CEO of the Future Initialzündung für die Karriere

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen? Besser: sie Managern erzählen. Bei "CEO of the Future" hören die Chefs von heute auf die Ideen der Jungen. Drei ehemalige Teilnehmer berichten, was ihnen der Wettbewerb gebracht hat.


"CEO of the Future" - wie das schon klingt. Wie ein Wettbewerb für BWL-Ehrgeizlinge, die mit Power-Point-Präsentationen voller Managementphrasen um die Gunst der "CEOs of the Present" betteln. Tatsächlich suchen die Organisatoren aber Studierende und Berufseinsteiger aller Fachrichtungen, die sich kreative Lösungen für die großen Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft ausdenken. Und die diese Ideen vor einer Jury aus Top-Managern wie E.on-Chef Johannes Teyssen oder Porsche-CEO Matthias Müller überzeugend präsentieren können.

Was sind das für Leute, die beim "CEO of the Future" mitmachen - und hat ihnen der Wettbewerb tatsächlich Türen und Geist geöffnet? Drei Finalteilnehmer vom vergangenen Jahr berichten:

Simone Kok, 30, Produktmanagerin bei Bertelsmanns Kinder- und Jugendbuchverlagen cbj und cbt

Simone Kok: "Wir haben ein Gedicht vorgetragen"
Susanne Krauss

Simone Kok: "Wir haben ein Gedicht vorgetragen"

Die Filmpremiere von "Der kleine Drache Kokosnuss" am Sonntag war ein typischer Termin in meinem Job. Wir haben die Bücher der Reihe verlegt, nun mussten wir uns eng mit der Filmfirma abstimmen, etwa zur Gestaltung des Artworks oder welche Werbemittel wir verwenden. Wenn wir ein neues Buch herausgeben, arbeite ich an der Covergestaltung mit, überlege unter anderem, mit welchen Aktionen wir das Buch bewerben.

Ohne den "CEO of the Future"-Wettbewerb hätte ich den Job wohl nicht. In unserer Fallstudie für Bertelsmann fragten wir uns, wie Menschen in Zukunft lesen werden und wie die Verlage überleben können. Unsere Präsentation begann als Abgesang auf das Buch. Teile davon trugen wir als Gedicht vor, unsere Grafiken stammten von einem Zeichner. Am Ende drehten wir das Ganze um und erklärten, warum es Verlage und gedruckte Bücher immer geben wird.

Danach bekam ich ein Vorstellungsgespräch bei meiner heutigen Chefin. Erfahrungen in der Buchbranche hatte ich keine, dafür aber einen großen Vertrauensvorschuss meiner Chefs. Sie trauten mir zu, dass ich mich schnell in das neue Gebiet einarbeite. Geistige Flexibilität und die Lust auf Neues - das verbindet alle, die beim "CEO of the Future" ins Finale kamen.

Philipp Eska, 26, Berater bei McKinsey

Philipp Eska: "Was kannst du verlieren?"
Susanne Krauss

Philipp Eska: "Was kannst du verlieren?"

Der Wettbewerb hat meine Karriere ganz direkt beeinflusst: Ich habe mich nicht zuletzt deswegen entschieden, zu McKinsey zu gehen und andere Angebote auszuschlagen. Nach dem Finale war ich überzeugt: Das passt.

Als Berater bin ich Generalist. In Meetings erlebe ich immer wieder Situationen, in denen der Klient kritisch nachfragt. Manchmal muss man antworten: "Das nehme ich noch mal mit". Damit kann man viel besser umgehen, wenn man vor den CEOs großer Unternehmen stand und deren Zweifeln an seinem Konzept standgehalten hat.

Durch den Wettbewerb habe ich neue Freunde gefunden, mit Simone (Kok, siehe voriger Beitrag) treffe ich mich in ein paar Tagen auf einem Weihnachtsmarkt in München. Mit meinem Mentor, dem Personalvorstand von Porsche, Thomas Edig, kann ich besprechen, was ich während meines Professional Leaves in einem Jahr machen will: ob ein MBA, eine Promotion oder etwas anderes sinnvoller ist.

Der Titel des Programms ist natürlich provokant. Aber als ich meine Unterlagen einschickte, fragte ich mich nur: Was kannst du verlieren?

Frank Bertram, 28, Produktionsplaner bei Porsche

Frank Bertram: "Die Stimmung war immer sehr gut."
Susanne Krauss

Frank Bertram: "Die Stimmung war immer sehr gut."

In unserer Präsentation ging es um die Zukunft des "Connected Car", das mit seiner Umwelt vernetzte Fahrzeug. Wir haben dafür ein Gesamtkonzept entwickelt, bestehend aus Fahrerinformationssystem sowie Verknüpfung mit sozialen Netzwerken. Teil des Informationssystems war ein Head-Up-Display, das in der Windschutzscheibe oberhalb des Lenkrads Angaben wie Geschwindigkeit und Drehzahl projiziert sowie die Ideallinie auf der Straße dynamisch anzeigen kann. Ein bisschen wie im Rennspiel sah das aus.

Das hat Herbert Henzler, der Ex-Europa-Chef von McKinsey, auch direkt hinterfragt. Würde das den Fahrer denn nicht motivieren, abseits der Rennstrecke zu schnell zu fahren? Da schaltete sich einer der anwesenden CEOs ein und meinte mit einem Augenzwinkern, "diesen Aspekt muss McKinsey schon selbst lösen" - sonst hätte das Porsche-Team ja bereits eine komplett fertige Lösung entwickelt, die McKinsey als Projekt verkaufen könne.

