "My throat feels rough.")
  • I have got a numb feeling | sensation - Ich habe ein taubes Gefühl. Ähnlich wie: "I hardly feel anything."
  • It's tingling | it tingles - Es kribbelt, schon wieder. Diesmal geht es etwas mehr ins Kitzeln. Vielleicht, wenn eine Wunde heilt.
  • It's tickling | it tickles - Wenn es wirklich nur kitzelt.
  • It's like pins and needles - Noch einmal: Ich spüre ein Kribbeln. Und wenn der Fuß einschläft: "I have got pins and needles in my foot."
  • It's itching | it itches | I have an itching sensation - Es juckt.
  • It's burning | it burns | I have a burning sensation - Es brennt.
  • It's smarting | it smarts - Es brennt. Ähnlich wie "it's sore": Es brennt, es ist wund.
  • It's biting | it bites - Es brennt.
  • It's throbbing | it throbs | throbbing sensation - Es pocht.
  • I've got sharp pain(s) - Ich habe einen stechenden Schmerz. Die Mehrzahl klingt besser. Aber sagen Sie nicht a pain. Sie können auch in pain sein: "I am in great pain." (klingt schlimm!)
  • I've got dull pain(s) - Ich habe einen dumpfen Schmerz.
  • I've got nagging pain(s) - Ich habe einen bohrenden Schmerz.
  • I've got dragging pain(s) - Ich habe ziehende Schmerzen.
  • It's piercing | I have got piercing pain(s) - Ich habe einen stechenden/bohrenden Schmerz.
  • It's stinging | it stings | I have got stinging pain(s) - Ich habe einen stechenden, beißenden Schmerz.

Das vollständige Kapitel "Der Englisch Patient" können Sie nachlesen im Buch "The Devil lies in the Detail - Lustiges uns Lehrreiches über unsere Lieblingsfremdsprache" .

Zum Autor
Foto: Timm Kölln

Kolumnist Peter Littger (Jahrgang 1973) beschäftigte sich schon als Schüler in einem britischen Internat mit den Herausforderungen des englischen Sprachraums - und mit den eigenen sprachlichen Unzulänglichkeiten.

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