Beerdigung mit und ohne Religion Runter kommen sie alle

Von David Krenz

3. Teil: Buddhismus - "Den Toten nicht verwirren"


Uller Gscheidel: Der buddhistische Bestatter will, "den Verstorbenen möglichst wenig stören"
David Krenz

Uller Gscheidel: Der buddhistische Bestatter will, "den Verstorbenen möglichst wenig stören"

Bestatter sind Pragmatiker. Das weiß auch Uller Gscheidel: "Ich muss meine Arbeit machen, den Verstorbenen ins Kühlhaus bringen. Aber ich versuche, ihn dabei möglichst nicht zu verwirren." Gscheidel, 57, lebt seit 30 Jahren als Buddhist. Er versteht sich als Anwalt der Toten.

Nach buddhistischer Lehre durchläuft der Mensch einen Sterbeprozess, bei dem sich der Geist vom Körper löst. Manchmal ist dieser Prozess erst drei Tage nach dem Herzstillstand abgeschlossen. Gscheidel will den Toten dabei nicht stören: "Ich spreche ihn an und sage, Herr Sowieso, erschrecken Sie nicht, ich muss Sie jetzt anfassen."

Die Emotionen der trauernden Verwandten seien im Sterbeprozess eher hinderlich, glaubt Gscheidel. "Wenn einer weint oder ruft: Du darfst nicht sterben, nehme ich ihn zur Seite und sage: Vielleicht gehen Sie mal für einen Moment spazieren."

"Ziemlich wurscht, was mit dem Körper passiert"

Ab und zu melden sich auch ahnungslose Hinterbliebene bei ihm. "Einmal rief eine Mutter an: Meine Tocher war Buddhistin, machen Sie mal eine buddhistische Beerdigung.'"

Die buddhistische Bestattung, sagt er dann, gibt es nicht. Die verschiedenen Rituale seien eher klimatisch bedingt als religiös. So sei in Indien, dem Ursprungsland des Buddhismus, die Feuerbestattung verbreitet, weil die Körper in der feuchtwarmen Luft schnell verwesen. Im frostigen Tibet dagegen, wo Holz knapp ist, gibt es eine Bestattungsart, "die uns gruselig erscheint: die Luftbestattung, bei der man die Leichen grob zerhackt und auf einem Feld den Vögeln anbietet", sagt Gscheidel.

Aus buddhistischer Sicht sei es dem Verstorbenen "ziemlich wurscht, was mit dem Körper passiert", sagt er. Nach einer gewissen Zeit zähle nur noch der Geist. Trauerstätten seien eher für die Angehörigen gedacht.

insgesamt 21 Beiträge
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because 05.11.2011
1. keine christlichen Bestattungen mehr?
Das ist ja alles ganz interessant. Aber dass den christlichen Trauerfeiern keine Aufmerksamkeit mehr beigemessen wird, zeugt doch von einem etwas verengten Blick. Außerdem ist "konfessionslos" nicht eigentlich eine Konfession. Unter den "Konfessionslosen" gibt es sicher eine Menge Menschen mit einem Bekenntnis. Die wenigsten bekennenden Muslime sind Mitglied einer Gemeinde, Freikirchlicher sind unter den "Konfessionslosen", und auch Angehörige manch einer Migranten-Gemeinde, die keinen Status öffentlichen Rechtes in Anspruch nimmt.
MonaM 05.11.2011
2. Trauerriten sind nur für die Hinterbliebenen da
Trauerstätten seien eher für die Angehörigen gedacht (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,795310-3,00.html), sagt der buddhistische Bestatter. Damit hat er recht und das gilt auch für die gesamten Trauerriten inkl. der Trauerfeier selbst. All das ist für die Hinterbliebenen und ihre Bedürfnisse gemacht, den Toten kann es egal sein. Darum ist es zu begrüßen, dass sich immer mehr Menschen den Umgang mit dem Tod nicht mehr vorschreiben lassen und individuelle Wege beschreiten, z.B. Waldbestattungen.
sitiwati 05.11.2011
3. naja. die
Hauptperson ist es egal, wer da schwätzt, einfach entsorgen, meist ist es eh so, dass man ein Begräbnis mit Pomp benutzt, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen!
Hubert Rudnick, 05.11.2011
4. Rituale
Zitat von sysopIn Berlin ist nicht nur das Diesseits multikulti: Ein buddhistischer Bestatter spricht mit Toten, eine Muslima bringt*Leichen innerhalb von 36 Stunden in die Türkei, ein Trauerredner überlegt sich nette Abschiedsworte für ungeliebte Verwandte. Ein Rundflug*durch die Berliner Begräbniskulturen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,795310,00.html
Ich bin zwar nicht für ein religiöses Begräbnis, aber ich finde, dass man immer den Wünschen des Verstorbenen respektieren sollte und ihm also seinen letzten Willen erfüllen möge. HR
Rainer Helmbrecht 05.11.2011
5. .
Zitat von sitiwatiHauptperson ist es egal, wer da schwätzt, einfach entsorgen, meist ist es eh so, dass man ein Begräbnis mit Pomp benutzt, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen!
Die meisten Vorschriften über Bestattungen werden für den Umsatz der Gemeinden und der Bestattungsunternehmen erlassen. Während in Frankreich jede Familie die Urne ihres Verstorbenen zur freien Verfügung erhält, werden dt Hinterbliebene gegängelt. Völlig sinnlos. MfG. Rainer
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