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Berufseinsteiger Im Ausland arbeiten? Muss nicht sein

Ein Leben aus dem Koffer, fern von Freunden und Familie - junge Berufstätige sehen eine Auslandsstation kaum noch als Karriere-Sprungbrett. Wie sehr sie an der Heimat kleben, macht international tätigen Firmen zu schaffen.
Einsam am Flughafen: Keine Option für viele junge Berufstätige

Einsam am Flughafen: Keine Option für viele junge Berufstätige

Foto: © Lisi Niesner / Reuters/ REUTERS

Erst das Studium beenden, dann einen Job finden, ins Ausland gehen und so die Karriere vorantreiben: Lange galt Berufseinsteiger das als beste Option. Inzwischen packen sie seltener die Koffer - weil sie sich fragen: Was soll ich in Shanghai? Oder einsam in Kuwait? Und ist es zu Hause nicht doch am schönsten?

Junge, bestens qualifizierte Fachkräfte prüfen genau, was ihr Arbeitgeber ihnen bietet. Und wägen ab, was sie bei einer Führungsposition im Ausland zumindest zeitweise aufgeben: vertraute Kollegen im Büro, Zeit für Hobbys und Freunde, den engen Kontakt zur Familie. Da muss schon das ganze Paket stimmen, das Geld ebenso wie die Perspektiven nach der Rückkehr.

International tätige Unternehmen klagen inzwischen vernehmlich über die schwindende Mobilität der sogenannten Generation Y, der Berufseinsteiger um die 30. Die Firma Bauer beispielsweise, ein Tiefbauspezialist aus dem oberbayerischen Schrobenhausen, sucht regelmäßig gute Leute im Maschinenvertrieb oder für Bauprojekte im Ausland. Meist werde man auch fündig, sagt Personalchef Stefan Reindl: "Allerdings wird es tendenziell schwieriger, Personal zu finden, das dauerhaft bereit ist, weltweit auf Projekten zu arbeiten." Mitarbeiter kämen auch früher zurück, weil das Familienleben wichtiger sei als noch vor einigen Jahren.

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Foto: © Mike Hutchings / Reuters/ Reuters

Hinter vorgehaltener Hand stöhnt so mancher Personaler über die Anspruchshaltung und Reiseunlust vieler Nachwuchskräfte. Auch beim Autobauer BMW haben Bewerber zunehmend individuelle Vorstellungen: "Der Job soll sich nach ihrem Lebensentwurf richten und nicht umgekehrt", sagt ein Unternehmenssprecher.

Den Trend bestätigen regelmäßige Studien des Autozulieferers Continental. Im vergangenen Jahr stellten Meinungsforscher Studenten und Mitarbeitern die Frage: Wo wollen Sie später arbeiten? Die Hälfte der jungen Menschen antwortete: "In der Region, in der ich jetzt lebe."

Dann bitte China - die USA kennen sie ja vom Auslandsemester

Junge Conti-Mitarbeiter, die bereits über den Tellerrand hinausgeschaut hatten, zeigten sich zwar deutlich offener für einen internationalen Job. Aber weder Studenten noch Fachkräfte würden zugunsten von Beruf und Karriere größere Abstrichen bei der Familie oder Partnerschaft machen.

Dabei sind junge Menschen durchaus reiselustig, sagt Jutta Boenig von der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung - sie hätten aber schon in Schulzeit und Studium viel gesehen. Wer bereits als Kleinkind von den Eltern gefragt werde, wohin die Urlaubsreise gehen soll, sei halt verwöhnt. Nur zu Beginn ihrer Laufbahn nähmen Hochqualifizierte noch gern eine Auslandsstation mit - aber dann bitteschön in China, und nicht in den USA, wo sie schon ihr Auslandssemester verbracht haben.

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Die Personalberatung PageGroup spricht von einer neuen "Emanzipation" der Arbeitnehmer: "Fachkräfte sind sich ihres Wertes bewusst und wissen, was sie wollen. Sie möchten, dass die Unternehmen auf sie zukommen", sagt Deutschland-Chef Goran Baric. Deutschland habe sich zu einem Bewerbermarkt entwickelt. "Kaum ein Land bietet derzeit so gute Voraussetzungen für den beruflichen Aufstieg."

Auslandsstationen dürften auch künftig für angehende Spitzenleute in internationalen Unternehmen dazugehören - aber eben nicht mehr um jeden Preis, sagt Baric. Mitarbeiter erwarteten einen greifbaren Mehrwert: "Zum Beispiel die Chance, in einem anderen Land etwas Neues aufzubauen und sich dabei stark weiterzuentwickeln." Besonders bei Auslandsjobs auf Zeit sollten den Kandidaten Perspektiven für die Zeit danach geboten werden. Motto: "Karrierekick statt Karriereknick."

Auch Beraterin Boenig empfiehlt Unternehmen, ihren Auslandsmitarbeitern frühzeitig Brücken in die alte Heimat bauen. Dazu gehöre auch eine Betreuung. Konzerne, die Zehntausende Beschäftigte haben, aber nur einen Ansprechpartner für Mitarbeiter im Ausland, müssten sich nicht wundern, wenn niemand mehr in die Welt hinausziehe, so Boenig.

Christine Schultze, dpa/sid
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