Lebensmittelhandwerk Jeder dritte Fleischer und Bäcker gibt auf

Nicht nur die Konkurrenz durch die Discounter setzt Fleischereien und Bäckereien unter Druck - vor allem der fehlende Nachwuchs ist ein Problem.

Baguettes in einer Backstube in Bayern
Daniel Karmann/ DPA

Baguettes in einer Backstube in Bayern


Viele Bäcker und Fleischer müssen schließen: Innerhalb von zehn Jahren sind unter dem Strich je etwa 30 Prozent der Betriebe in Deutschland verschwunden. Das geht aus Daten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks hervor.

"Seit einigen Jahren schließen im Bäcker- und Fleischerhandwerk jedes Jahr mehr Betriebe, als neue eröffnet werden", sagte Herbert Dohrmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Fachverbände des Lebensmittelhandwerks.

Waren im Jahr 2008 bundesweit rund 15.300 Bäckereien in der Handwerksrolle eingetragen, dem Verzeichnis der deutschen Handwerksbetriebe, waren es Ende 2018 noch knapp 11.000. Die Zahl der Fleischereibetriebe verringerte sich im selben Zeitraum von 18.300 auf rund 12.900.

Nicht nur die zunehmende Bürokratie, auch die Konkurrenz von Discountern und Supermärkten belasten die beiden großen Zweige des Lebensmittelhandwerks. Vor allem der Fachkräftemangel und das gesunkene Interesse von Schulabgängern an einer Lehre bereiten den Betrieben Sorge.

"Das Problem ist der Mangel an qualifiziertem Personal und an Nachwuchskräften, aus denen eine neue Generation von Inhabern entstehen müsste", sagte Dohrmann. Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung mangelte es den Bäckereien im vergangenen Jahr mit 906 nicht vergebenen Ausbildungsstellen an Nachwuchs. Bei den Fleischereien fehlten 894 Azubis.

Die kleinen Handwerksbetriebe litten zusätzlich unter einer Flut neuer Vorschriften, sagte Dohrmann. "Gesetzliche Vorschriften, die auf Großunternehmen zugeschnitten sind, werden auf Familienbetriebe mit zehn Mitarbeitern angewandt." Die könnten den zeitlichen Aufwand oft nicht erbringen.

Auch in anderen Branchen herrscht Fachkräftemangel: Neun von zehn Kitas haben zu wenig qualifiziertes Personal, fanden Wissenschaftler vor Kurzem heraus. Auch in der IT-Branche werden Facharbeiter dringend gesucht. Zuwanderer könnten diesen Mangel teilweise ausgleichen. Ohne Migration würde das Angebot an Arbeitskräften angesichts der alternden Gesellschaft noch weiter schrumpfen.

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lmd/lov/dpa



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