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Expats über Deutschland Zum Arbeiten top, zum Leben flop

Mit ihrer Arbeit sind ausländische Fachkräfte in Deutschland sehr zufrieden. Aber es fällt ihnen schwer, Freunde zu finden, zeigt eine Studie. In einem Punkt halten Expats die Bundesrepublik sogar für ein Entwicklungsland.
Foto: Thomas Barwick/ Getty Images

Für ausländische Fachkräfte ist Deutschland ein guter Ort zum Arbeiten. Aber besonders willkommen fühlen sie sich bei uns nicht. Dies sind die zentralen Ergebnisse der bislang unveröffentlichten Studie "Expat Insider 2019" von InterNations. Die befragten Expats nehmen die Deutschen demnach als unterkühlt und nicht kinderfreundlich wahr.

Für die Studie befragte das soziale Netzwerk für Expatriates mehr als 20.000 Menschen aus 180 Nationen über ihre Meinung zum Leben und Arbeiten in 64 Gastländern rund um den Globus. Die Antworten wurden in sechs Kategorien gebündelt:

  • Lebensqualität
  • Familienleben
  • Finanzen
  • Kosten
  • Arbeitsleben
  • Eingewöhnung

Am zufriedensten sind die begehrten Expats in Taiwan, Vietnam, Portugal, Mexiko und Spanien. Ganz hinten: Nigeria, Italien und Kuwait. Deutschland liegt bei der Beliebtheit im Mittelfeld: Rang 33 unter 64 Ländern. Die Ergebnisse in den einzelnen Kategorien klaffen aber extrem auseinander:

Beim Arbeitsleben belegt die Bundesrepublik Platz vier, bei Eingewöhnung hingegen Platz 59. Bei der Digitalisierung, einer Unterkategorie von Lebensqualität, ist Deutschland aus Sicht der ausländischen Fachkräfte ein Entwicklungsland: Rang 55.

"Expats in Deutschland schätzen die Arbeitsplatzbedingungen, die Jobsicherheit und die vergleichsweise geringe Arbeitszeit", sagt Kathrin Chudoba, Leiterin der Studie, "Aber wenn es ums Einleben geht, fühlen sich die Menschen bei uns nicht so abgeholt." Dies habe sich schon bei vorherigen Studien gezeigt.

InterNations erstellt das Ranking seit 2014. Damals belegte Deutschland noch Platz 12; 2018 kam es nur noch auf den 36. Rang.

Die wichtigsten Ergebnisse im Detail:

Wirtschaftslage: Damit sind die hiesigen Expats am zufriedensten. 90 Prozent sehen sie positiv, 72 Prozent halten ihren Arbeitsplatz für sicher. Nur Luxemburg erhält noch höhere Werte.

Bildungs- und Gesundheitssystem: Beides wird hochgeschätzt, vor allem die kostenlosen öffentlichen Schulen oder die vergleichsweise erschwinglichen Privatschulen.

Deutsche und Freundlichkeit: Mäßige bis miserable Noten bekommt die Bundesrepublik bei Fragen, in denen es um Freundlichkeit der Einheimischen und die Kontaktaufnahme zu ihnen geht. So bezeichnen lediglich 52 Prozent der Expats in Deutschland die heimische Bevölkerung als insgesamt freundlich - im weltweiten Durchschnitt liegt dieser Wert bei 68 Prozent.

Und nur 12 Prozent (global 27 Prozent) sind der Meinung, dass die Deutschen gegenüber ausländischen Mitbewohnern sehr freundlich sind. Auch die Einstellung der Einheimischen gegenüber Kindern wird schlecht bewertet. "Die Deutschen sind Ausländern gegenüber nicht wirklich aufgeschlossen", urteilte einer der Befragten aus Mexiko. "Sie sagen zwar, dass sie diese integrieren möchten, aber meistens geschieht es dann doch nicht."

"Freunde finden": In dieser Unterkategorie rangiert die Bundesrepublik auf dem sechstletzten Platz. 55 Prozent sagen, es sei schwer, sich mit Deutschen anzufreunden. "Wenn man nicht mehr unter 30 ist und keinen deutschen Partner hat, ist es zumeist schwierig, in Deutschland Freunde zu finden", sagte eine US-Amerikanerin, die in Deutschland arbeitet. "Die Leute hier haben bereits ihren festen Freundeskreis und akzeptieren oft keine anderen." Als ein besonderes Hindernis wird der Umfrage zufolge die deutsche Sprache wahrgenommen.

Digitale Infrastruktur: Ein miserables Zeugnis stellen die Expats den deutschen Telekommunikationsanbietern aus. Beim Zugang zum Internet und Mobilfunk rangiert Deutschland in den Flop Ten. Und wenn es ums digitale Bezahlen geht, landet die Bundesrepublik sogar auf dem vorletzten Platz. Schlechter ist es aus Sicht der Expats nur noch in Ecuador.

Eine Befragte aus Namibia erklärte: "Wenn es um Zugang zu digitaler Infrastruktur (vor allem Internet und Onlinebanking) geht, befindet sich Deutschland leider noch in der Steinzeit."

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