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Ausstatter beim Film: Stars in der Garage

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Filmausstatter Stars in der Garage

Ob Jaguar XJ-S oder Rover P6, Jan Trommer hat sie alle. 128 Autos besitzt der 46-Jährige. Er ist kein Multimillionär, sondern Ausstatter beim Fernsehen. Ob beim "Tatort" oder im "Großstadtrevier", Trommer holt schon mal den Wagen. Und spielt für viele Stars den Fahrlehrer.
Von Annick Eimer

Jan Trommer steht auf einer kleinen Leiter vor der Seitenwand eines blauen Möbelwagens. Der Wind fegt an diesem Morgen Schnee und Kälte durch die Hamburger Innenstadt und Trommer flucht leise. Gerade zuppelt er vorsichtig an dem R aus dem Schriftzug Rapid, der den Lkw ziert. Mit dem Buchstaben blättert ein wenig blauer Lack ab. "Ist zu kalt hier," sagt Trommer. "Der muss jetzt erst einmal in die Werkstatt."

Die Möbelspedition Rapid gab es nur heute, nur für ein paar Stunden. Der Firmenname wurde von Requisiteuren für eine Szene der ARD-Kinderserie "Pfefferkörner" erfunden. Der Wagen gehört eigentlich einem Hamburger Umzugsunternehmen, das einen ganz anderen Namen trägt. Trommer hat den Lkw in den frühen Morgenstunden zum Set in der Hamburger Speicherstadt gebracht.

Der 46-Jährige ist Autoausstatter beim Film. Er besorgt alle fahrbaren Untersätze, die für einen Filmdreh benötigt werden. Lkw, Motorräder, schicke Oldtimer und Allerweltsautos. Den Möbelwagen wird man im Fernsehen nur ein paar Sekunden sehen. Ihn zu finden, das war Trommers Job, und der war nicht einfach, denn Umzugswagen ohne Werbeaufdruck gibt es wenige.

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Trommer steht nun vor seiner Werkstatt im Hamburger Osten und bearbeitet den Schriftzug mit einem Heißluftfön. Es muss schnell gehen, der Spediteur will seinen Wagen noch heute zurückhaben. Ganz ohne Lackverluste gehen die Buchstaben nicht ab. Trommer sieht es gelassen. Missgeschicke, wie das von heute, gehören dazu. "Das bezahlt die Produktionsfirma."

Trommer ist vor 16 Jahren zufällig im Film-Business gelandet. Der gelernte Groß- und Außenhandels-Kaufmann hatte gerade das Abschleppunternehmen seines Bruders übernommen, als der Anruf von einer Produktionsfirma kam. Für einen Dreh würden zwei Abschlepper benötigt. Knallrot müssten die sein. So stand es im Drehbuch. Trommer war der einzige in ganz Deutschland, der zwei rote Abschlepper besaß. "Danach ging es ganz schnell", sagt er. Für den gleichen Dreh besorgte er noch fünf weitere Autos und hatte im Nu im Filmgeschäft Fuß gefasst.

Pinkfarbener Porsche gesucht

Heute beschäftigt Trommer zwei Mitarbeiter, und seine Firma Spielmobil gehört zu den größten der Branche. Trommers Alltagsgeschäft sind Serien. Die norddeutschen "Tatorte" und "Polizeirufe", "Der Dicke", das "Großstadtrevier" und "Bella Block", sie alle versorgt er mit Autos. "Spannend wird es dann, wenn wir große Filme ausstatten - vor allem historische Filme, bei denen wir viele Oldtimer ranschaffen müssen", so Trommer. So wie vor ein paar Monaten, als die Geschichte der Hamburger Bankräuberin Gisela Werler verfilmt wurde. Unter anderem zehn Käfer für wilde Verfolgungsjagden musste er damals organisieren.

Das meiste Geld bringen die Sonderwünsche ein: Stunt-Autos, von denen dann meist mehrere baugleiche Modelle gebraucht werden. Oder Autos, nach denen man lange suchen muss, wie ein rosafarbener Porsche oder ein rotes Golf I Cabrio. Beides musste Trommer schon besorgen. Am rosafarbenen Porsche ist er gescheitert. Da musste ein weißer Wagen herhalten, der mit einer Folie überzogen wurde.

Circa die Hälfte aller Autos, die er vermietet, recherchiert Trommer im Internet und in seiner riesigen Kartei. Die andere Hälfte stammt aus dem eigenen Fuhrpark, der mittlerweile auf eine stattliche Größe von 128 Autos angewachsen ist, verteilt auf fünf Hallen in und um Hamburg. Es ist ein wildes Sammelsurium aus ganz alltäglichen Autos und echten Schmuckstückchen, die Fernsehgeschichte geschrieben haben oder vielleicht noch schreiben werden.

Fahrlehrer für die Promis

Die Schmuckstückchen von Trommers Sammlung stehen geschützt in Werkstatt und der angrenzenden Garage. Sein persönliches Lieblingsauto findet sich in einer Ecke. Es ist ein hellblauer T2-Campingbus. Mit dem war Trommer in Norwegen, wo der deutsche Fernsehfilm "Den Tagen mehr Leben!" gedreht wurde. In dem Campingbus erfüllt sich Schauspielerin Thekla Carola Wied als Krankenschwester Anne den Traum einer Reise gen Nordkap.

Der T2 war eine echte Herausforderung. "Es musste ein Automatik-Getriebe sein, weil die Hauptdarstellerin es so wollte." Die alten Busse mit Automatik sind extrem selten und sehr anfällig. Trommer kaufte deshalb gleich drei Stück, um notfalls Ersatzteile parat zu haben. "Wenn ein Auto so eine wichtige Rolle spielt, dann darf einfach nichts schiefgehen." Mit Schauspielerin Wied übte Trommer dann auch das Fahren. Und kauerte in jeder Szene vor der Rückbank. "Thekla wollte einfach nicht ohne ihren Fahrlehrer fahren", sagt er lachend.

Dass Trommer Fahrlehrer spielen muss, oder sogar einen Schauspieler doubelt, das ist nicht selten. Meistens geht alles gut. Nur einmal verwechselte eine Schauspielerin, der Trommer gerade das Fahren beigebracht hatte, das Gas- und das Bremspedal und schoss mit ihrem Gefährt in das geschlossene Parkplatztor eines Hamburger Nobelhotels. "Das war nur ein Golf, nicht so schlimm", sagt Trommer. Den Namen der Unglücksfahrerin verrät er nicht. "Diskretion gehört zum Geschäft", sagt er und grinst.

Foto: David Einsiedler

KarriereSPIEGEL-Autorin Annick Eimer (Jahrgang  1975) ist freie Journalistin in Hamburg.

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