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Autodesign: Der Tonangeber

Foto: Manuel Hauptmannl

Autodesign Der Tontechniker

Schöner, eleganter, sportlicher: Das Design eines Autos ist für viele Käufer genauso wichtig wie die Leistung. Neue Modelle werden erst einmal mit Ton geformt - dafür gibt es sogar einen eigenen Beruf.
Von Lara Jäkel

"Das ist der Moment, in dem die Oberfläche lebendig wird", sagt Johannes Collopy und streicht die glänzende rote Folie glatt. Kritisch betrachtet er, wie die handgeformte Skulptur das Licht reflektiert. Mit ein wenig Fantasie kann man bereits die Formen eines Autos erkennen, die sich unter der Folie abzeichnen. Hier, in einem unscheinbaren roten Backsteingebäude in Oberursel in der Nähe von Frankfurt, entstehen die neuen Designs des Autoherstellers Mazda.

Daran ist Collopy entscheidend beteiligt: Als "Clay Modeller" fertigt er Designentwürfe als lebensgroße Tonmodelle an. Anhand der Modelle entscheidet sich der Hersteller für eine Designvariante, die in Serienproduktion geht. Die handgefertigten Skulpturen haben einen wichtigen Vorzug gegenüber der Arbeit am Computer, sagt der 31-Jährige: "Man kann Veränderungen direkt sehen und das Modell immer wieder anpassen."

An einer halbfertigen Skulptur zeigt Collopy, wie ein neues Automodell entsteht. Mit geübten Handbewegungen trägt er den auf 60 Grad erhitzten Ton auf. Schon dabei müsse man genau darauf achten, wie man das Material verteilt, erklärt er, damit keine Luftblasen entstehen. Nachdem der Ton abgekühlt ist, arbeitet er mit einem groben Werkzeug die Umrisse des Autos heraus. Wie bei einem Käsehobel fallen Tonraspeln herunter, während das Modell langsam Form annimmt.

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Autodesign: Der Tonangeber

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Dann ist Präzision gefragt: Mit einem dünnen, langen Werkzeug, das wie eine übergroße Rasierklinge aussieht, bearbeitet Collopy den Ton geschickt. Immer wieder überprüft er seine Arbeit mit der glänzenden Folie, bis das Modell der Vorlage gleicht und auch die kleinste Unebenheit verschwunden ist. "Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, wie man den Ton formen muss, damit der gewünschte Effekt entsteht", erklärt er.

Clay Modeller arbeiten mit einem speziell für diesen Zweck entwickelten Ton, der sich besonders leicht verarbeiten lässt. Der Vorteil: Das Material könne problemlos neu aufgetragen und bearbeitet werden, um Fehler zu korrigieren, erklärt Collopy. Jeder Modellierer arbeite mit Dutzenden verschiedenen Werkzeugen in unterschiedlichen Größen und Formen - jedes einzelne mit einer speziellen Funktion.

Die handwerkliche Arbeit habe ihm schon immer viel Spaß gemacht, sagt Collopy: "Es ist toll, am Ende des Tages ein Ergebnis in der Hand zu halten." Das Talent ist dem Schweden mit australischen Wurzeln in die Wiege gelegt worden: Als er klein war, erinnert er sich, habe sein Großvater ein ganzes Haus aus Holz gebaut. Bis er die komplizierte Technik des Clay Modelling beherrschte, habe es dennoch mehrere Jahre gedauert.

Ein Beruf ohne klassische Ausbildung

Denn beim Modellieren müsse man viele Details beachten, betont Andreas Feussner, Leiter der Clay-Modelling-Abteilung in Frankfurt. Selbst Laien merkten unbewusst, wenn die Proportionen oder die Linienverläufe nicht stimmten, so der 43-Jährige. Deshalb sei ein gutes Vorstellungsvermögen als Clay Modeller besonders wichtig. Eine klassische Ausbildung gebe es für den Beruf nicht, sagt Feussner. Stattdessen erlerne man die Technik vor allem durch Übung.

Feussner ist gelernter Schreiner, Collopy hat Industriedesign studiert. "Der berufliche Hintergrund eines Modellierers formt seine Arbeit", sagt Collopy. So entwickle jeder Clay Modeller einen eigenen, wieder erkennbaren Stil. Dieser kreative Teil des Clay Modelling begeistere ihn besonders, erzählt der 31-Jährige. Zwar setzten die Modellierer in erster Linie die Entwürfe der Designer um, sie könnten aber auch eigene Gestaltungsideen einbringen.

Die Entwicklung eines neuen Modells funktioniere wie bei einem Ping-Pong-Spiel, erklärt Feussner. Designer und Modellierer arbeiteten zusammen daran, die Entwürfe umzusetzen und zu verbessern. Mazda sei in dieser Hinsicht einzigartig, sagt er, da das Clay Modelling einen hohen Stellwert hat: "Wir haben hier viel Zeit für die Produktion der Modelle - das ist wirklich Luxus." Von der ersten Idee bis zum fertigen Auto dauere es etwa zwei Jahre.

Bis zu drei Modelle werden im Designzentrum parallel bearbeitet - nur wenige werden auch für die Serienproduktion ausgewählt. Natürlich sei das auch manchmal frustrierend , sagt Collopy. Trotzdem könne er sich keinen besseren Job vorstellen: "Wenn man letztendlich ein Auto auf der Straße sieht, an dem man mitgearbeitet hat, ist das ein ganz besonderes Gefühl."

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