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Headhunter werden: Ein bisschen Schicksal spielen

Berufswunsch Headhunter Ein bisschen Schicksal spielen

Was mit Menschen und mit viel Geld - Headhunter ist ein reizvoller Beruf. Eine Standard-Ausbildung dafür gibt es nicht, ein BWL-Studium muss nicht schaden. Aber viel wichtiger ist es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Oder jedes Jahr 1500 Weihnachtskarten zu schreiben.

Wenn Rick Fulghum zum Telefon gereift, dann geht es meist um hohe Summen. Denn Fulghum, 47, ist Headhunter - und zuständig für die ganz großen Jobs. Er besetzt Vorstandsposten von Dax-Unternehmen und ähnliche Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft. "Wir werden erst ab einem Jahresgehalt von mehr als 450.000 Euro tätig", sagt er - die Provision für eine erfolgreiche Vermittlung liegt in der Regel bei einem Drittel dieser Summe.

Kein Wunder, dass der Berufswunsch Headhunter bei vielen ganz oben steht. In solchen Gehaltsklassen tummeln sich allerdings nur wenige Personalberater. Und der Weg an die Spitze ist hart: "Unseren Alltag stellen sich viele besonders aufregend und toll vor, aber er besteht auch aus harter Arbeit", so Fulghum. "Man benötigt viel Geduld und eine gewisse Leidensfähigkeit, um sich über Jahre das richtige Netzwerk aufzubauen." Dazu gehören auch die 1500 Weihnachtskarten, die er jedes Jahr schreibt.

Ungewöhnlich war der Weg, der Fulghum zu einem der führenden Köpfe im "Executive Search" gemacht hat: "Mein Vater war zwar auch schon ein erfolgreicher Headhunter", berichtet er, "die geheimnisvollen, anscheinend wichtigen Besucher am Wochenende fand ich immer spannend. Aber für mich selbst war dieser Beruf damals noch weit entfernt." Daher begann er in den achtziger Jahren zunächst ein Informatikstudium an der TU München. Mit diesem Fachwissen programmierte er dann für den Personalberater Dieter Rickert eine Datenbank.

"Lass den Computer, wir müssen jetzt Lebensläufe sortieren"

Als Rickert den Großauftrag erhielt, zahlreiche Mitarbeiter für die Treuhandanstalt zu akquirieren, war es mit den Bits und Bytes vorbei. Gesucht waren "Profis für die DDR" - auf diese Anzeige kamen säckeweise Bewerbungen. "Komm Junge, lass den Computer, wir müssen jetzt Lebensläufe sortieren", sagte Rickert damals.

Fulghum erledigte nicht nur diese Aufgabe erfolgreich: Bald wurde er zu den Gesprächen mitgenommen, später Partner seines Lehrmeisters. Heute führen Rickert und Fulghum zusammen eine der renommiertesten deutschen Personalberatungen.

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Headhunter: Was Personalberater verdienen

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Der Begriff Headhunter stört Fulghum, im Gegensatz zu anderen in der Branche, überhaupt nicht - "am Ende des Tages sucht man halt Köpfe". Ein wenig stolz ist er auch auf seinen außergewöhnlichen Werdegang: "Na klar, wahrscheinlich hilft es, BWL studiert zu haben, doch im Grunde genommen ist das Fach egal. Denn man lernt vor allem in der Praxis, wie Unternehmen funktionieren", so Fulghum.

Rick Fulghum und Dieter Rickert bilden ein Mini-Team. Viel häufiger trifft man auf kleine und mittelgroße Agenturen, die sich auf eine Branche spezialisiert haben. So besetzt die GK Unternehmens- und Personalberatung in Frankfurt am Main Positionen in der Kommunikations- und Marketingwelt. Dort arbeitet auch Jessica Müller, die auf eher klassischem Wege zur Personalberatung kam.

Wildfremde Menschen anrufen - eine Typfrage

Schon während des Studiums der Soziologie wusste sie, dass sie es im Berufsleben gern mit Menschen zu tun haben möchte und der Bereich Personal daher von Interesse ist. "Durch ein Praktikum konnte ich in den Job reinschnuppern, nach meinem Abschluss wurde ich gleich übernommen", so Müller, 29. Zunächst war sie Researcherin, heute ist sie Juniorberaterin.

Für wichtig hält sie Empathie und Feingefühl und fühlte sich durch das Studium gut vorbereitet: "An der Universität habe ich mir die notwendige Fähigkeit zur Selbstorganisation angeeignet und gelernt, wie ich auf unterschiedliche Menschen zugehe und mir ein Netzwerk aufbaue", sagt Jessica Müller.

Lotsen für den Aufstieg

Was ihr allerdings fehlte, war ein ökonomischer Hintergrund. "Viele Personalberatungen favorisieren Kollegen mit wirtschaftlicher oder juristischer Vorbildung", weiß Müller. Deshalb könne ein Zusatzstudium Personalmanagement nicht schaden. Doch letztlich mache es keinen Unterschied, welches Fach man studiert habe: "Es ist vielmehr eine Typfrage, ob es einem liegt, wildfremde Menschen anzurufen und ein wenig Schicksal zu spielen."

"Parkettsicherheit lernt man nicht an der Uni"

Viele Karrierewege hat auch Jens Hohensee, 47, bereits beeinflusst. Es dauerte einige Zeit, bis er zu seiner aktuellen Position als Principal bei der großen Personalberatung Kienbaum Executive Consultants kam. Denn Hohensee studierte zunächst Geschichte, Politikwissenschaft und - "um meine Berufsaussichten zu verbessern" - Arabistik.

"Im Studium hatte ich den wissenschaftlichen Weg eingeschlagen und befand mich eigentlich schon auf dem Weg zum Professor", so Hohensee. "Doch während meiner Dissertation über den Ölpreisschock ging mir das Geld aus, ich landete als freier Mitarbeiter bei IBM. Nach meiner Promotion bewarb ich mich dann bei Industriestiftungen und wurde persönlicher Referent des Vorsitzenden der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz."

Hier lernte er nicht nur, politisch zu denken und zu handeln, sondern eignete sich auch die Parkettsicherheit an, die für seinen jetzigen Beruf so wichtig ist. "Das lernt man nicht an der Universität", so Hohensee. Über die Position eines Energieanalysten bei einer Unternehmensberatung kam er schließlich zur Personalberatung.

Sein Tipp an alle, die Personalberater werden wollen: "Es ist auf jeden Fall zielführend, zunächst Erfahrungen in einem Unternehmen zu sammeln. Wer dann noch eine gewisse geistige Flexibilität mitbringt und gern mit Menschen arbeitet, dürfte in der Personalberatung genau richtig sein." Und das Studienfach? Das ist auch für den Geisteswissenschaftler Hohensee nicht wichtig.

Helmut Reich ist freier Wirtschaftsjournalist.www.fangfrisch-medien.de 

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