Bevölkerungsstudie Fast drei Viertel der deutschen Auswanderer sind Akademiker

Vier Millionen deutsche Staatsbürger leben derzeit im Ausland. Forscher haben jetzt untersucht, wer sie sind und warum sie Deutschland verlassen haben.

Deutsche Auswanderer gehen vor allem aus beruflichen Gründen - und verdienen im Ausland deutlich mehr
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Deutsche Auswanderer gehen vor allem aus beruflichen Gründen - und verdienen im Ausland deutlich mehr


Sie ist 36 Jahre alt, hat die Uni mit einem Master abgeschlossen und verdient rund 3000 Euro netto im Monat. Er ist gleich alt, hat auch einen Master und kommt auf einen Nettoverdient von etwas mehr als 4000 Euro netto. So sehen die typischen deutschen Auswanderer aus.

Das zeigt eine repräsentative Studie über deutsche Aus- und Rückwanderer, die das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung am Mittwoch in Berlin vorstellte.

"Es gehen nicht die Verbitterten oder Enttäuschten", sagte Marcel Erlinghagen vom Institut für Soziologie an der Universität Duisburg-Essen. Ein Großteil der Auswanderer verlasse Deutschland, um die eigene Karriere voranzutreiben. Laut Studie sind 70 Prozent der deutschen Auswanderer Akademiker, die Mehrheit ist zwischen 20 und 40 Jahre alt.

Von ihrem Umzug ins Ausland versprechen sich die meisten eine Verbesserung ihres Lebensstandards - und werden in der Regel auch nicht enttäuscht. Laut Studie steigt der persönliche monatliche Nettoverdienst der Auswanderer um durchschnittlich 1186 Euro und zwar bei Männern und Frauen gleichermaßen.

Auch wenn die unterschiedliche Kaufkraft in anderen Ländern berücksichtigt werde, bleibe der "deutliche individuelle Gewinn bei den Nettoverdiensten" bestehen, so die Forscher. Zum Vergleich: Auch die Nettolöhne in Deutschland seien in den zwölf Monaten gestiegen, jedoch nur um durchschnittlich 87 Euro.

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Für die repräsentative Umfrage wurden 10.000 in Deutschland geborene Menschen im Alter zwischen 20 und 70 Jahren befragt, die zwischen Juli 2017 und Juni 2018 ins Ausland gezogen oder aus dem Ausland nach Deutschland zurückgekehrt waren.

Die meisten nannten den eigenen Beruf als Grund für den Umzug (58 Prozent). Als zweithäufigstes Motiv wurde der Lebensstil im Zielland genannt. Für viele ist aber auch der Beruf des Partners oder der Partnerin entscheidend. Auffällig: Bei den Frauen nannten 37 Prozent den Partner als Grund für ein Leben im Ausland. Bei den Männern waren es nur 21 Prozent.

"Brain circulation" statt "brain drain"

Jährlich wandern rund 180.000 Deutsche aus - und 130.000 kommen zurück. Von einem "brain drain", also einem dauerhaften Verlust von Fachkräften aus Deutschland, könne man aber nicht sprechen, sagte Andreas Ette vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Es sei eher eine "brain circulation", denn für zwei Drittel der Auswanderer sei der Auslandsaufenthalt zeitlich befristet. Zudem wanderten auch qualifizierte Fachkräfte aus anderen Ländern nach Deutschland ein. "Es gehen die Besten, es kommen aber auch die Besten", so das Fazit der Forscher.

Aktuell leben fünf Prozent der Deutschen im Ausland. Im Vergleich mit anderen OECD-Staaten landet Deutschland damit auf dem dritten Platz, hinter Polen und Großbritannien.

Das mit Abstand wichtigste Zielland deutscher Auswanderer war in den vergangenen zehn Jahren

  • die Schweiz, dorthin zogen rund 200.000 Deutsche.
  • Auf Platz zwei kommen die USA (127.000 deutsche Auswanderer),
  • es folgen Österreich (108.000)
  • und Großbritannien (82.000).

Seit den Achtzigerjahren steige die Zahl der deutschen Auswanderer kontinuierlich an, so die Forscher. Wie viele tatsächlich ihr Leben lang im Ausland blieben, sei mit dem jetzigen Datenstand nicht zu beantworten.

vet/dpa

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isi-dor 04.12.2019
1. Wundert das wirklich jemanden?
Das Akademiker-Zeitvertragsgesetz zeigt deutliche Wirkung. Ich kenne Promovierte und Habilitierte, die verbrachten 20 Jahre lang mit erbärmlich befristeten Verträgen an deutschen Universitäten bis sie es aufgegeben haben und gegangen sind. Außerhalb der Uni nimmt sie auch keiner, weil in Deutschland jeder Personaler Angst vor Menschen hat, die klüger sind als er selbst. Man kann jedem nur raten, dieses Land zu verlassen - es gibt hervorragende Optionen. Deutschland ist eines der akademikerfeindlichsten Länder der Welt, da ist nicht dran zu rütteln.
exHotelmanager 04.12.2019
2. Nicht erwähnenswert
Da Deutschland nahezu nur noch Akademiker und 3rd Generation Hartz IV produziert, kann die Statistik doch nicht anders ausfallen. Handwerker werden im Inland dringend gebraucht und müssen ihr Glück nicht im Ausland suchen. Der Rest scheitert an Sprach- und Kulturbarrieren. Beste Grüße von einem Auslandsdeutschen.
christine.rudi 04.12.2019
3. Und dazu noch die oft höhere Rente und die Rentenalters- Bedingungen .
- jedenfalls in Europa - nicht zu vergessen. Und eine unglaubliche Bereicherung [Kultur, Zwei- oder (wenn nicht England / USA) sogar Mehrsprachigkeit]. ... Und die Deutschen sind im Ausland als "Was-Weg -Arbeiter" sehr angesehen. Man muß natürlich am Wochende "die Zeit" (Background-Information) lesen oder so, um sich auf dem Laufenden zu halten. ... Und es gibt schon noch ein paar Probleme in Europa. Aber ich lebe selber seit 35 Jahren im europäïschen Ausland. Kann nur empfehlen. Das "kleinbürgerliche" Gesichtsfeld verliert man auch und nach so vielen jahren ist man dann nicht wirklich noch ein "Deutscher" (die Kinder gehe, ja da zur Schule, und, und, und. ... Aber für mich ist das kein Problem. Wenn ich Lust habe, fahre ich als Tourist nach Deutschland.
babbelnet 04.12.2019
4. Sicher?
"Es gehen die Besten, es kommen aber auch die Besten", so das Fazit der Forscher. Na dir Statistik würde ich gerne mal sehen.
holgerkantz 04.12.2019
5. Was denn nun?
"Es gehen nicht die Verbitterten und Enttäuschten". Gleichzeitig steht im Artikel, dass sich die meisten eine Verbesserung der Lebensstandards wünschen, die Leute dort mehr Geld verdienen und man wegen dem Lebensstil im Zielland wegzieht.. also.. irgendwie doch weil man von Deutschland enttäuscht ist?
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