Polizei, Bundeswehr, Adidas Wo Schüler am liebsten arbeiten möchten

Die schlechten Nachrichten aus der Autobranche beeinflussen auch den Nachwuchs: BMW, Audi & Co. stehen bei Schülern nicht mehr hoch im Kurs, zeigt eine Studie. Das liebste Berufsziel ist nun der öffentliche Dienst.

Auszubildende für den Polizeidienst
DPA

Auszubildende für den Polizeidienst


Jeder vierte Schüler (24 Prozent) möchte nach der Schule im öffentlichen Dienst arbeiten - damit ist dieser Sektor erstmals die Nummer eins. Danach folgen die Automobilindustrie (21 Prozent), der Handel (16 Prozent) und die Konsumgüterindustrie (15 Prozent).

Der beliebteste Arbeitgeber ist wie im Vorjahr die Polizei - knapp 14 Prozent der Jungen und 17 Prozent der Mädchen gaben diesen Berufswunsch an. Auf Platz zwei landet Adidas, die Bundeswehr kletterte von Platz vier auf Platz drei. Erst auf den Plätzen vier und fünf kommen in diesem Jahr mit BMW und Audi zwei Autobauer. BMW und auch Porsche verloren demnach an Attraktivität. Die Arbeitgeber Microsoft, Lufthansa und ProSiebenSat.1 schafften es ebenfalls unter die Top Ten.

Das geht aus dem Schülerbarometer des Marktforschungsunternehmens Trendence hervor; für die Studie wurden bundesweit 20.000 Schülerinnen und Schüler von Klasse acht bis 13 befragt. Laut den Studienmachern zeigen die Ergebnisse, dass durch die jüngsten Skandale das Image der Autoindustrie gelitten habe. Dass Jugendliche am liebsten im öffentlichen Dienst arbeiten möchten, liege auch an deren Sehnsucht nach Sicherheit.

Der Umfrage zufolge stieg zuletzt insgesamt die Unsicherheit unter den Schülern: 30 Prozent der befragten Jungen und Mädchen wussten noch nicht, was sie nach der Schule machen wollen, das sind zehn Prozent mehr als 2016 (rund 27 Prozent). Der Wunsch nach "Orientierung und Unterstützung bei der Berufswahl" sei enorm groß, erklärte das Institut. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) geht zudem davon aus, dass die Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz nicht leicht wird.

71 Prozent haben aber trotzdem eine grundsätzlich positive Vorstellung von ihrer beruflichen Zukunft. 44 Prozent verlangen dabei allerdings noch mehr Hilfe bei der Berufsorientierung von ihren Schulen, obwohl zwei Drittel der Schulen bereits viele Veranstaltungen zum Thema anbieten.

Auch die Vorbilder der Schüler könnten eine große Rolle bei der Berufsorientierung spielen. Zwei Drittel aller Schüler haben Idole in der Musik-, Internet- und YouTube-Welt. 82 Prozent von ihnen sagten, sie würden sich über Arbeitgeber informieren, die ihr Idol ihnen vorstellt.

Die Onlinebefragungen unter 20.000 Schülerinnen und Schülern in Deutschland fanden von Januar bis Juni 2017 statt, die Jugendlichen konnten dabei Gutscheine, Elektroartikel und Ähnliches gewinnen.

lgr/dpa/AFP

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insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
Freidenker10 24.07.2017
1.
Wissen die Schüler auch was man im ÖD so verdient? Gehälter mit denen man nur schwer eine Familie versorgen kann und von den Mieten in den Städten ganz zu schweigen. Dazu noch Tariferhöhungen die an Lächerlichkeit kaum zu toppen sind! Einzig die Jobsicherheit ist gegeben, aber dafür auch eine unglaublich Spießiges hierarchisches System. Die A-Kriecherei ist quasi Voraussetzung um wenigstens intern weiter zu kommen.
Spiegelleserin57 24.07.2017
2. gut erkannt!
hinzu kommt der Schichtdienst mit immerhin 12 Stundenschichten und die im Wechsel natürlich! Das heißt im Klartext dass man keine Freizeit mehr richtig planen kann. An Kursen oder Fortbildungen außerhalb des Arbeitgeber ist also nicht zu denken. Das soziale Leben ist deutlich eingeschränkt da auch Wochenenden Dienste anfallen ebenso an den Feiertagen. Eine Familie muss folglich erhebliche Einschränkungen in Kauf nehmen, ebenso der Freundeskreis. Ein Gehalt wiegt dies in keiner Weise auf ganz zu schweigen von der künftigen Rente. Es wäre sinnvoll die Jugendlichen offen und ehrlich über die zukünftigen Berufe aufzuklären. Viele Jobs werden auch zur Last wenn man dann älter wird und der Schichtdienst belastet die Gesundheit erheblich. Man sollte auch die hohe Verletzungsgefahr, Beispiel Hamburg, deutlich hervorheben. Wer sich dann immer noch für so einen Beruf entscheidet wird ihn auch mit Freude und hochmotiviert machen. Im Interesse der Arbeitgeber und der jungen Leute ist wirklich sehr wichtig die Berufe mit allen Vor-und Nachteilen zu zeigen. Sonst sind Frust und Burnout vorprogrammiert was man aber verhindern kann.
acitapple 24.07.2017
3.
"82 Prozent von ihnen sagten, sie würden sich über Arbeitgeber informieren, die ihr Idol ihnen vorstellt." Na klasse, fällt die Berufswahl auf den Nonsens, den so ein " Idol" von sich gibt. Man sollte dringend in jeder Schulform pflichtpraktika einführen, damit sich die lieben kleinen VOR der Berufswahl ein Bild von dem machen können was ihnen da vorgeschlagen wird. Ich gucke jetzt mal was lefloid und bros so alles anpreisen. Kann mir nicht vorstellen dass YouTuber die städtische Verwaltung oder das Finanzamt so hochjubeln.
bild71 24.07.2017
4. #1
Ihre Zuschreibungen bezüglich des OeD sind unzutreffend . Sie meinten wohl die Verhältnisse in der Privatwirtschaft.
hegoat 24.07.2017
5.
Die Umfrage zeigt, dass die Schüler zwischen der siebten und dreizehnten Klasse überhaupt keinen Schimmer haben, was der Beruf mit sich bringt, sondern eher nach "Coolness"-Faktor entscheiden. Schichtdienst bei der Polizei? Nie drüber nachgedacht. Todesrisiko bei der Bundeswehr? Nie drüber nachgedacht. Und was wollen die bei Adidas, BMW oder ProSieben werden? Hausmeister??
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