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Stellmacher: Ich zimmere dir einen Oldtimer

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Aussterbende Berufe Warum Theo Malchus hölzerne Autos baut

Der Braunschweiger Theo Malchus ist Stellmacher. Was das ist? Ein Beruf, den es seit 45 Jahren offiziell gar nicht mehr gibt. Darum musste Malchus seine Auszubildende auch im Fernsehen suchen. Er baut Oldtimer-Karossen aus Holz. Und auf Wunsch auch mal einen Sarg in Form einer Corvette.

Theo Malchus, 51, arbeitet in einem Beruf, der eigentlich als ausgestorben gilt: Er ist Stellmacher - und baut hölzerne Fahrgestelle für Oldtimer. Obwohl es den Beruf offiziell seit 1965 nicht mehr gibt, kann sich Malchus über eine mangelnde Auftragslage nicht beschweren. In seiner Werkstatt, die er mit zwei Tischlern in Braunschweig führt, ist immer etwas los.

Private Sammler, Museen oder Automobilfirmen bringen ihre Schätze aus ganz Deutschland zu Malchus, damit er den oft schrottreifen Wagen neues Leben einhaucht. Eine komplette Holzkarosse baute er etwa für einen Skoda 645 aus dem Baujahr 1930, ein Fahrerhaus für einen Büssing-Lkw aus dem Jahr 1952. "Davon gibt es weltweit nur noch drei Stück", sagt Malchus.

Weil es von derart alten Fahrzeugen keine Konstruktionszeichnungen mehr gibt, ist Malchus auf sein Geschick angewiesen. Bei jedem neuen Auftrag nimmt er zuerst Maß und fertigt Schablonen für die benötigten Holzteile an. "Ich arbeite praktisch umgekehrt im Vergleich zu den Stellmachern von früher", sagt er.

Als Autodidakt zum neuen Beruf

Das Stellmacherhandwerk hat sich Malchus selbst beigebracht, studiert hat er Kunststofftechnik, obwohl er sich schon immer für Holz interessierte. Ende der achtziger Jahre bat ihn ein Freund um Hilfe beim Restaurieren eines alten Lkw-Fahrerhauses. Malchus wälzte alte Bücher, besuchte die wenigen Stellmacher, die es noch gab, tüftelte an Maschinen. 1996 machte er sich in Braunschweig selbständig - in einem Beruf, der schon seit mehr als 30 Jahren nicht mehr in der Handwerksordnung stand.

Zu Malchus Kunden gehören Audi, MAN und das Technik-Museum Sinsheim. Für sie rekonstruiert er Fahrerhäuser und Fahrzeugaufbauten von Pkw, Lkw und Bussen, denn die wurden bis in die vierziger Jahre noch aus Holz gefertigt. Der Zughersteller Alstom lässt bei Malchus sogenannte Mockups bauen, Modellbauten im Originalmaßstab für neue Zugtypen.

Immer wieder melden sich auch Privatkunden mit extravaganten Wünschen. Eine Witwe wünschte sich etwa einen Sarg in Form einer Corvette Stingray, Baujahr 1967, für ihren verstorbenen Mann. Er war leidenschaftlicher Corvette-Sammler. In nur zehn Tagen war der Sarg-Sonderauftrag fertig.

Die Theorie liest sich Theo Malchus an, in der Praxis probiert er viel aus. Für sich selbst hat er schon Kanus, Kajaks und Canadier aus Holz gebaut. Seine Auszubildende hat er im Fernsehen gefunden, bei einer Sendung des NDR, als junge Leute für Traditionsberufe gesucht wurden. Dass er einer der letzten Stellmacher überhaupt ist, das findet Malchus nebensächlich. Er arbeite einfach gern mit Holz, sagt er.

Von Karina Scholz, dapd/vet
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