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Ratschlag vom Berufsberater Beförderung ins Unglück

Eine Beförderung hat nicht nur Vorteile: Mehr Prestige, mehr Geld, aber auch mehr Verwaltungskram. Will man das? Karrierecoach Matthias Martens rät zur Schlüsselfrage: Bin ich Experte - oder Manager?
Ein begeisterter Tüftler - aber auch zur Führungskraft geeignet?

Ein begeisterter Tüftler - aber auch zur Führungskraft geeignet?

Foto: Hendrik Schmidt/ picture alliance / dpa

Der Leser Marc F., 38, fragt: "Ich arbeite seit sieben Jahren als Ingenieur in der Entwicklungsabteilung eines großen Industriebetriebs. Ich mag diese Aufgabe sehr, doch nun wurde in der Produktion eine Stelle als Abteilungsleiter frei. Ich wurde bereits von Kollegen darauf angesprochen, weil ich Experte für die dort produzierten Bauteile bin. Sicher würde ich mit der Beförderung mehr verdienen, dennoch bin ich mir nicht sicher, ob ich mich dafür bewerben sollte. Wie finde ich darauf eine Antwort?"

Karriereberater Matthias Martens antwortet:

Viele Ingenieure, Naturwissenschaftler und andere Experten stehen vor derselben schwierigen Frage. Einerseits lieben sie ihre Profession und sind glücklich als Programmierer, Tüftler, Forscher, Arzt oder Rechtsanwalt. Anderseits wird uns ständig von außen suggeriert, dass berufliche Erfüllung nur durch Aufstieg zu erreichen ist. Doch das gilt eben nicht für jeden.

Aus vielen wichtigen Fragen, die sich Ihnen jetzt stellen, möchte ich zwei ganz zentrale herausgreifen.

Zum Autor

Matthias Martens, Jahrgang 1964, war zehn Jahre Personalleiter im Otto-Konzern, bevor er sich 2006 für die Selbstständigkeit entschied. Heute begleitet der Inhaber einer Outplacementberatung  als Berater und Coach vor allem Menschen in der Lebensmitte, die sich beruflich neu orientieren wollen oder müssen. Alle Kolumnen von Matthias Martens  Mail an den Coach 

1. Was ist Ihr wichtigstes Karrieremotiv?

Der amerikanische Managementberater Edgar H. Schein hat acht Karriereanker beschrieben. Dies sind verborgene grundlegende Muster, die unsere Karriereentscheidungen maßgeblich beeinflussen. Vermutlich stehen bei Ihnen zwei dieser Karriereanker in Konkurrenz zueinander: Sind Sie Experte oder Manager?

Experten lösen gern komplizierte Probleme. Sie streben immer nach neuen Erkenntnissen und dringen tief in ihr Fachgebiet ein. Qualität und Genauigkeit sind ihnen wichtig. Experten schätzen es, wenn man sie um ihren fachlichen Rat bittet. Sofern aber Entscheidungen getroffen werden müssen, überlassen sie diese gern einem Manager.

Manager haben den Antrieb, Einfluss und Macht zu erlangen und damit unternehmerische Ziele durchzusetzen. Sie denken in Gesamtzusammenhängen und nicht so sehr in Details. Sie lieben es, Strategien zu entwerfen und möglichst viele Menschen und Aktivitäten zu koordinieren. Sie beanspruchen weitreichende Entscheidungsbefugnisse. Wer ihre Ziele durchkreuzt, wird spüren, dass Manager keinen Konflikt scheuen.

Welcher ist Ihr Karriereanker? Vielleicht verfügen Sie auch über Anteile aus beiden und können sich darum nicht entscheiden. Dann wäre alternativ zur Abteilungsleitung in der Produktion eine Team- oder Projektleitung in der Entwicklung zu erwägen. Ein kleines Team mit selbstständigen, hoch qualifizierten Spezialisten erfordert vor allem Innovationsfähigkeit und konzeptionelle Fähigkeiten - nicht so sehr klassische Führungsaufgaben. Hier könnten Sie weiter Ihre fachliche Expertise einsetzen.

2. Besitzen Sie persönliche Stärken für eine Führungsaufgabe?

Sie schreiben, dass Sie Experte für die Bauteile sind, die in der Abteilung produziert werden. Das ist sicher vorteilhaft, qualifiziert Sie jedoch nicht für eine Führungsfunktion. Wer eine Produktionsabteilung mit 50 oder mehr Mitarbeitern führt, die in stark vorstrukturierten und arbeitsteiligen Prozessen arbeiten, braucht vor allem Überzeugungskraft und Konfliktfähigkeit. Übergeordnete unternehmerische Ziele haben hier hohe Priorität. Mitarbeitergespräche werden viel Zeit einnehmen, Sie müssen Interessenkonflikte lösen und Widersprüchlichkeiten aushalten. Die kontinuierliche Optimierung der Kosten, Qualitätskennzahlen und Outputmengen werden Ihre täglichen Routinen bestimmen. Besitzen Sie die Ausdauer und die Hartnäckigkeit, um dabei immer am Ball zu bleiben?

Vielleicht gab es in der Vergangenheit - auch außerberufliche - Beispiele, wo Sie dies unter Beweis stellen konnten? Gegenprobe: Welche der oben geschilderten Aufgaben liegen Ihnen gar nicht und könnten Ihren Erfolg verhindern?

Nehmen Sie eine Führungsfunktion nicht allein deshalb an, weil es Ihrem Ego schmeichelt oder eine Einkommenssteigerung verspricht. Sie würden schon bald die Freude an der Arbeit verlieren und sich mit Dingen quälen, die Ihrer Persönlichkeit widersprechen.

Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Der Verzicht auf eine "klassische Beförderung" zur Führungskraft bedeutet nicht das Karriereende. Schon viele Spezialisten haben ihre Berufung in der fachlichen und methodischen Weiterentwicklung gefunden - Sie müssen ja nicht gleich den Nobelpreis gewinnen.

Wenn Sie allerdings bis hierhin gelesen haben und immer noch dringend Führungskraft werden wollen, dann sollten Sie sich unbedingt bewerben.