Die Stimmung während des gesamten Wettbewerbs war immer sehr gut. Vor allem war es ein Abenteuer, vor solchen Top-Managern präsentieren zu können. Es hat mir aber auch für die berufliche Entwicklung viel gebracht: Bei einer der Auswahlrunden konnte ich eine halbe Stunde lang mit einer Personalerin von Porsche sprechen und so meinen Wunsch äußern, meine Masterarbeit im Unternehmen zu schreiben. Über diese Einstiegsmöglichkeit bin ich letztlich auch zu meinem heutigen Job gekommen.

Heute arbeite ich in der Manufaktur des 918 Spyder und bin für die Planung und Umsetzung der kundenindividuellen Produktion verantwortlich. Wenn sich ein Kunde etwa babyblaues Leder in seinem Fahrzeug wünscht, bin ich dafür zuständig, dass das Fahrzeug genau so aufgebaut wird. Der 918 Spyder ist ein Leuchtturmprojekt bei Porsche. Ohne die Masterarbeit und den Wettbewerb zuvor hätte ich so eine verantwortungsvolle Aufgabe wohl nicht bekommen.

ade



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giorgio-pietro 12.12.2014
1. Manchem steigt so was gelegentlich doch sehr zu Kopf
Spiegel Online berichtete am 21.3.2005 über Michael Krause, der im Frühjahr zum CEO of the Future gewählt wurde. Damals war er Geschäftsführer der Siemens Transformer Division. Irgendwann ging es mit der Karriere wohl abwärts (warum bloß?) und er wurde Geschäftsführer beim Textildiscounter KIK, der sich nicht zu den deutschen Blue Chips gehört. Seit gut einem Jahr wird der mittlerweile inhaftierte Krause in Bayreuth angeklagt. Er soll versucht haben, auf dubiosen Wegen über drei Millionen Euro zu unterschlagen. Weitere vier Millionen Euro sollten noch folgen. Wen' s interessiert, der findet unter www.nordbayerischer-kurier.de haarsträubende Berichte von den Verhandlungen. Man kann nur spekulieren, ob Herrn Krause der frühe Ruhm zu Kopf gestiegen ist oder er sich durch die Bestätigung irgendwann für unschlagbar hielt und in einer anderen Liga spielend empfand. Wenn ich allerdings die damalige SPON-Meldung lese, dann erscheint es mir im Rückblick garnicht so abwegig, daß eben dieser Herr irgendwann so vom Weg abkam. Aus der Forschung weiß man, daß CEOs, die plötzlich auf den Titelseiten der Wirtschaftspresse erscheinen, besser schnellstmöglich abgelöst werden sollten. Sie verwenden scheinbar mehr Energie auf die Pflege ihres Images denn den Ausbau des ihnen anvertrauten Unternehmens.
Newspeak 12.12.2014
2. ...
Wirklich zukunftsweisend wäre es, diese Ewige Wiederkehr derselben Managerzombies, die in diesem Wettbewerb ausgesucht werden sollen, einfach mal sein zu lassen. Als ob es nicht reicht, das Finanz- und Wirtschaftssystem einmal an die Wand zu fahren. Nein, man muß ständig neue Leute suchen, die dieselben Fehler machen, wie die alten Eliten.
zufriedener_single 13.12.2014
3. Kotzbrocken at its best
Besonders Bild #3 verursacht Würgereiz! Und dann das hier: "Durch den Wettbewerb habe ich neue Freunde gefunden, mit Simone (Kok, siehe voriger Beitrag) treffe ich mich in ein paar Tagen auf einem Weihnachtsmarkt in München." Wie grün ist der eigentlich? Und so Jemand wird dann in leitender Position auf die Mitarbeiter losgelassen? OMG
franxinatra 13.12.2014
4. Ideen werden überbewertet
So hübsch der Ruf nach neuen Ideen ist: eine Idee zu haben ist eine Kleinigkeit gegen den Aufwand, diese auch zu realisieren. Wer sich einmal durch die behördliche Kleinkariertheit, nicht zuletzt den typisch deutschen Wahn der Vorschrifts-Exegese gewühlt hat versteht, was ich meine. Und: die Verherrlichung dieses Mindhunting zur Ausbeutung unerfahren junger Leute ist auch keine wirkliche Ideenschmiede. Wenn ich mir nur ansehe, wie viele wirklich gute Ideen für Zukunftsjournalismus von Verlegern regelrecht verpennt (oder absichtlich verhindert?) wurden...
AcrossTheUniverse 13.12.2014
5. Würgreiz
Was für ein Kindergarten. 26 Jahre und Berater. 26! Manager Visionen vortragen? Manager wollen keine Visionen hören und erst recht entwickeln Sie in 90% der Fälle auch selbst keine. Manager heißt Verwalter. Also wird schön Verwaltet. Beispiele gefällig? Siemens und Nokia. Zu Tode verwaltet. Keine Inovationen mehr. Und in meiner Firma - eine Große Automobilmarke - dort heißt es nach Außen: Wir wollen Innovationen und Kreative Mitarbeiter. Nach Innen hin wird nur Konformität belohnt. Und wehe der Mitarbeiter ist besser wie der eigene Chef...frei nach dem Motto "A stellt A ein und B stellt C ein". Aber zurück zu den Extrem-Ultra-Global-Mega-Trends-Elite-Force-CEO-Head-of-Everything-Boys-and-Girls: Niemand der ganzen Leute dort wird ein Branson oder Jobs. Selbstgerechte, naive, überhebliche und arrogante Menschen werden noch mehr bestärkt diese Schwächen zu stärken. Ein ganzheitlicher Blick, auch über die eigene Zeit hinaus - nicht möglich. Sie gehören zu den Menschen, die die Menschheit schwächen. Mich widern diese Leute nur an.
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