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Berufsbildungsbericht So viele junge Ungelernte wie noch nie

In Deutschland gibt es mehr Ausbildungsplätze als mögliche Auszubildende - trotzdem schließen mehr Jugendliche keine Berufsausbildung ab. Eine Gruppe ist besonders gefährdet.

Die Zahl der jungen Menschen in Deutschland ohne abgeschlossene Berufsausbildung hat ein Rekordhoch erreicht: 2,12 Millionen waren laut dem Berufsbildungsbericht  des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zuletzt ungelernt. Das sind 130.000 mehr als noch im Jahr zuvor. Der Bericht erscheint jährlich und befasst sich mit der Gruppe der 20- bis 34-Jährigen.

Vor allem Menschen ohne Schulabschluss haben keine Berufsausbildung, heißt es in dem Bericht. Zwei von drei Schulabbrechern schließen demnach keine Ausbildung ab. Je höher der Schulabschluss, desto eher klappt es auch mit Lehre oder Studium: Bei Schulabgängern mit Abitur oder Fachhochschulreife liegt die Ungelerntenquote bei nur 5,5 Prozent.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte mehr Hilfe für die Betroffenen. Betriebe klagten über unbesetzte Ausbildungsplätze, gleichzeitig seien immer mehr Jugendliche ohne Ausbildung. Das führe zu "erheblichen gesellschaftlichen Spannungen", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Besonders dramatisch sei die Lage im Ruhrgebiet, in den mittleren Städten Hessens und Niedersachsens und im Norden Schleswig-Holsteins. Man dürfe nicht zulassen, dass eine "abgehängte Generation" heranwachse, sagte Hannack.

Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland stehen statistisch gesehen einem Überangebot an Ausbildungsplätzen gegenüber: Auf 100 Interessierte kommen 106 Lehrstellen. Trotzdem finden einige keinen passenden Ausbildungsplatz - nicht immer sind die Angebote in der richtigen Gegend, im richtigen Job oder von einem Chef, mit dem der Bewerber gut auskommt. Die IG Bau forderte deshalb vor Kurzem ein verpflichtendes Schulpraktikum im Handwerk. Auch die Bundesregierung bemüht sich: Sie kündigte an, die Zuschüsse für Azubis deutlich zu erhöhen, vor allem für Lehrlinge, die weit von ihrem Betrieb entfernt wohnen.

Etwa 57.700 Stellen blieben 2018 unbesetzt. "Um dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen, gilt es, alle vorhandenen Kräfte zu mobilisieren und gezielt einzusetzen", heißt es in dem Bericht. Laut der Bundesagentur ist das Arbeitslosigkeitsrisiko für Ungelernte immer noch etwa fünfmal so hoch wie für Personen mit einem Berufsabschluss.

Insgesamt stieg die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im vergangenen Jahr an. Etwa 531.000 Azubis, 8000 mehr als im Vorjahr, lernten in den Betrieben. Ein Grund dafür sind laut dem Bericht Geflüchtete, die häufiger eine Ausbildung absolvieren.

Bisher waren viele von ihnen in Programmen untergekommen, die ihnen die Integration im deutschen Arbeitsmarkt erleichtern sollten. Die Geflüchteten nutzten die Angebote vorrangig, um die deutsche Sprache zu erlernen. Seit 2017 nehmen diese jungen Menschen nun Ausbildungen auf - den Mangel an Auszubildenden können aber auch sie nicht ausgleichen.

lmd/dpa