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Berufshaftpflicht Hebammen hoffen auf Finanzhilfe vom Minister

Hebammen brauchen eine Haftpflichtversicherung, doch nur noch ein Anbieter will sie versichern. Vielen freiberuflichen Hebammen droht dann das Aus. Bald könnte die Regierung Geld für die Geburtshelfer lockermachen.
Hebamme untersucht Schwangere: Immer weniger machen noch Entbindungen

Hebamme untersucht Schwangere: Immer weniger machen noch Entbindungen

Foto: Corbis

Freie Hebammen sehen sich in ihrer Existenz bedroht, weil kaum eine Versicherung ihre Berufshaftpflicht übernehmen will - und hoffen nun auf Hilfe aus der Politik. Die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes (DHV), Martina Klenk, hat sich am Dienstag mit Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) getroffen und berichtete, dass der Minister kurzfristige Hilfe in Aussicht gestellt habe: Die Kosten für die Berufshaftpflicht sollten für alle betroffenen Hebammen ausgeglichen werden.

Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums bestätigte die Angaben zu kurzfristigen Hilfen jedoch ausdrücklich nicht. Gröhe habe die Position der Hebammen angehört und nehme das Thema "sehr ernst", sagte die Sprecherin. Die Aussagen des Koalitionsvertrages zur Verbesserung der Situation der Hebammen seien für den Minister "von hoher Dringlichkeit". Eine Online-Petition, in der Gröhe aufgerufen wird, eine Lösung für die Hebammen zu finden, hatte bis Dienstagnachmittag mehr als 130.000 Unterstützer gefunden.

In den kommenden Wochen will eine interministerielle Arbeitsgruppe, die schon in der vergangenen Legislatur tagte, ihren Abschlussbericht zur Versorgung mit Hebammenhilfe vorlegen. Der Bericht ist laut Gesundheitsministerium dann die Grundlage für weitere langfristige Maßnahmen.

Immer Ärger mit der Haftpflicht

Das Problem ist im Prinzip nicht neu. Seit Jahren klagen die Hebammen über steigende Haftpflichtprämien. Die Lage hat sich allerdings zugespitzt, als kürzlich eine Versicherung ihren Ausstieg aus dem Geschäft mit den Hebammen ankündigte. Damit bleibt nur noch ein Versicherer übrig, der überhaupt die Berufsrisiken von Hebammen versichert.

Das hat nach Angaben der Verbände Folgen für die Hebammen-Versorgung. Den freiberuflichen Hebammen, die noch die klassische Geburtshilfe zu Hause, im Geburtshaus oder als Beleghebammen in Kliniken anbieten, drohe ab Sommer 2015 das Aus, auch Vor- und Nachsorge können die meisten dann nicht mehr anbieten. Die Situation trifft auch Kliniken, vor allem in ländlichen Gebieten werden freiberufliche Hebammen auch von Krankenhäusern engagiert.

Viele haben Geburtshilfe aufgegeben

Als mögliche kurzfristige Maßnahme gilt ein erneuter Zuschuss der Krankenversicherer. Die Kassen hatten den Hebammen bereits im Jahr 2012 einen Zuschlag gewährt, um die gestiegenen Versicherungsprämien teilweise auszugleichen.

In den vergangenen Jahren gaben bereits viele Hebammen ihren Beruf auf. Viele stiegen aus der klassischen Geburtshilfe aus, weil die Haftpflichtprämien viel stärker stiegen als die Honorare. Von den rund 21.000 Hebammen in Deutschland ist nur ein Teil festangestellt. Die Mehrheit arbeitet freiberuflich, wobei das Gros keine Geburten mehr betreut. Klassische Geburtshilfe leisten nach Schätzungen der Verbände nur 3500 freiberufliche Hebammen.

afp/dpa-afx/mamk