In Kooperation mit

Job & Karriere

Polizeibewerber in NRW Nicht ohne mein Löwen-Tattoo

Mit großem Tattoo Polizist werden? Geht nicht, sagt Nordrhein-Westfalen. Geht doch, urteilte nun ein Düsseldorfer Gericht - der Bewerber darf erst mal weiter von einer Polizeikarriere träumen.

Ein großer Löwenkopf auf dem linken Unterarm, etwa 20 mal 14 Zentimeter groß: Mit dieser Tätowierung hat sich ein junger Mann für die Polizeiausbildung in Nordrhein-Westfalen beworben. Doch das Land lehnte ihn ab.

Die Begründung: Großflächige Tätowierungen im sichtbaren Bereich stellen "einen absoluten Eignungsmangel" für die Polizeikarriere dar. Wer tätowiert ist, dem werde weniger Respekt und Vertrauen entgegengebracht.

Tatsächlich gibt es einen entsprechenden Erlass des nordrhein-westfälischen Innenministeriums. Sichtbare Körperstellen sind demnach alle Hautflächen, die beim Tragen der Sommeruniform erkennbar sind, also auch die Unterarme. Im konkreten Fall störte sich das zuständige Landesamt nur an der Größe des Löwenkopfs: Größer als ein "durchschnittlicher Handteller" dürfe ein Tattoo nicht sein. Gegen das Motiv selbst gab es ausdrücklich keine Einwände.

Doch diese Begründung - und der Ausschluss des Mannes vom Bewerbungsverfahren - ist rechtswidrig, wie das Verwaltungsgericht Düsseldorf  nun in einem Eilverfahren entschieden hat. Gleichzeitig verpflichteten die Richter das Land, den Bewerber zum weiteren Auswahlverfahren für angehende Polizisten zuzulassen.

"Augenfällige Zunahme von Tätowierungen gerade an den Armen"

Für einen Eignungsmangel reiche es nicht aus, "dass Teile der Bevölkerung großflächige Tätowierungen für unpassend oder unästhetisch halten", stellte das Gericht fest (Aktenzeichen: 2 L 3279/17 ). Entscheidend sei, ob Polizisten mit großen Tattoos tatsächlich weniger vertraut werde als untätowierten Kollegen. Und da gebe es schlicht keine Erkenntnisse: "Aktuelle Umfrageergebnisse zur Akzeptanz von Tätowierungen von Beamten liegen nicht vor."

Man könne sogar, so die Richter, im Hinblick auf die Akzeptanz von Tätowierungen einen gesellschaftlichen Wandel feststellen: Schließlich gebe es eine "augenfällige Zunahme von Tätowierungen gerade an den Armen". Auf solche Trends müsse der Dienstherr bei der Einstellung von Bewerbern aber eingehen.

Die Düsseldorfer Verwaltungsrichter mussten sich bereits zum zweiten Mal in diesem Monat mit den Einstellungskriterien für Polizisten auseinandersetzen. Anfang August hatten sie einer Bewerberin recht gegeben, die wegen ihrer Größe von 161,5 Zentimetern abgelehnt worden war. Auch sie ist nach ihrer Klage weiter im Bewerbungsverfahren dabei. Berliner Richter hatten dagegen im Mai entschieden, dass ein Polizeibewerber, der betrunken auf dem Fahrrad erwischt wurde, zu Recht abgelehnt wurde.

Outfits im Beruf: Welcher Look geht in welchem Job?

Baggy Pants oder Anzug? High Heels oder Sneaker? Diese Fragen überfordern manchen Berufseinsteiger. Richtig kompliziert wirds bei Tattoos, Piercings und teurem Schmuck. 

Fußballer wegen Tattoos suspendiert

Auch in anderen Berufsfeldern sorgen Tätowierungen immer wieder für Diskussionen. So verpasste der Frankfurter Fußballprofi Guillermo Varela im Mai das Pokal-Endspiel gegen Borussia Dortmund, weil er von Trainer Niko Kovac suspendiert wurde. Varela hatte sich entgegen der Anweisung von Kovac und des Rats der Ärzte ein Tattoo stechen lassen, das sich im Anschluss entzündete.

Ingo Froböse, Professor an der Deutschen Sporthochschule in Köln, geht das noch nicht weit genug. "Ich würde Tätowierungen verbieten. Bei den Klubs wird jede Kleinigkeit ernst genommen, da geht dieses Verhalten gar nicht", sagt Froböse und verweist auf Studien, nach denen Fußballer in der ersten Zeit nach einer Tätowierung Leistungseinbußen von drei bis fünf Prozent erleiden.

Den Kickern sind diese Einwände offenbar egal: In der Sommerpause präsentierten unter anderem Nationalspieler Leroy Sané und Kölns Torwart Timo Horn großflächige Rücken-Tattoos.

him/dpa