SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

27. September 2018, 14:44 Uhr

Frauen auf Jobsuche

Bitte bewerben Sie sich nicht mit der E-Mail-Adresse "Partymaus76"

Wer sich mit Kinderfotos und peinlichen E-Mail-Adressen bewirbt, braucht sich nicht zu wundern, wenn es mit dem Traumjob nicht klappt, findet Job-Coach Katrin Wilkens. Hier ist ihre Not-to-do-Liste.

Wenn der folgende Text nur eine einzige Frau davon abhält, sich mit einem Familienfoto, auf dem die Kindergesichter politisch korrekt gepixelt sind, zu bewerben, dann hat dieser Artikel sein Soll erfüllt.

Als Job-Profilerin habe ich mich auf den Wiedereinstieg von Müttern nach der Elternzeit spezialisiert und kann aus meiner täglichen Erfahrung sagen: Die meisten Bewerbungen sind hochprofessionell, grafisch einwandfrei und optisch tipptopp.

Aber: Es gibt immer wieder Job-Anschreiben, die schreien jeder Personalabteilung "Nimm mich bloß nicht" entgegen. Diese schlimmsten Bewerbungssünden habe ich hier zusammengetragen, und wer diese Sammlung für übertrieben hält, dem sei gesagt: Doch, diese Fehler werden wirklich gemacht. Und vor allem von Müttern. Väter machen andere.

1. Sich mit den Kindern bewerben: Wer in seinem Anschreiben die Elternzeit ("Acht Monate") erwähnt oder das Alter der Kinder ("3 und 5,5 Jahre"), könnte auch gleich noch schreiben, dass die Große bald das Seepferdchen macht. Privates hat in Bewerbungsanschreiben nichts verloren. Überhaupt ist jeder Querverweis auf die eigene Brut unprofessionell, also bitte auch im Bewerbungsgespräch keinen Spruch ablassen wie: "Ich bin ein Multitasking-Talent, das muss man als Mutti ja sein." Vielmehr sollten alle Fragen nach den Kindern, auch wenn sie hinterhältig nett gestellt sind, freundlich in Ein-Wort-Sätzen beantwortet werden.

2. Tiefstapeln: Es gibt Frauen, die sich nach einem BWL-Studium, drei Jahren Auslandserfahrung und Elternzeit auf eine Teilzeit-Assistenz bewerben und sich wundern, warum sie nicht eingeladen werden. Der Grat zwischen Pragmatismus (erst mal wieder reinkommen) und Tiefstapelei ist schmal. Generell gilt: Bescheidenheit hilft in der Berufswelt nicht weiter, diese Tugend deshalb bitte komplett im Privatleben verbraten. Wer sich zu sehr unter Wert verkauft, gerät in eine Schiffsschraube aus Frust: "Jetzt nehmen die mich noch nicht mal als Assistenz." Wer sich mit 40 offenbar nichts zutraut, wirkt infantil. Statt einen Job weit unter dem eigenen Niveau zu suchen, sollte man sich lieber in Branchen umschauen, die abseits von chic und begehrt liegen. Daher der ernst gemeinte Rat: Schwimmwestenhersteller, Fußcreme-Fabrikanten und Bestattungsunternehmer suchen auch Bewerber.

3. Sinnsuche: Viele, vor allem Frauen, wünschen sich eine Tätigkeit, die sie erfüllt. Aber: Es ergibt viel Sinn, den Sinn aus dem Job auszulagern. In ein Ehrenamt zum Beispiel. Dann kann man beruhigt im Job Geld verdienen, und in der Freizeit ist man ein guter Mensch. Abgesehen davon, dass Aufzucht und Pflege von Kindern an sich schon sehr ehrenhaft sind.

4. Schlecht verhandeln: Viele Mütter denken, dass es schon nett ist, dass sie eingestellt werden, so nett, dass sie erst gar nicht um ein Gehalt verhandeln müssen. Das ist in etwa so, als würde man seinem Mann sagen: "Es ist schon fein, dass du deinen Samen zur Verfügung gestellt hast, wickeln musst du jetzt nicht." Die Entlohnung hat auch etwas damit zu tun, wie viel wir uns wert sind. Und auch wenn der Gatte mehr verdient: trotzdem verhandeln, trotzdem damit rechnen, dass man auch mal Alleinverdiener sein könnte, trotzdem eine angemessene Entlohnung wollen.

5. Peinliche E-Mail-Adresse: Wer als E-Mail-Adresse "Partymaus76" oder "Familie_Glücklich" angibt, der braucht sich nicht zu wundern, dass bei gleicher Qualifikation Bewerber bevorzugt werden, die eine seriöse Adresse als E-Mail-Absender haben. Einfach weil sie damit zeigen: Ich kann zwischen Beruf und privat unterscheiden. Und wer jetzt meint, diese Anfängerfehler macht keiner mehr: Ich hatte mal ein Bewerbungsanschreiben von "Party-Pussy_55".

6. Zu früh kommen: Zu spät zum Gespräch erscheinen, ist schlecht. Zu früh kommen allerdings auch. Ist ein Bewerbungsgespräch auf 10 Uhr terminiert, ist man um 10 Uhr da. Nicht um 9:50 Uhr. Weil das eine unglückliche Mischung aus "den anderen unter Druck setzen", "sich übervorsichtig zeigen" und "schlechtes Zeitmanagement" ist. Wer zu früh da ist, geht einfach noch einmal um den Block.

7. Naivität: "Haben Sie noch Fragen an uns?" wird oft falsch verstanden. Bitte sagen Sie daraufhin nicht so etwas wie: "Gibt es bei Ihnen auch ein Sabbatical?" oder "Ich müsste donnerstags immer um 14.30 Uhr los, weil da die Omi immer Massage hat und deshalb die Kinder nicht abholen kann." Erkundigen Sie sich stattdessen nach inhaltlichen Weiterentwicklungen der Firma oder Fortbildungsangeboten. Und immer den Satz "Wer fragt, führt" im Hinterkopf haben. Auf eine sachlichere Art kann man Interesse und Selbstbewusstsein nicht miteinander verbinden.

8. Niedlich unterschreiben: Auch wenn es antiquiert wirkt: Es gibt Menschen, die kaufen sich einen Unterschriften-Füller und setzen ihre eigene Signatur wie einen Schlusspunkt unter die Bewerbung. Und es gibt Bewerber, die unterschreiben ihre Bewerbung so klein und verhuscht, als hätten sie eine Nagelbettentzündung. Eine Unterschrift darf mittelgroß, flüssig und selbstbewusst sein. Und bitte, liebe Frauen mit einem "i" im Namen: keine Kringel, Herzchen oder Blümchen statt i-Punkt. Das wirkt leider nur Bibi-Blocksberg-niedlich, mehr nicht.

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung